Krise überwunden:

Gülden Tor rappelt sich wieder auf

Anderthalb Jahre nach dem Insolvenzantrag braucht das Neubrandenburger Traditionsunternehmen keinen Fremdverwalter mehr. Allerdings bäckt man nun kleinere Brötchen. 

Dirk Hohenstein
Andreas Segeth Dirk Hohenstein

Die Neubrandenburger Firma Gülden Tor hat ihre Insolvenz überwunden. Genau 560 Tage hat sie gedauert, sagt Geschäftsführer Dirk Hohenstein, der auch selbst alle Gesellschaftsanteile an der GmbH hält. Nun steht die Spirituosen-Firma wieder komplett auf eigenen Beinen, der Insolvenzverwalter hat sämtliche Geschäfte wieder auf den 40-Jährigen übertragen.

Das Dilemma für die Traditionsfirma hatte im Mai 2012 begonnen. Damals hatte sich der Markt erheblich verändert: Große Supermarktketten beginnen zunehmend, eigene Marken selbst zu produzieren – da wurde es eng für die kleine Firma aus dem deutschen Nordosten. Auch die Rethra-Kellerei musste 2012 ihre Produktion in Neubrandenburg einstellen. Ihr Klassiker „Cherry Lady“ kommt jetzt aus Sachsen-Anhalt.

Mit dem frühen Insolvenzantrag habe man das Ruder noch gerade rechtzeitig herumgerissen und die gesunden Bestandteile der Firma retten können, so Hohenstein. Die Produktion habe übrigens nie still gestanden. Allerdings sei die Zahl der Mitarbeiter von damals 23 auf jetzt 10 zurückgegangen. Der Netto-Jahresumsatz sank von mehr als 30 Millionen Euro auf jetzt 4,5 bis 5 Millionen Euro. Wurden 2011 noch zehn Millionen Flaschen pro Jahr produziert, sind es jetzt noch knapp drei Millionen.

Wenn man es genau nimmt, handelt es sich bei „Gülden Tor“ des Jahres 2014 um eine neue Firma. Denn der Insolvenzverwalter, Christian Köhler-Ma von der Berliner Rechtsanwaltskanzlei Leonhardt, hat im Rahmen einer sogenannten übertragenden Sanierung alle Aktiva an Dirk Hohenstein veräußert. Die Schulden und die nicht mehr überlebensfähigen Teile des Unternehmens sind bei der alten Gesellschaft geblieben. Auch der Name „Gülden Tor“ stammt von der alten Firma, diese trägt nun einen anderen Namen.

Man „backe nun kleinere Brötchen“ und werde bescheidener agieren, sagt Dirk Hohenstein. Statt die ganz großen Abnehmer und das Massengeschäft anzupeilen, will man sich auf die regionalen Märkte konzentrieren. Den eigenen Klassiker namens „Tollensekräuter“ werde es weiterhin geben. Zudem produziere man derzeit weitere lokale Marken für Abnehmer in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Unter anderem sind das Schnäpse und Liköre mit Namen wie „Reusenfeuer“, „Wellenbrecher“ oder „Steife Brise“.