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Die Fischbüchse schlägt der Sonne ein Schnippchen

VonRalph SommerSpannende Sprints haben sich Schüler aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin beim ersten Solarbootrennen in Stralsund geliefert–„Doping“ ...

Schwimmversuche im Wettkampfbecken: Ohne Sonne dümpeln die Solarboote nur durch das Wasser.  FOTO: Ralph Sommer

VonRalph Sommer

Spannende Sprints haben sich Schüler aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin beim ersten Solarbootrennen in Stralsund geliefert–
„Doping“ inklusive.

Stralsund/Berlin.Trüber Himmel vermiest die Stimmung am Wettkampfbecken. Die Sonne lässt sich nicht blicken, und deshalb dümpeln die kleinen Solarboote von Anna, Tom und Nicolas aus Rostock kraftlos in der Drei-Meter-Bahn. Noch einen Tag zuvor bei praller Sonne sei daheim alles prima gelaufen, sagt Tom. „Aber jetzt reicht das Licht nicht aus, um genügend Strom zu produzieren.“
Zwei Wochen lang hatten die drei Schüler im Gymnasium Reutershagen an ihren Mini-Booten gebastelt. Die Vorgabe des Stralsunder
Klimarates für das erste Solarbootrennen war klar definiert: Eine Solarzelle, ein kleiner Motor und eine Schiffsschraube, mehr Technik war nicht erlaubt.
„Es kam darauf an, die geringe Antriebsenergie mit möglichst wenig Reibungsverlusten auf die Schraube zu übertragen“, erklärt die
15-jährige Anna, die mit „Aurum“ an den Start gehen will, einem aus Styroporplatten geschnitzten Schiffchen, auf dem sie die Solarzelle mit Knete fixiert hat. Mitschüler Tom setzt auf eine Plastikform, und Nicolas hat seinem Schaumstoffboot eine Schiffshaut aus Alu verpasst. „Damit es schneller durchs Wasser gleitet“, sagt er.

Scheinwerfer ersetzen
fehlende Sonnenstrahlen
Insgesamt 30 Schülerteams aus Ueckermünde, Stralsund, Rostock und Berlin sind dem Aufruf der Organisatoren gefolgt und haben mit den zugeschickten Bausätzen kleine Solarboote gebastelt. Zur Flotte gehören bunt bemalte Konstruktionen aus Plastik, Gummi, Styropor, Kunststoffmatten oder Fischbüchsen mit Namen wie „Juris Sun-
shine“, „Jette“, „Atlantis“ oder „Aalauge“. Aber was nützt das alles, wenn sich Klärchen nicht blicken lässt?
Schließlich hat Cheforganisator Tilman Langner vom Verein Umweltschulen die Idee. Von einer Baustelle werden eigens zwei Scheinwerfer organisiert, in Position gebracht und schon geht das Rennen los. Ohne Atomstrom gehe eben doch nichts, spöttelt jemand im Publikum, aber das kann die Stimmung am Wettkampfbecken nicht mehr vermiesen. Von den 500-Watt-Lampen gedopt und angetrieben von begeisterten Anfeuerungsrufen liefern sich die 30 Boote und Katamarane im K.-o.-Verfahren spannende Rennen. Am Ende kommt die Sonne doch noch heraus und beschert Erik, Nathan und Karl von der Adolph-Diesterweg-Schule Stralsund mit dem Solarboot „Aidasol“ den Turniersieg.

Schlanke Boote
spielen Vorteile aus
Langner, der schon für 2013 ein weiteres Solarbootrennen plant, ist zufrieden. „Die Schüler haben sich auf kreative Weise mit der Nutzung der Solarenergie auseinandergesetzt und überaus interessante technische Lösungen entwickelt“, sagt er. Als beste Varianten hätten sich Konstruktionen mit schlanken Bootsformen, glatten Oberflächen und einem direkten Anschluss der Schraube an den Motor erwiesen.
Die Entwicklung der kleinen Solarboote habe ihre Schüler begeistert, sagt Mathematik- und Physik-Lehrerin Kersten Pietzsch, die in Rostock einen Wahlpflichtkurs „Energie plus“ leitet. „Die Aktion passt genau zu unseren Plänen. Im kommenden Jahr soll in Reutershagen eine Energie-plus-Schule gegründet werden, in der sich die Schüler verstärkt mit regenerativen Energie-Projekten befassen sollen“, kündigt sie an.