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Wölfe setzen Landwirt im Traktor fest

Zwei Stunden lang wurde ein Mann bei Altentreptow von zwei Wölfen belagert – die Tiere waren nur etwa acht Meter von ihm entfernt.

Ist das ein Wolf, der auf dem Acker bei Pritzenow stand? Martin Heidenreich machte Fotos und Video. Ein ehrenamtlicher Wolfbetreuer sagt, „dass die Gesichtspartie passt, ja, es dürfte einer sein.“
Martin Heidenreich Ist das ein Wolf, der auf dem Acker bei Pritzenow stand? Martin Heidenreich machte Fotos und Video. Ein ehrenamtlicher Wolfbetreuer sagt, „dass die Gesichtspartie passt, ja, es dürfte einer sein.“

Gewundert hat Martin Heidenreich sich etwas: Reh, Marderhund und Hase zeigten sich unruhig auf dem Acker und setzten schon bald zur Flucht an. Wenn er mit seinem Raupenschlepper Runde um Runde auf dem Acker dreht, ist das Wild sein ständiger Begleiter, steht immer in gebührlichem Abstand zu seinem Gefährt und lässt sich beim Äsen in der Nacht kaum stören. Der 26-Jährige ist erst seit zwei Monaten im Landgut Bartow beschäftigt und bereitet gleich hinter Pritzenow den Acker zur Wiederbestellung vor. Da wird dann rund um die Uhr gearbeitet.

Martin Heidenreich hatte vom Montag zum Dienstag Nachtschicht. Das Wild kam ihm gegen 23 Uhr aufgeregt entgegen und verschwand im Dickicht.

Der Wolf war nur acht Meter von ihm entfernt

Wenig später entdeckte der einstige Quedlinburger die Ursache. Er wollte gerade die Fahrerkabine verlassen um zu schauen, ob mit der Pflugtechnik alles stimmt, als er plötzlich vor der Raupe einen Wolf sah. Knappe acht Meter von ihm entfernt stand ein Isegrim, schaute ihn an und machte keinerlei Anstalten, wegzulaufen. Als Heidenreich sich umschaute, sah er einen zweiten Wolf! Der hatte seine Vorderpfoten bereits auf den Pflug gesetzt. Heidenreich zog sich sofort in die Kabine zurück und informierte seinen Chef Jürgen Willma. „Hier sind zwei Wölfe. Das sind keine zahmen Hunde. Ich steige nicht mehr aus.“ Im Nachhinein gesteht er lachend: „Ein bisschen Schiss hatte ich schon.“

Damit ihm auch kein Jägerlatein unterstellt wird, wenn er über das Schauspiel berichtete, machte Heidenreich mehrere Fotos und auch ein Video. Letzteres haben inzwischen wohl alle Bauern und Jäger der Region auf ihren Handys. Um 23.12 Uhr sandte er das erste Bild an seinen Chef, um 23.35 Uhr das zweite. „Ohne Fotos glaubt mir doch kein Mensch, dass neben mir zwei Wölfe liefen!“ Die beiden Tiere begleiteten ihn noch bis kurz vor 1.30 Uhr, um sich dann zurückzuziehen. „Das waren eindeutig Wölfe“, ist sich der junge Mann sicher, „ich habe Schäferhunde gehabt, da kennt man den Unterschied.“

In der Nähe leben Schafe und Rinder

Jürgen Willma, Geschäftsführer des Landgutes Bartow, informierte Dienstag sofort die untere Naturschutzbehörde beim Landkreis über den nächtlichen Besuch. Er vermutet, dass es sich noch um junge Tiere handelt. Was ihn aber beunruhigt, ist das Verhalten der beiden Tiere. „Die sind auf die Raupe zugelaufen. Die sind zahm. So verhält sich kein Wild.“ Willma weiß als Landwirt natürlich, dass der Isegrim unter Naturschutz steht und dies europaweit. „Meine Mitarbeiter stehen aber auch unter Schutz“, betont er.

Dort, wo die beiden Wölfe auftauchten, befindet sich nicht weit entfernt eine Schafherde und auch die Mutterkuhherde des Landguts, 300 Tiere samt Kälbchen gehören dazu, weiden in der Nähe.

