400 demonstrieren gegen Rechts:

Friedländer pfeifen auf rechte Parolen

Die Friedländer haben Gesicht gezeigt und den rund 200 Neonazis keinen schönen Empfang in ihrer Stadt bereitet. Doppelt so viele Gegendemonstranten vermiesten den Rechten den Tag.

Ein Engel vor den Neonazis - still protestierte Karoline Preisler auf dem Friedländer Markt gegen Rechts.
A. Seidel Ein Engel vor den Neonazis - still protestierte Karoline Preisler auf dem Friedländer Markt gegen Rechts.

Die Laufen ins Leere. Die sind hier falsch. Die Friedländerin Inge Schnell (Name v.d. Red. geändert) steht auf den Markt ihrer Heimatstadt und möchte am liebsten "schert euch hier weg" brüllen.

200 Neonazis haben sich am Sonnabend, dem 75. Jahrestag der Reichspogromnacht, auf dem Friedländer Markt zu einer Kundgebung zusammen gefunden, um anschließend durch die Kleinstadt zu marschieren und gegen ein geplantes Asylbewerberheim Propaganda zu betreiben. "Über 350 Polizisten sind vor Ort, um für Sicherheit zu sorgen", heißt es seitens der Polizei. Inge Schnell ist Rentnerin und kann die Geschehnisse in ihrer Stadt kaum fassen. "So etwas hat er hier noch nie gegeben", sagt sie. Doch die Friedländerin ist auch stolz. Denn sie ist nicht allein mit ihrem Protest gegen Rechts. Den 200 Nazis stehen doppelt so viele Gegendemonstranten gegenüber.

Unter dem Motto "Kein Ort für Neonazis in Friedland" hat das Bündnis "Friedland - friedliches Land" zur selben Zeit an der Ruine der Nikolaikirche zu einem Friedensfest eingeladen. Dort treffen sich nicht nur hunderte Friedländer, sondern auch aus Neubrandenburg, Penzlin und der Insel Usedom kommt Unterstützung im Kampf gegen Rechts. Unter ihnen sind auch der stellvertretende Landrat Siegfried Konieczny und Landessuperintendentin Christiane Körner. "Alter Ungeist darf nicht wachsen", betont Bürgermeister Wilfried Block (parteilos). Er weiß, dass unter den rechten Demonstranten die Friedländer NPD-Mitglieder präsent sind und am Rande einige Befürworter stehen. Doch dem will das Bündnis entgegen wirken. "Friedland sagt deutlich, wen wir hier nicht haben wollen", so das Stadtoberhaupt. Sein Dank richtet sich an alle friedlichen Gegendemonstranten, die mit Trillerpfeifen und "Nazis-Raus-Rufen" die Rechten nicht zu Wort kommen lassen.

Nein, willkommen sind die Neonazis nicht, freut sich Inge Schnell. Nur wenig Friedländer reihen sich bei der NPD ein. Überall entlang der Marschrute wird gegen die Rechten demonstriert. Am Neubrandenburger Tor hat sich das Aktionsbündnis aus Ostvorpommern eingefunden. "Wir wollen zeigen, dass an einem solchen Tag den Nazis der Platz nicht überlassen werden darf", sagt Konflikttrainerin Ursula Heldt. Karoline Preisler ist extra aus der Nähe von Barth gekommen. Sie hat sich von ihren Kindern Engelsflügel geborgt und auf diesen ihre Abscheu gegen rechtes Gedankengut aufgemalt. Mit einem stillen Protest auf dem Markt fordert sie "Shalom".

Am Ende freut sich die Rentnerin Inge Schnell, dass sie wie im Herbst 1989 friedlich demonstriert hat. Und an einem Tag, an dem vor 75 Jahren die Nazis Synagogen ansteckten und mit Massenmorden gegen des jüdische Volk vorgingen, "kann man nicht still sitzen und die Braunen einfach marschieren lassen".

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Kommentare (4)

Da ich gestern zu Besuch bei Bekannten in Friedland war , konnte ich mir ein eigenes Bild davon machen . Ich hatte den perfekten Beobachtungsplatz direkt am Marktplatz über dem Einkaufszentrum. Leider werden von ihnen die 4 Busse mit Gewaltbereiten und Böllerwerfenen Chaoten die aus Rostock und Greifswald herangefahren wurden nicht erwähnt . Wenn man 200 Linkschaoten rechnet und etwa 70-80 Leute , die sich auf Die Linke , Grünen ,DGB und Bündnissen von Demmin und Usedom zusammensetzten bleibt noch eine Hand voll Friedländer . Mein Eindruck war das sich mehr Friedländer dafür als dagegen positionierten. Auch vom Bürgermeister war nicht viel zusehen noch zuhören. Alles in Allem sieht für mich eine objetive Berichterstattung anders aus . Mfg

"Über 350 Polizisten sind vor Ort, um für Sicherheit zu sorgen", heißt es seitens der Polizei. Das kann auch anders gesehen werden: Wenn Neonazis und Gegendemonstranten überregional mobilisieren, wird so manche Kleinstadt zum nützlichen Strategiespielplatz für die Vertreter des staatlichen Gewaltmonopols. Das kann von den Bewohnern als Event oder auch als Belästigung wahrgenommen werden.

Mit diesen Aktionen beider Seiten einschließlich einseitiger Berichterstattung, wurde nicht das Problem gelöst. Was wäre geworden wenn 1989 alle DDR Bürger Asyl in Drittstaaten beantragt hätten? Man muss auch den inneren Willen haben, dort zu Bleiben wo man lebt, auch wenns mal nicht so gut läuft. Mich als verkauften ehemaligen DDR Bürger hat dieser neue Staat nicht groß geholfen mich zu etablieren. Schade das nur, daß die auch von mir als verboten gehörend eingeordnete Gruppierung, sich der realen Thematik annimmt. der Staat sollte wiklich erst mal was für seine eigenen Bürger tun, hier gibt es genug Elend das der Hilfe bedarf....

Das ist echt unglaublich wie hier alle über einen Kamm geschert werden!!!! Fragt doch einfach mal in friedland nach, wer dafür ist, das dieses heim in unsere stadt kommt!!! Viele sind einfach nicht auf die Straße gegangen, weil sie eben nicht mit der NPD in Zusammenhang gebracht werden wollten! Ich finde es eine Frechheit, dass sich unser Bürgermeister und co hinstellen und sagen, dass friedland damit einverstanden ist. So ein quatsch. Mich hat niemand gefragt, so wie den Großteil unserer Einwohner nicht!!!! Tolle Demokratie! Einfach nur lächerlich!