JungsTag im Altersheim:

Halma-Spielen statt Mathestunde

Männer wollen längst nicht mehr nur Polizist, Feuerwehrmann oder Bauarbeiter werden. Damit sie auch Berufe kennenlernen, die früher als weibliche Domäne galten, veranstaltet die Landesregierung einen JungsTag. Die Jungs finden durchaus Spaß daran.

Max (14), Nikolas (15), Magdalena Dubberka, Christa Brünsch (von links nach rechts) bei einer Spielrunde Jung gegen Alt. Die ältere Generation hat beim Halma-Spielen eindeutig die besseren Siegchancen - weil sie die Spielregeln kennt.
M. May Max (14), Nikolas (15), Magdalena Dubberka, Christa Brünsch (von links nach rechts) bei einer Spielrunde Jung gegen Alt. Die ältere Generation hat beim Halma-Spielen eindeutig die besseren Siegchancen - weil sie die Spielregeln kennt.

Magdalena Dubberka sitzt vor dem Halmaspielbrett und schüttelt den Kopf. „So geht das aber nicht. Man muss gewinnen wollen!“ Die Bewohnerin des städtischen Pflegeheims „Max Adrion“ hat heute ungewöhnlich junge Spielpartner, denen sie das unter Älteren beliebte Brettspiel erst noch erklären muss. Nikolas (15) und Max (14) von der Regionalen Schule Ost nehmen am JungsTag teil und verbringen einen Vormittag zusammen mit den Heimbewohnern auf Station 1. Sie unterhalten sich mit den Älteren, hören zu, helfen beim Aufstehen, Essen-Ausgeben – oder versuchen sich im Halma-Spielen.

Die Schüler sind mit Spaß dabei. Zu einer Zeit, in der sonst Mathe- oder Deutschunterricht anstehen, dürfen sie den Alltag im Pflegeheim miterleben. Landesweit initiierte die Landesregierung den JungsTag als Pendant zum GirlsDay. Im Friseursalon, im Kindergarten, beim Zahnarzt oder im Altenpflegeheim – überall dort, wo mehr Frauen als Männer arbeiten, sollen die Jungs einen Eindruck vom Berufsleben bekommen. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind es 61 Unternehmen, die den Schülern diese Praxiserfahrungen ermöglichen, berichtet Gleichstellungsbeauftragte Marianne Eichler. Sie freut sich besonders, dass auch die Schulen den Aktionstag unterstützen. „Wenn die Kinder in den Betriebsablauf integriert werden, können sie viel besser feststellen, ob die Arbeit ihnen gefällt.“

Derzeit ist unter den acht Auszubildenden im Max-Adrion-Heim immerhin ein Junge, erklärt Kerstin Kirsch vom Pflegedienst. Landesweit sind nur knapp 20 Prozent der angehenden Altenpfleger männlich. „Es ist wünschenswert, dass sich noch mehr junge Männer für den Beruf interessieren“, sagt Kirsch. Deren Körperkraft könne von Vorteil sein, wenn Heimbewohner gehoben und gewaschen werden müssen.

Heimbewohnerin Edith Ziebarth freut sich über die jungen Pflegeinteressenten. „Es ist sehr wohltuend, wenn die Pfleger nett sind. Man muss diesen schweren Beruf mit Liebe machen.“ Betreuerin Swanhild Gutsmann weiß um manchen Vorteile des männlichen Personals: „Wir erleben oft, dass gerade junge Männer bei den weiblichen Heimbewohnerinnen sehr beliebt sind. Sie zeigen besonderes Einfühlungsvermögen, haben ein spezielles Gespür für ihre Bedürfnisse. Und die Damen sehen in den Pflegern eine Art Enkelersatz.“