Seifenkistenrennen auf dem Datzeberg:

Die tollkühnen Jungs in ihren rollenden Kisten

Der schönste Wartburg aller Zeiten dient als Vorbild für die Seifenkiste des Neubrandenburger Rennfahrers Hannes. Der ging gemeinsam mit seinem Bruder auf dem Datzeberg an den Start. Beeindruckende Fahrzeuge gab es da zu sehen – und auch einen spektakulären Crash.

Ab geht die Post: Der "Wartburg 313" mit dem Neubrandenburger Hannes Pohl flitzt die Startrampe hinunter.
Hartmut Nieswandt Ab geht die Post: Der "Wartburg 313" mit dem Neubrandenburger Hannes Pohl flitzt die Startrampe hinunter.

Den Wartburg 313 gab es wirklich, noch heute sorgt dieser ausgesprochen attraktive Wagen für Aufsehen – wenn denn einmal eines dieser raren Cabrios auftaucht. Denn davon wurden in den Jahren von 1957 bis 1960 nur 469 im Automobilwerk Eisenach und später im Karosseriewerk Dresden hergestellt. Weil der Neubrandenburger Frank Pohl ein Riesen-Wartburg-Fan ist, nahm er den 313er als Namenspatron für die Seifenkiste, die er für seinen Sohn Hannes baute. Der ging mit diesem Gefährt am Sonnabend an den Start des Seifenkistenrennens auf dem Datzeberg.

„Nachdem das Rennen im vorigen Jahr ausgefallen war, nahmen wir uns der Sache an. Wäre doch schade, wenn diese tolle Tradition einfach sang- und klanglos untergehen würde“, sagte Steve Lehmann vom „T.O.N.I. e. V.“, dem Verein für präventive Jugendarbeit Neubrandenburg. Also gab es am Sonnabend auf dem Kunstrasenplatz am Rande des Wohngebiets Datzeberg das siebente Rennen dieser Art. Gestartet wurde in einer Fahrrad- und einer Autoklasse. Als Verbündete holte sich der T.O.N.I.-Verein das THW (Technisches Hilfswerk), die Dekra und die Verkehrswacht mit ins Boot.

16 Teilnehmer beim Rennen dabei

Familie Pohl war übrigens sogar im „Doppelpack“ vertreten. Nicht nur Hannes, der schon seit 2009 für den „Rennstall“ seines Vaters aktiv ist, ging an den Start. Sein jüngerer Bruder Bruno fuhr einen „Opel RAK 2“ die Startrampe herunter. „Auch diesen Opel gab es, das war ein raketengetriebenes Fahrzeug. Mit ihm wurde am 23. Mai 1928 mit 238 Kilometern pro Stunde ein neuer Geschwindigkeitsweltrekord aufgestellt“, weiß Vater Frank Pohl, der beide Seifenkisten baute.

Von ihm konnten Autofans also auch gleich noch Interessantes aus der Autowelt erfahren. So zum Beispiel, dass vom „Wartburg 313“ acht Wagen sogar in die USA geliefert wurden. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich die DDR-Automobilindustrie damals international noch sehen lassen konnte. So wie das 311-er Wartburg-Coupé, das der Oldtimer- und Seifenkistenbastler Frank Pohl bis heute fährt und an dem er mit wahrer Leidenschaft arbeitet.

An den Start gingen beim 7. Seifenkistenrennen 16 Teilnehmer. Es gab keine Verletzten, wenngleich ein Fahrzeug auf der Rampe vollkommen zu Bruch ging. Die beiden Pohl-Brüder schnitten gut ab, als „krass spektakulärste Karre“ (O-Ton Steve Lehmann) wurde aber der US-Roadster von Marlon ausgezeichnet. Als Erinnerung an die siebente Auflage des Rennens erhielt jeder Teilnehmer eine Urkunde und eine Medaille. Und die Sieger bekamen Pokale sowie ein tolles Handy.

Nordkurier digital: Jetzt 6 Wochen zum Sonderpreis testen!