Durchbruch:

Friedländer Ton hilft chronisch Nierenkranken

Das Jahr hat kaum begonnen, da sorgt der Friedländer Ton für Schlagzeilen. Keine herausragend schönen Kacheln entstehen aus dem Rohstoff, sondern Arzneimittel, die Nierenpatienten hoffen lassen.

Die Tonvorkommen zwischen Friedland und Salow scheinen unerschöpflich. Foto: FIM Biotech GmbH
Foto: FIM Biotech GmbH Die Tonvorkommen zwischen Friedland und Salow scheinen unerschöpflich. Foto: FIM Biotech GmbH

Was in den Laboren am Stadtrand von Friedland entsteht, dürfte chronisch kranke Nierenpatienten freuen.

„Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Rostock haben gemeinsam mit der FIM Biotech GmbH einen effektiven, gut verträglichen Wirkstoff entwickelt“, heißt es jetzt. Er basiert auf Friedländer Ton  – Tonmineralen, die vor 60 Millionen Jahren durch Meeresablagerungen von Vulkanasche zwischen der Kleinstadt und Salow entstanden sind.

Die FIM Biotech GmbH mit ihrem Labor in Friedland hat sich des Tons vor der Haustür angenommen. Dabei arbeitet das Unternehmen seit Herbst 2010 mit dem Universitätsklinikum Rostock zusammen. Im Frühjahr 2011 wurde ein Kooperationsvertrag mit der Fraunhofer Gesellschaft abgeschlossen (der Nordkurier berichtete). Das Unternehmen hat aus Friedländer Tonkolloiden einen Phosphatbinder entwickelt. 2012 wurde dafür das Patent angemeldet.

„Um den Arzneistoff herstellen zu können, wurde die Tonerde zunächst gereinigt und anschließend mit einem speziellen Verfahren technisch bearbeitet und veredelt“, informiert die Fraunhofer Gesellschaft. In Labortests und Versuchen mit Zellkulturen konnten die Friedländer die hohe Bindekapazität für Phosphat und die gute Verträglichkeit des Tonminerals nachweisen. „Der aus rein mineralogischen Rohstoffen gewonnene Phosphatbinder ist ebenso wirksam wie herkömmliche Pharmapräparate“, versprechen die Forscher. Er kann den bei Nierenkranken hohen Phosphatspiegel senken. „Unsere Tests zeigen, dass er anders als die üblichen Medikamente in Versuchen im Tiermodell nur geringe Nebenwirkungen hervorruft“, heißt es.

Zudem vermuten die Forscher, dass sich auch entzündliche Darmerkrankungen mit dem veredelten Naturrohstoff behandeln lassen, verraten sie. Derzeit untersuchen sie im Tiermodell, in welchem Umfang die Tonminerale den Verlauf von künstlich ausgelösten Entzündungen positiv beeinflussen können. Diese Untersuchungen sollen in absehbarer Zeit abgeschlossen sein, bevor die nächste Phase mit den klinischen Studien im Frühjahr dieses Jahres beginnt. Erste Patienten könnten bereits dann von dem neuen Wirkstoff profitieren.

 

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