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„Die sogenannte Euro-Rettung ist sinnloses Geldausgießen“

Die euroskeptische Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) ist gegen Steuersenkungen. „Wir fordern drastische Steuervereinfachungen – keine ...

Bernd Lucke  FOTO:Marc Tirl

Die euroskeptische Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) ist gegen Steuersenkungen. „Wir fordern drastische Steuervereinfachungen – keine Steuersenkungen“, sagt AfD-Chef Bernd Lucke. Mit ihm sprach unser Korrespondent Rasmus Buchsteiner

Herr Lucke, Ihre Partei
fordert das Ende des Euro in seiner bisherigen Form. Kritiker halten das für
billigen Populismus ...
Wir haben das erste ernstzunehmende Alternativ-Modell zum Euro in die Debatte eingebracht. Von Populismus kann keine Rede sein. Der Euro hat als gemeinsame europäische Währung versagt und die südeuropäischen Staaten in eine lang andauernde Krise gestürzt – das ist Fakt. Frau Merkel und andere versuchen, die öffentliche Debatte darüber durch das Dogma der angeblichen Alternativlosigkeit zu ersticken.

Moment mal! Profitiert nicht gerade die deutsche Wirtschaft am stärksten vom Euro?
In den Anfangsjahren des Euro hat unsere Wirtschaft stark gelitten. Deutschland hatte damals die niedrigsten Wachstumsraten in Europa und hohe Arbeitslosigkeit – bis zu fünf Millionen. Jetzt stehen uns enorme Gefahren ins Haus. Die Altersvorsorge ist nicht mehr gesichert, weil die Versicherungen die garantierten Zinsen für Renten und Lebensversicherungen nicht mehr erwirtschaften können. Es warten milliardenschwere Haftungsrisiken auf die deutschen Steuerzahler. Ich sage voraus: Dieses Geld wird im Fall Griechenlands auch eingefordert werden, spätestens wenn die Bundestagswahl vorüber ist.

D-Mark-Nostalgie und Anti-Euro-Politik – geben Sie
damit nicht die Solidarität innerhalb Europas völlig auf?
Nein. Von unserem Geld sehen die Griechen doch keinen einzigen Cent. Die Milliarden des Nordens sind ein reines Rettungsprogramm für die Banken. Das ist nicht solidarisch. Andere Länder in Europa sind übrigens viel ärmer: Griechenland erhält dreistellige Milliardenbeträge. Die baltischen Staaten aber bekommen nichts, dabei ist Pro-Kopf-Einkommen dort viel geringer. Die so genannte Euro-Rettung ist ein sinnloses Geldausgießen, das nichts mit sozialer Verantwortung zu tun hat.
Sind Sie angesichts
absehbarer Spielräume
im Bundeshaushalt für
Steuersenkungen?
Wir fordern drastische Steu-ervereinfachungen – keine Steuersenkungen. Deutschland ist überschuldet. Die Schuldenquote liegt bei mehr als 80 Prozent, obwohl höchstens 60 Prozent zulässig sind. Steuersenkungen wären nicht zu verantworten. Wir sind Realisten. Populistisch ist die FDP, wenn sie immer wieder irreale Steuerentlastungen verspricht.

Kritiker werfen Ihnen
Fischen in rechten Gewässern vor. Sind Sie nicht selbst Schuld, wenn Sie Beifall von Rechtsextremen bekommen?
Wir grenzen uns klar ab. Wenn der FC Bayern einen rechtsradikalen Fanclub hat, bedeutet das noch lange nicht, dass der Verein rechtsradikal ist oder schlechten Fußball spielt. Natürlich gibt es ein paar versprengte Irre, die versuchen, von unserem Erfolg zu profitieren. Aber wir sind eine Partei aus der Mitte der Gesellschaft. Und das ist wichtig, denn so kommen Menschen, die gegen die Euro-Politik sind, erst gar nicht auf die Idee, rechtsradikal zu wählen. Es gibt ja uns.

Wird es die „Alternative für Deutschland“ überhaupt in den Bundestag schaffen?
Über die Fünf-Prozent-Hürde werden wir sicher kommen und auch ein zweistelliges Ergebnis ist denkbar.