Einige Lehrstellen bleiben frei:

Firmen auf Nachwuchssuche

Für Unternehmen in der Region wird es immer schwieriger, geeignete Bewerber für ausgeschriebene Ausbildungsplätze zu finden. Eine Rolle spielt dabei offenbar, dass junge Leute lieber studieren als sich in praktischen Berufen zu versuchen.

Mit sieben Jahren saß Karl Majora (links) zum ersten Mal im Trecker. Seitdem möchte er Landwirt werden. Jetzt hat er bei Torney in Pripsleben seine Ausbildung begonnen.
Oliver Wunder Mit sieben Jahren saß Karl Majora (links) zum ersten Mal im Trecker. Seitdem möchte er Landwirt werden. Jetzt hat er bei Torney in Pripsleben seine Ausbildung begonnen.

Die Luft schmeckt nach Erde. Frisch geerntete Kartoffeln rollen über ein Band. Immer wieder greift Karl Majora dazwischen und holt angefaulte Knollen, Erdklumpen und Steine raus. „So eine vergammelte Kartoffel kann großen Schaden anrichten, wenn sie die anderen im Lager ansteckt“, sagt der 16-Jährige. Der junge Mann aus Marienhof bei Wolde arbeitet während der Kartoffelernte zwölf Stunden am Tag. Gar nicht zu vergleichen mit seinem ehemaligen Schultag, der um 13 oder 14 Uhr zu Ende war. Aber das sei schon in Ordnung, denn Landwirt ist Karl Majoras Traumberuf. Deswegen hat er sich für die Ausbildung beim Unternehmen Torney in Pripsleben entschieden.

Mit ihm zusammen haben dort am 1. August auch drei Verkäuferinnen ihre Lehre begonnen. Es hätten mehr sein können. Drei Ausbildungsplätze als Verkäufer und zwei als Schlachter sind unbesetzt geblieben, da es keine Bewerber dafür gab, berichtet Torney-Chef Hans-Dieter Gabel. Als Grund dafür sieht er den demografischen Wandel. „Es gibt immer weniger Schulabgänger“, sagt Gabel. Mit der Schulausbildung seiner Lehrlinge hat er keine Probleme. „Wir qualifizieren sie. Für uns ist es wichtig, dass sie überhaupt etwas lernen wollen.“

Am Standort Altentreptow alle Stellen besetzt

Beim Deutschen Milchkontor (DMK) beginnt das Ausbildungsjahr erst am 1. September. Dann fangen hier drei Milchtechnologen und zwei milchwirtschaftliche Laboranten mit ihrer Berufsausbildung an. Es sei generell schwieriger geworden, geeignete Bewerber zu finden, sagt Sybille Wilke-Brinkmann, Abteilungsleiterin Personal für die mecklenburgischen DMK-Standorte. „Wir müssen alle besser darin werden, die jungen Leute anzusprechen.“ Die Bewerberzahlen seien zurückgegangen, dennoch hat das DMK alle Stellen am Standort Altentreptow besetzt. Normalerweise sei es optimal, die Verträge bereits ein Jahr zuvor zu unterschreiben, doch dieses Mal ging es nur auf den letzten Drücker. Wilke-Brinkmann sieht noch einen ganz anderen Grund für das sinkende Interesse. „Viele gute Schüler verlieren den Blick für praktische Berufe, weil sie studieren. Dabei bieten wir gute Karriere- und Verdienstmöglichkeiten.“

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