Schöner Treffpunkt im Innenhof:

Gärten sollen gegen Vereinsamung helfen

Viele Innenhöfe sind wenig einladend. Meist wird dort nur Wäsche aufgehängt. Dabei könnten Höfe Orte sein, wo sich Menschen treffen. Eine Neubrandenburger Studentin hat tolle Ideen, wie das aussehen könnte.  

Hannah Winkelmann bereitet ihr Modell für die Präsentation vor.
Ingmar Nehls Hannah Winkelmann bereitet ihr Modell für die Präsentation vor.

Hannah Winkelmann mag das Gefühl, mit den Händen in der weichen Gartenerde zu wühlen. Als Kind hat sie viel Zeit im alten Pfarrgarten ihrer Eltern in Züssow bei Greifswald verbracht. „Ich hab meiner Mutter geholfen und hatte auch ein eigenes Beet“, erzählt die 19-Jährige.

Schon früh stand für Hannah Winkelmann fest, dass Gärten in ihrem späteren Beruf eine wichtige Rolle spielen sollen. „Aber mit Gärtnern lässt sich schwer Geld verdienen“, meint die Studentin. Ein Biologiestudium kam für sie auch nicht in Frage, denn dabei könne sie ihre Kreativität nicht genügend ausleben. So beschloss sie, Landschaftsarchitektur in Neubrandenburg zu studieren.

Ein Wahlpflichtfach des Bachelorstudiums ist der Kurs „Plastisches, keramisches und grafisches Modellieren und Gestalten“. In der Werkstatt von Dozentin Johanna Fitzer sind handwerklichem Geschick, räumlichem Vorstellungsvermögen und der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Genau der richtige Ort also für Hannah Winkelmann.

Viele Möglichkeiten für die Ausgestaltung

Ein Semester lang ist sie für drei Stunden in die Werkstatt gekommen und hat Ideen in Ton geformt. „Ich habe mir das Thema Gemeinschaftsgärten für die Stadt ausgesucht, weil ich finde, dass Gärten Menschen zusammenbringen können“, sagt die Studentin. Hannah Winkelmann ist aufgefallen, dass es in der Neubrandenburger Innenstadt und auch in anderen Wohnvierteln viele Innenhöfe gibt, die kaum gestaltet sind. „Oft hängen dort nur Wäscheleinen. Das ist wenig einladend.“ Viele Nachbarn würden anonym nebeneinander statt miteinander leben.

Darum hat sie ein Modell für einen Gemeinschaftsgarten aus Ton und Naturmaterialien gefertigt. „Wie der Garten endgültig aussieht, entscheidet jede Gemeinschaft für sich selbst“, erklärt Hannah Winkelmann. Wichtig für die Akzeptanz eines Gartens sei es, dass die Wünsche und Interessen der Anwohner in die Planung aufgenommen werden.

Ihr Garten ist ein rundes Hochbeet, das Behinderte und Menschen mit Gehschwächen über eine Rampe betreten können. Es bietet Platz für Gemüseanbau oder für Wildblumen, je nachdem, was die Anwohner wollen. „Es ist auch Raum zum Gärtnern für Leute, die sich ausprobieren wollen“, erläutert die junge Frau.

Licht und Kunst spielen wichtige Rolle

Kunst soll in dem Garten auch nicht fehlen. Hannah Winkelmann hat in ihrem Modell einen Frauentorso installiert. „Die Plastik steht dort nicht nur einfach so herum. Die hat auch einen Sinn, denn die Statue soll die Fruchtbarkeit des Gartens darstellen“, sagt Hannah Winkelmann. Für eine bessere Anschauung hat sie den Frauentorso auch noch einmal in größerer Form getöpfert. „Die hat mir die meiste Zeit und auch Nerven abverlangt. Ich war auch mal kurz davor, das aufzugeben“, erzählt die Studentin.

Eine wichtige Rolle in ihrem Garten spielt auch das Licht. Am Abend soll der Garten mit Lampen in ein warmes Licht getaucht werden. „In China ist der Einsatz von Licht in Gärten sehr populär“, sagt die Studentin. In dem Kurs waren nämlich auch Studenten aus anderen Ländern.

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