Höchstwahrscheinlich waren es Jungtiere

Wenn Wölfe sich so weit dem Menschen nähern, dann könne es sein, dass es sich um Jungtiere handele. Bei Friedland gebe es ein Wolfspaar, dessen Nachwuchs eventuell bei Pritzenow gesichtet wurde.

Wölfe könnten lange Strecken zurücklegen, sagen ehrenamtliche Wolfsbetreuer. Wenn sie sich aber dem Menschen näherten, weil sie keinen Respekt und ihre Angst verloren haben, dann könne es gefährlich werden. Deshalb müsse dem Raubtier, das auch in MV auf dem Vormarsch ist, Respekt eingeflößt werden. In anderen Ländern seien beispielsweise Gummigeschosse erlaubt. Das wäre zum Schießverbot eine sehr gute Alternative, meinen sie.

Kommentare (7)

Was macht ein Pilzsucher, der keine Treckerkabine um sich herum hat ? Die Wolfsschützer haben einen Stich !

Die Wölfe waren ungefähr so "verhaltensauffällig" wie ein Storch der hinter einer Landmaschine herläuft. Oder ein Fuchs. Oder Krähen und Möven. Und genauso gefährlich. In unser FB-Gruppe "Schützt die Wölfe" würden wir uns freuen, wenn die "Experten" und die Presse sich auch mal über die Natur schlau machen und Aufklärung statt Rotkäppchen verbreiten würden.

Ich verstehe nicht, warum die Bürger nicht endlich von einer offiziellen Stelle darüber aufgeklärt werden, das Wölfe, sowie viele andere Wildtiere auch, keine Scheu vor Landmaschinen und auch anderen Fahrzeugen haben, weil sie diese nicht in Verbindung mit Menschen bringen. Die Tiere sind nicht in der Lage, den Menschen darin zu erkennen, oder zu wittern und mit "zahm" hat das überhaupt nichts zu tun. Es gibt sehr viele "scheue" Wildtiere, die z.B. einem Pflug folgen, weil dieser Mäuse und Insekten an die Oberfläche bringt

Kommentar. Genau so sieht das nämlich aus. Anders als Katzen sind Hunde und Wölfe nicht in der Lage hinter Glas zu blicken. Es war mehr die Neugier, der sie anzog. Und der Traktor ein für sie unbekanntes und spannendes Objekt.

Mitten in der Nacht (nach 23 Uhr) können Wölfe keine Menschen wittern, wenn diese um Landmaschinen laufen. Welche "offizielle Stelle" soll diesen schlechten Witz verbreiten? Zudem macht der Traktor Lärm und hat starke Scheinwerfer. Richtig ist, dass die Wölfe nicht zahm sind. Sie sondieren die Lage. Wenn sie nicht verjagt werden, bleiben sie und beobachten. Da der Wolf Nahrungskonkurrent vom Menschen ist, ist erste Priorität: Wolf verjagen. Wird der Wolf nicht verjagt dehnt er seine Wolfsreviere aus und wildert in "fremden" Revieren (Nutztierbestände) und richtet enormen bis existentiellen Schaden an.

Ich habe mehr Angst vor scharf gemachten Kampfundenseine in Innenstädten als vor freilaufenden Wölfen in der Natur. Auch statistisch gesehen werden bundesweit mehr Menschen in den letzten Jahren durch Kampfhunde lebensgefährlich verletzt als von Wölfen.

Lisa.Freier1 was ist das denn für ein unqualifzierter Beitrag?! Statistisch (Statistik von mir selber) gesehen sterben in Innenstädten mehr Menschen bei Verkehrsunfällen als durch Wölfe im Wald. Und Nachts ist es kälter als draußen. Auf welche Statistik bezieht sich denn ihre Aussage? Und wie ist die belegbar? Welche Rasse gehörten die von ihnen genannten Hunde an? Woher weiß man das es Kampfhunde waren? Woher weiß man das diese außerdem noch auf Menschen scharf gemacht worden sind?