Wahlergebnis macht Partei zu schaffen:

Gestandene CDU-Mitglieder verstehen die Welt nicht mehr

Nach der heftigen Wahlschlappe in Neubrandenburg hat die CDU über die möglichen Ursachen nachgedacht. Für manche ehemaligen Frontmänner war die Niederlage indes keine Überraschung.

Hat schon etwas gelitten: Das Wahlplakat der gescheiterten CDU-Kandidatin Diana Kuhk.
Thomas Beigang Hat schon etwas gelitten: Das Wahlplakat der gescheiterten CDU-Kandidatin Diana Kuhk.

Den 30. Mai sollten sich alle CDU-Mitglieder in Neubrandenburg schon einmal dick im Terminkalender anstreichen. Frank Benischke, der Vorsitzende des Stadtverbandes, weiß genau, warum: „Voraussichtlich wollen wir an diesem Tag die weitere Politik unseres Stadtverbandes beschließen“. Was genau Benischke damit meint, bleibt offen. Fest müsste aber stehen, dass im Verband der Viertorestadt – die CDU-Kandidatin bei der Oberbürgermeisterwahl errang weniger als 17 Prozent der Stimmen – so ziemlich alles in Frage gestellt werden müsste.

Genau das meint auch ein gestandenes CDU-Mitglied. Günter Rühs, der zehn Jahre der Neubrandenburger Stadtvertretung als Präsident vorsaß und 2006 ein Direktmandat für den Einzug in den Landtag errang, kommt mit vielen und vielem in der Neubrandenburger CDU nicht mehr zurecht. Ganz diplomatisch sagt der Mann, der im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen der aktuellen Politik tschüss sagte: „Viele Sachen haben sich in der Neubrandenburger CDU verändert, mit denen ich nicht einverstanden bin. Und ich bin niemand, der sich fremdschämen möchte“ Rühs, den 1992 der Ex-Landtagspräsident Rainer Prachtl zu den Christdemokraten lotste, schüttelt mit dem Kopf. An Austritt denke er dennoch nicht, macht der Neubrandenburger deutlich.

Rühs ist längst nicht der einzige Christdemokrat, der so seine Probleme mit der Parteiführung um Frank Benischke und Diana Kuhk hat. Selbst CDU-Mitglieder haben sich an Benischkes Äußerung über die beiden Wahlgewinner Torsten Koplin (Linke) und Einzelbewerber Silvio Witt gestoßen. Benischke nannte den einen moralisch nicht tragbar, den anderen als fachlich ungeeignet. Aber wenigstens davon scheint sich der Vorstand ein kleines Stück entfernt zu haben. Zwar haben die dort vertretenen CDU-Mitglieder während ihrer Vorstandsitzung beschlossen, keine Empfehlung für einen der beiden verbliebenen Rathauschef-Anwärter zu geben. Aber ihren Mitgliedern wenigsten zugestanden, sich „selbst ein Bild von den Aussagen und Eigenschaften der beiden Kandidaten zu machen“.

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Kommentare (5)

Mehr aks ein Jahrzehnt hat die CDU zusammen mit den OB die Stadt den Ruin gewirtschaftet. Von der Machenschaften zwischen neuwoges, OB und neusw mag man gar nicht denken. CDU wurde zurecht abgewählt in Neubrandenburg. Am 15 wird ein neuer OB die Stadt führen und das wird nicht leicht mit den Altlasten. Die Politik der CDU und deren Klüngel wurde endlich das Handwerk gelegt. Jetzt ist es an der Zeit neu durchzustarten. Und man muss kein Prophet sein das die CDU alle des dran setzen wird um den neuen OB Steine in den Weg zu legen. Das sieht man ja an den unprofessionellen Äußerung von Herrn Benischke.

"...ihren Mitgliedern wenigsten zugestanden, sich „selbst ein Bild von den Aussagen und Eigenschaften der beiden Kandidaten zu machen“. Wie großzügig.... vom Vorstand, nichts begriffen! Und die werden weiter so agieren mit dem Geklüngel, schließlich sind die "etablierten" in der Mehrheit. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt....gibt es vllt. doch einen Wechsel innerhalb der CDU?

Da ich hier mehrfach angesprochen wurde, will ich mich gern auch selbst äußern. Das man nicht alle Äußerungen am Wahlabend auf die Goldwaage legen sollte, ist keine neue Erkenntnis. Bei der CDU ging es aufgeregt zu und ich denke nicht, das alle Äußerungen bei uns und z. Bsp. im Güterbahnhof über die anderen Mitbewerber pressetauglich waren. Meine Äußerung war eigentlich so nicht für die Presse gedacht. Mittlerweile können wir auch wieder alle etwas sachlicher miteinander umgehen. Zur Erklärung des CDU-Vorstandes: Man sie hier im Wortlaut nachlesen: http://www.cdu-in-nb.de/index.php?ka=1&ska=1&idn=172 Warum Herr Beigang, dem die Erklärung im Wortlaut vorliegt, aus einer schlichten Bitte des Vorstandes die Formulierung "wenigstens zugestanden" macht, bleibt sein Geheimnis. Gerade in Anbetracht des Wahlergebnisses der CDU und eines Wahlsiegers, dessen Fähigkeiten im Amt des Oberbürgermeisters wir verständlicherweise nicht einschätzen können, hat der Vorstand sich nicht berufen gesehen, eine Empfehlung abzugeben. Wir haben unsere Mitglieder aber trotzdem gebeten, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Man sollte die unterlegenen Parteien daran messen, wie sie mit dem neuen OB zusammenarbeiten und diesen im Sinne einer positiven Entwicklung der Stadt unterstützen. Wenn sich die CDU nun als schlechter Verlierer outet und dem neuen OB nur Steine in den Weg legt, um zu zeigen dass er dieser Aufgabe nicht gewachsen ist, dann ist diese Partei nicht mehr wählbar und hat zu Recht weniger als 17% erreicht.

Das man nicht alle Äußerungen am Wahlabend auf die Goldwaage legen sollte, lass ich mal dahin gestellt, im Eifer des Gefechts sagt man schon mal unbedacht Dinge, die man wirklich so meint. Es ist für einen Politiker sehr schwer dann zu seinem Wort und seiner Meinung zu stehen. Ehrlichkeit und dann noch so viel, ist man von einem Politiker als Wähler nicht gewohnt. Aber es erklärt doch einiges oder fast alles! Koplin wirft man nicht etwa vor, dass er eine schlechte Wahl als OB wäre, untalentiert oder fachlich ungeeignet – Nein, er ist „moralisch“ ungeeignet! Ich glaube mich zu erinnern, dass es einst Goethe war, der beklagte, dass all jene die sein Talent nicht in Frage stellen konnten, ihm einen Mangel an Moral vorwarfen! Und die CDU ist in einem wahren Dilemma! Die Empfehlung Koplin zu wählen, könne sie nicht offen ausgeben, ohne zu riskieren in ihrer so urdemokratischen Partei von oben zusammengefalltet zu werden, Witt zu empfehlen wäre, doppelt schlimm! Sollte Witt im Amt versagen, wäre es schlimm für Neubrandenburg, sollte er sich aber tatsächlich im Amt bewähren, wäre es für die CDU fast unmöglich, ihn als Amtsinhaber im nächsten Wahlkampf zu besiegen.