Großflächiger Abriss nicht in Sicht:

Die Garagen sind nicht nur fürs Auto gut

In Neubrandenburg gibt es mehr als 6000 Garagen. Sie sind nicht schön, aber nützlich und deshalb immer noch sehr gefragt. Deshalb werden sie wohl auch nicht so schnell aus dem Stadtbild verschwinden, wie es sich mancher vielleicht wünscht.

Hans-Georg Schleusner hat seine Garage noch selbst gebaut. Seit rund 40 Jahren nutzt er sein praktisches Refugium und denkt gar nicht daran, es aufzugeben.
Andreas Segeth Hans-Georg Schleusner hat seine Garage noch selbst gebaut. Seit rund 40 Jahren nutzt er sein praktisches Refugium und denkt gar nicht daran, es aufzugeben.

Hans-Georg Schleusner ist ein Garagenpächter der allerersten Stunde. Er war schon dabei, als seine Nachbarn und er in den 70er-Jahren gemeinsam den Garagentrakt an der Hufelandstraße in der Oststadt hochgemauert haben. Das war damals so üblich, Hilfe erhielten sie vom Tiefbaukombinat, das meiste geschah aber in Eigenleistung.

Bis heute ist der 78-Jährige seiner Garage treu. Das verwundert nicht: Denn diese dient den meisten Garagenpächtern und Mietern nicht nur zum Abstellen des fahrbaren Untersatzes und zum Lagern von allerlei technischem Krimskrams, sondern hier gibt es auch jede Menge sozialen Kitt: Die Nachbarn kennen sich, halten auch schon mal ein Pläuschchen und helfen einander bei kleineren Reparaturen. In diesen Herbsttagen ist zum Beispiel der Reifenwechsel dran.

Wer selbst keine Garage hat, den nervt oft nur der meist trostlose Anblick der endlosen Doppeltürreihen in den grauen Flachbauten. Und so kommt es immer wieder vor, dass manch ein Stadtplaner oder Investor auf der Suche nach neuen Baustandorten sich schon mal die Finger leckt nach den oft gut gelegenen Garagengrundstücken.

Abrisspläne derzeit nur in Mockeshof

Laut Rathaussprecherin Doreen Duchow strebt man in der Stadtverwaltung momentan an, einzelne Garagen in andere, besser ausgelastete Komplexe zu verlegen. Andere Anlagen, in denen der Leerstand überhandnimmt, könnten dann verkleinert oder gar abgerissen werden. So könne man auch Vandalismus oder illegaler Müllentsorgung entgegenwirken.

Zurzeit sieht es allerdings nicht danach aus, als ob in Neubrandenburg großflächig Garagen abgerissen werden. Denn diese sind gut ausgelastet. Die Neuwoges bewirtschaftet zurzeit rund 5000 Garagen. Davon stehen nur 6 Prozent leer. Der Bestand hat allerdings schon kräftig abgenommen. Im Jahr 1990 waren es noch 1500 Garagen mehr. Momentan sei ein Abriss nur in Monckeshof geplant, erklärt Neuwoges-Geschäftsführer Frank Benischke.

Im übrigen sei in den vergangenen Jahren einiges investiert worden, um die Sicherheit zu erhöhen. Gerade an den Umzäunungen und an den Toren sei einiges getan worden. Seitdem habe sich die Zahl der Garageneinbrüche verringert. Im Bereich der Mietgaragen wurden auch Tore, Dächer und Anstriche erneuert.

Auslastung ist bei den Anbietern unterschiedlich

Die meisten Garagen – genau sind es 4369 – werden von der Neuwoges verpachtet. Hier wird nur der Grund und Boden zur Verfügung gestellt, um alles weitere muss sich der Pächter kümmern. Bei den 624 Mietgaragen ist die Neuwoges auch für weite Teile der Instandhaltung selbst zuständig. Das macht einen großen Unterschied, vor allem im Preis: Denn eine Pachtgarage kostet zwischen 75 und 130 Euro im Jahr. Für eine Mietgarage muss man rund 40 Euro im Monat berappen.

Die Neuwoba bewirtschaftet im Vergleich zur Neuwoges nur wenige Garagen. Sie vermietet 71 Garagen in Neubrandenburg, Burg Stargard und Penzlin. Die Auslastung ist aber genauso gut – hier stehen nur vier Garagen leer.

Mehr Angebote unterbreitet das Städtische Immobilienmanagement in Neubrandenburg. Im Auftrag des Rathauses verpachtet es zurzeit 963 Garagen. Gut 100 stehen leer, hier gibt es laut Doreen Duchow auch Abrisspläne.

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