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Henker wurde vom Volke zutiefst verabscheut

Altentreptow.Der Köllner Ortschronist Helmut Quicker hat sich eines ziemlich gruseligen Themas angenommen: Hinrichtungen in früherer Zeit in Altentreptow. ...

Altentreptow.Der Köllner Ortschronist Helmut Quicker hat sich eines ziemlich gruseligen Themas angenommen: Hinrichtungen in früherer Zeit in Altentreptow. Grundlage sind Kirchenakten, aus denen der frühere Treptower Lehrer Wilhelm Witt berichtete. Einiges davon hat auch Eingang in die Köllner Dorfchronik gefunden. Hier kommt Teil 3.

Der Scharfrichter oder Henker war nicht nur ein gefürchteter Mann, er wurde auch vom Volke zutiefst verabscheut und galt als unehrbar. Niemand wollte mit ihm etwas zu tun haben. Wer den Henker oder seine Geräte berührte, und sei es nur versehentlich, wurde damit unehrbar. Sein Trinkgefäß in der Kneipe war an einer Kette befestigt, damit es nicht verwechselt wurde.
Nun musste der Galgen gelegentlich ausgebessert werden. Doch kein Handwerker wollte diese Arbeit übernehmen, um nicht auch unehrbar zu werden. Man fand einen Ausweg: Alle Innungen mit dem Magistrat an der Spitze zogen zu einem Festumzug. Diese festlichen Aufzüge gaben Gelegenheit zum Schmauserei und Sauferei. Um Letzteres zu vermeiden, sollten die Handwerker ausgelost werden für diese „Schmutzarbeit“. Ihnen wurde ein Zuschlag von zwei Groschen zu dem üblichen Tageslohn gereicht.
Da der Scharfrichter allein von der Vollstreckung der Gerichtsurteile nicht leben konnte, unterstand ihm die „Frohnerei“, das Gewerbe als Abdecker. Jeder Viehbesitzer zahlte beim Abholen krepierter Tiere eine festgesetzte Taxe.
Für jede Hinrichtung erhielt der Scharfrichter zehn Taler und sein Knecht einen Taler. Die doppelte Gebühr stand ihm zu, wenn der Kopf abgeschlagen und der Körper verbrannt oder aufs Rad geflochten wurde. Durch das Ausklingeln öffentlicher Bekanntmachungen hatte er zusätzliche Einnahmen, wie auch durch das Durchprügeln von Leuten, die dazu verurteilt waren. Auch für das Anschließen an den Pranger und die Ausweisung von Personen aus dem Ort erhielt er zusätzlich Geld.
Der Verkauf von Stricken Gehängter, die Schutz vor Tierseuchen bieten sollten, brachte ihm ebenfalls eine Nebeneinnahme. Das Straßenfegen war schließlich auch noch eine Nebeneinkunft des Scharfrichters.hq