Kriminalbiologe Mark Benecke hat in Neubrandenburg viele Fans:

Herr der Maden erklärt Hitlers Schädel

Ein Vortrag von Mark Benecke ist nichts für schwache Nerven. Denn Bilder von Leichen und zerfressenen Mumien sind garantiert dabei.

Andrea Schmidt (links) und Carina Moltzahn hatten keine Berührungsängste mit den Anschauungsobjekte, die Mark Benecke mit in die Neubrandenburger Konzertkirche gebracht hatte.
Marie-Luise Hartmann Andrea Schmidt (links) und Carina Moltzahn hatten keine Berührungsängste mit den Anschauungsobjekte, die Mark Benecke mit in die Neubrandenburger Konzertkirche gebracht hatte.

Es ist die Freude am Ekel, die die Leute in die Kirche treibt. Wer heute hier ist, will schockiert, will angeekelt werden. „Wir sind schon das dritte Mal dabei“, sagen Katja Falk und Anja Korn. „Er weiß so viel und kann es gut und greifbar erklären. Wir lernen jedes Mal etwas Neues“.

Es ist nicht der erste Besuch von Mark Benecke in der Viertorestadt. Unter den Besuchern des schaurig schönen Vortrags in der Konzertkirche findet sich eine beachtliche Fangemeinde. Kaum einer teilt sich das Berufsfeld mit Benecke oder kommt zu Fortbildungszwecken. Es ist das Interesse am Unbekannten. Der 43-jährige ist weltweit als Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie gefragt. Bei scheinbar unlösbaren Mordfällen ist Benecke oft die letzte Hoffnung. Denn er untersucht das Leben nach dem Tod. Maden, Fliegen und andere Insekten, die auf der Leiche leben, können wichtige Hinweise für den Tathergang und auch den Mörder sein.

Benecke steht, ganz in schwarz gekleidet, auf der Bühne und bereitet sich vor. Rammstein und Rockmusik dröhnen durch das Mauerwerk Backsteinkirche. Das Thema des Vortrages wählt stets das Publikum. Diesmal ist es Hitlers Schädel, oder vielmehr das, wovon man denkt, es wäre Hitlers Schädel. Schlampig aufbewahrt in einer alten Diskettenbox, wie Benecke erzählt. Die von Benecke gemachten Bilder sind bis heute die einzigen existierenden Farbfotos des Schädels. Der „Popstar“ unter den Forensikern war es auch, der Hitlers Zähne in einer Zigarrenbox fand und somit beweisen konnte, dass es sich tatsächlich um die einzig verbliebenen Überreste des Nazi-Führers handelt.

„Das wichtige ist, nicht nach etwas Speziellem zu suchen“, sagt Mark Benecke. „Man muss einfach, ja beinahe kindlich naiv denken, um eine Lösung zu finden. Am besten ist es eigentlich, wenn man gar nicht denkt.“ Beneckes Vorbild ist der DDR-Rechtsmediziner Otto Prokop. Verkannt, aber genial, wie Benecke meint und so wie seinem Vorbild sei es auch ihm egal, ob er politisch aneckt. Er sucht nach der Wahrheit. Das mache ihn so authentisch und sehenswert, finden Anja Korn und Katja Falk. „Wir kommen wieder. Auf jeden Fall!“.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung