Speditionen in Sorge um Zukunft:

Der Trucker-Nachwuchs stirbt aus

Brummi-Lenker zu sein – das gilt schon längst nicht mehr als Traumberuf. Kritik am zunehmenden Lkw-Verkehr kratzt ebenso am Image wie das Konkurrenzdruck auf die Branche. Speditionen der Region versuchen jetzt neue Wege, um junge Menschen für den Job zu begeistern.

Nichts mit Trucker-Romantik: Auf den Rastplätzen wie hier an der A 12 Brandenburg stehen die Brummis oft dicht an dicht. Manchmal fehlt der Platz für eine vorgeschriebene Ruhepause.
Patrick Pleul Nichts mit Trucker-Romantik: Auf den Rastplätzen wie hier an der A 12 Brandenburg stehen die Brummis oft dicht an dicht. Manchmal fehlt der Platz für eine vorgeschriebene Ruhepause.

Als „Kapitän der Landstraße“ auf dem chromblitzenden Truck in allen Ecken Europas unterwegs – grenzenlos frei, jeden Tag in einem anderen Land... „Die Trucker-Romantik gibt es nicht mehr, unsere Speditionen haben mittlerweile sehr ernste Probleme damit, Berufskraftfahrer und Nachwuchs zu finden“, kann Hans-Joachim Büttner über nostalgische Vorstellungen oben skizzierter Art nur den Kopf schütteln. Er arbeitet bei der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg (IHK) als Referent Verkehr/Gefahrgut und hat dadurch einen sehr guten Draht zu den Speditionsbetrieben der Region.

Er skizziert ein Beispiel zu diesem Thema: Die NEVAG-Eurotrans Neubrandenburg, ein bekanntes Unternehmen, würde pro Jahr 15 bis 20 neue Kraftfahrer brauchen, um die Mitarbeiterzahl zu halten. Denn aufgrund der Altersstruktur gehen laufend Beschäftigte in Rente. Tatsächlich könne der Betrieb aber nur drei bis vier neue Mitarbeiter im Jahr gewinnen.

Und das alle nur, weil die Trucker-Romantik den Bach runtergeht? „Nein, das ist nur ein Faktor. Die demografische Entwicklung macht auch um die Speditionsbranche keinen Bogen. Darum gibt es immer weniger junge Leute, die zum Beispiel Berufskraftfahrer werden könnten“, erklärt Hans-Joachim Büttner.

Außerdem: "Berufskraftfahrer zu sein ist mittlerweile ein knallharter Job. Per Handy ist der Fahrer ständig mit seiner Firma, seinem Disponenten verbunden und hat viel mehr zu tun als Ware von A nach B zu fahren“, berichtet Hans-Joachim Büttner. Den einfachen Transport könnten osteuropäische Speditionen heute ohnehin viel billiger leisten als deutsche, darum würden letztere mehr auf komplexe Dienstleistungen setzen. Das können das Be- und Entladen, das Kommissionieren (Zusammenstellen von Teilmengen), kurzfristige Änderungen und Erweiterungen der Touren sein, ergänzt Büttner. Dadurch gebe es häufig Änderungen für den Kraftfahrer, seine komplizierter gewordene Arbeit mache einen ständigen Austausch mit dem Disponenten notwendig.

Die Branche habe zudem mit Image-Problemen zu kämpfen. Die Zahl der Lkw wird immer größer, sie werden als Hindernis, Luftverpester, Lärmquelle und Landplage schlechthin abgelehnt, sagt Hans-Joachim Büttner und erklärt: „Aber das heutige Versorgungssystem würde sonst überhaupt nicht funktionieren. Die Menschen haben sich an täglich frische Ware in den Supermärkten ebenso gewöhnt wie an das Bestellen per Internet.“ Auch die zeitlich punktgenau geforderte Belieferung des Verarbeitenden Gewerbes erfordere gewaltige Transportkapazitäten.

Können Unternehmen aus Neubrandenburg und Umgebung etwas unternehmen, um diesen ungünstigen Entwicklungen zu trotzen und Nachwuchs zu gewinnen? „Ja, die NEVAG Neubrandenburg und die Spedition Gertner aus Altentreptow gehen zum Beispiel in die Schulen und stellen sich dort vor“, weiß Büttner. Damit würden sie für die Ausbildung in ihren Betrieben werben und zeigen, dass dort ein Berufsleben mit guter Perspektive möglich sei. Auch sei der fehlende Nachwuchs bereits seit 2008/09 immer wieder Thema im Arbeitskreis Verkehr. In diesem Arbeitskreis, den Hans-Joachim Büttner betreut, treffen sich regelmäßig die Vertreter der Transportbranche.

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Kommentare (1)

Also ich fahre seit 25 Jahren LKW. Seit den letzten 20 Jahren hab ich den selben Lohn, Nicht eine Mark,oder einen € mehr. Alle Unternehmer müssten in den Arbeitgeberverband gezwungen werden. Tarifverträge gelten bei 85 % nicht. Ne ordentliche Entlohnung,dazu ne Disposition die ihren Namen auch verdient...... Mir fällt dazu nur ein: Solange die Chef`s nur mit Bananen zahlen wollen,müssen sie sich nicht wundern wenn sie (wenn überhaupt) nur Affen als Fahrer bekommen.