Selbsthilfegruppe Blaues Kreuz feiert Jubiläum:

Der Teufel hat den Schnaps gemacht

Am 23. November feiert die Selbsthilfegruppe Blaues Kreuz 35-jähriges Jubiläum. Gruppenleiter Wolfgang Eichhorn erzählte dem Nordkurier aus seinem eigenen Leben mit der Sucht und wie er davon los kam.

Ob Feierabendbier oder Sektempfang - Alkohol zu trinken ist häufig ein gesellschaftliches Ritual. Da ist es manchmal nicht weit bis in die Abhängigkeit.
Arno Burgi Ob Feierabendbier oder Sektempfang - Alkohol zu trinken ist häufig ein gesellschaftliches Ritual. Da ist es manchmal nicht weit bis in die Abhängigkeit.

Für Wolfgang Eichhorn begann es mit einem Schnäpschen vor der Arbeit. Ein kleiner Schnaps gegen die Kopfschmerzen. Die Kopfschmerzen verflogen, Wolfgang Eichhorn fühlte sich gut. Aber nur eine halbe Stunde lang. "Danach ist die schlechte Stimmung, der Kater, umso stärker und dauert umso länger an", erinnert sich der 62-Jährige. Was folgt, ist der klassische Teufelskreis aus Verlangen und fehlgesteuerter Belohnung. "Die Zeitabstände, in denen man trinken muss, um sich wieder gut zu fühlen, werden immer kürzer. Oder die Prozente des Alkohols werden höher."

Dabei war Wolfgang Eichhorn zunächst kein Stresstrinker. "Ich hatte keinerlei Probleme, hatte Familie und einen guten Job. Ich habe immer viel gearbeitet und wurde gelobt." Trotzdem griff er regelmäßig und immer häufiger zur Flasche. "Ich trank aus Überheblichkeit", gibt Wolfgang Eichhorn ehrlich zu. Denn er glaubte nicht, selbst in die Sucht abrutschen zu können. Inge Hammerich, auch beim Blauen Kreuz aktiv und heutige Lebensgefährtin des 62-Jährigen, kennt dieses Verhalten. "Alkoholsüchtige wollen sehr oft nicht wahrhaben, dass sie süchtig sind. Sie verleugnen es oder schämen sich dafür." Wolfgang Eichhorn merkte seine Alkoholkrankheit erst spät. "Als ich nachts zitternd und schwitzend aufwachte, als ich physisch, moralisch und seelisch am Ende war."

Mit 39 Jahren schafft er den Ausstieg. Er macht einen Entzug und geht danach nicht in sein altes Umfeld zurück, sondern in die christliche Familie von Seelsorger Andreas Vichel. "Mit der Sucht distanzierten sich meine alten Freunde von mir. Sie haben bei mir nicht mehr das gefunden, was sie wollten", sagt Wolfgang Eichhorn. Damit spricht er ein weiteres Problem an, mit dem Suchtkranke zu kämpfen haben: Die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol.

"Heutzutage sieht man viele Jugendliche mit Bierflaschen in der Hand. Kinder von Alkoholikerinnen kommen schon suchtgeschädigt auf die Welt", erzählt er. Wer seine Sucht endgültig besiegen will, darf nie wieder Alkohol trinken, komplett abstinent leben. "Das fällt vielen schwer", sagt Inge Hammerich. Ob Feierabendbier oder Sektempfang - Alkohol zu trinken ist häufig sogar gesellschaftliches Ritual. Wer nicht trinkt, wird misstrauisch beäugt. Hinzu kommen vergleichsweise billige Alkoholpreise im Gegensatz zu Ländern wie Schweden. Denn der Staat profitiere vom Alkoholgeschäft, kritisiert Inge Hammerich.

Wolfgang Eichhorn bringt der Glaube weg vom Alkohol. Er wurde Mitglied beim Blauen Kreuz, das zu DDR-Zeiten verboten war und AGAS hieß. Seit 21 Jahren leitet er jetzt die Ortsgruppe Neubrandenburg, die sich nach der Wende wieder Blaues Kreuz nennen darf, und hilft anderen Süchtigen auf ihrem Weg in die Abstinenz. Die Gruppe trifft sich immer donnerstags ab 19 Uhr im Haus der Begegnung. Nicht nur Betroffene sind in der Gruppe willkommen, sondern auch Angehörige oder einfach Interessierte. Aber auch vorbeugend arbeitet der Verein. Wolfgang Eichhorn hält zum Beispiel Informationsstunden in Schulen ab, damit schon Kinder über das schwierige Thema der Sucht nachdenken.

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