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Die Schatten der Ewigkeit

„Nein…! Tu mir nichts!!!“, jammerte ein kleines Mädchen und stieß einen angsterfüllten Schrei aus. „Hör bitte auf, bitteee …!“ Sie lief und ...

„Nein…! Tu mir nichts!!!“, jammerte ein kleines Mädchen und stieß einen angsterfüllten Schrei aus. „Hör bitte auf, bitteee …!“ Sie lief und lief, doch weit und breit war niemand zu sehen, der sie retten konnte. Sie hatte keine Wahl, sie musste sich stellen. Doch bevor sie dies tat und sich retten konnte, kam das Schicksal ihr zuvor und ließ die Jagd in einer Sackgasse enden. Es war zu spät.
Auch sie wurde zum Opfer des sich überall verbreitenden Monsters Charko. Er war in allen Überschriften zu sehen, wie zum Beispiel: „Charko ist zurück und DU bist sein nächstes Opfer!“ oder: „Der Mythos Charko ist wieder hier. Er ist immer in deiner Nähe und kommt, um dich zu holen …“ Durch solche erschreckenden Nachrichten und Zeitungsartikel trauten sich die Menschen nicht mehr auf die Straße. Nun – das ist kein Wunder. Weit und breit ist hier keine Stadt in der Nähe unseres Dorfes, also auch keine halbwegs guten Polizisten. Unser Dorf ist sehr weit abgelegen von der Zivilisation und sehr klein, ungefähr so groß wie neun Fußballfelder. Also ist es sehr übersichtlich. Wir leben mitten im Biberwald. Nördlich von München gelegen. Auf jeden Fall erscheint der Charko immer, wenn die Sonne untergeht, denn dann kommt er aus einer dunklen Gasse, und es zieht Nebel auf.
Er streunt durch die Straßen, sucht wahllos Menschen als Opfer, und immer wenn es hell wird, geht er zurück in seine Gasse. Er kommt immer neben dem Dratamarkt hervor und verschwindet auch immer dort. Der Dratamarkt ist ein Einkaufsmarkt mitten in unserem Dorf.
Vor ungefähr drei Jahren geschah die Geschichte. Langsam wurde es wieder Abend in unserem Dorf und ausgerechnet ich ging vom Dratamarkt nach Hause. Unser Haus liegt so ziemlich am Rande des Dorfes. Auf jeden Fall rannte ich und wollte wenigstens ein paar Menschen um mich haben. Leider ohne Erfolg, denn niemand war zu sehen. Der Dratamarkt war jetzt schon weit entfernt, und ich sah kein Licht mehr. Das Einzige, was mir den Weg geleuchtet hatte, war ab und zu eine dunkle Laterne. Es zog ein unheimlicher Nebel auf, in dem man kaum die eigene Hand vor Augen sehen konnte. Ich ahnte Schlimmes und lief noch schneller. Auf einmal hörte ich ein lautes Schnaufen hinter mir. Es kam näher und näher. Ich brauchte nicht lange, um mir zusammenzupuzzeln, dass dies kein Mensch war.
In mir brach große Panik aus und ich war zu ängstlich, um zu atmen. Ich achtete nicht mehr darauf, wohin ich lief – plötzlich kam eine Sackgasse und ich stoppte. Langsam aber intensiv begann ich wieder Luft zu holen. Mir lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Ich wunderte mich, denn in unserem Dorf war es warm. Ich hatte trotz meiner Angst beschlossen mich umzudrehen. Es passierte ganz plötzlich. Ich sah niemanden … gerade wollte ich aufstehen, doch dabei stolperte ich! Als ich mich aufrappelte, erstarrte ich vor Angst, denn ich sah es. Nun hatte ich nur zwei Möglichkeiten: Erstens: Ich hätte weglaufen können. Oder zweitens: Ich werde das Opfer sein. Ich entschied mich für gar nichts von beiden. Stattdessen ging ich langsam rückwärts. Natürlich wusste ich, dass irgendwann die Wand kommen müsste, aber ich ging das Risiko ein. Sie kam leider schneller als erwartet und ich wusste, ich war gefangen. Was passierte jetzt? Ich sah nach vorn. Es war ein Monster mit grünem Schleim am Mund und blutroten Augen. Wie gruselig! Nun wusste ich, es war zu spät. Ich schloss die Augen. Nach einigen Augenblicken öffnete ich sie wieder und war erschrocken und erleichtert zugleich. Ich lag in meinem Bett und hörte die Worte: „Sie ist unterkühlt, und es sind merkwürdige Bisswunden an ihren Armen. Ich komme morgen noch einmal her.“ Ich war mir sicher, dass es ein Arzt war. Ich glaube, er heißt Herr Potznick. Er ist ein sehr bekannter Arzt in unserem Dorf.
Nun ja, meine Eltern kamen jetzt in mein Zimmer. Ich sah, wie sie zwischendurch tuschelten. Ich habe nur gehört: „Igitt, an ihren Armen ist ja grüner Schleim …!“ Meine Arme waren so glitschig und genauso grün wie der Schleim, der dem Charko aus dem Mund quoll. Nun sahen meine Eltern wieder zu mir und hatten ein Lächeln im Gesicht. Sie sprachen sanft zu mir: „Na, wie geht’s unserer Süßen denn?“ Auf einmal rüttelte mich eine Hand wach. Es war meine Mutter. Sie fragte: „Warum schreist du denn so?“ Ich setzte mich hin und erzählte ihr von meinem Albtraum.

Johanna Trettin aus dem
Sportgymnasium
(10 Jahre alt)