Von Afghanistan nach Altentreptow:

Herr Doktor verkauft jetzt Jacken, Hosen und Schürzen

Beäugen Sie ausländische Markthändler mitunter etwas skeptisch? Dann werden Sie nie erfahren, welch spannende Lebensgeschichte sich hinter den Menschen verbirgt – zum Beispiel die von Abdul Mussini aus Afghanistan.

Bärbel Groth ist Stammkundin bei Abdul Mussini. Zweimal wöchentlich ist der gebürtige Afghane auf dem Altentreptower Markt.
Gesine Prägert Bärbel Groth ist Stammkundin bei Abdul Mussini. Zweimal wöchentlich ist der gebürtige Afghane auf dem Altentreptower Markt.

Abdul Mussini erinnert sich gut an die Worte seines Opas: „Er hat immer gesagt, wenn du gesund und zufrieden bist, bist du der reichste Mensch der Welt.“ Und ja, das sei er, sagt Mussini. Obwohl der 46-Jährige einst Medizin studierte und jetzt auf den Märkten der Region Jacken, Hosen und Schürzen verkauft. Oder gerade deswegen? „Die Arbeit macht mir Freude. Ich treffe viele nette Menschen“, sagt der gebürtige Afghane und eilt zu Bärbel Groth. Sie kommt aus Breesen und ist auf der Suche nach einer Jacke für ihren Mann. Ein kurzes Gespräch, ein paar Späße, die Jacke ist gekauft.

„Jedes Mal, wenn wir in Altentreptow sind, kommen wir vorbei“, sagt Bärbel Groth. Mussini sei immer zuvorkommend und freundlich, gebe auch mal einen kleinen Rabatt. Mussinis Freund Erwin Jarzinka ergänzt: „Man kann sich mit ihm nicht erzürnen. Er ist immer gut gelaunt.“ Seit 20 Jahren betreibt Abdul Mussini sein Gewerbe, ist fünfmal die Woche unterwegs. Jeden Dienstag und Donnerstag in Altentreptow, an den anderen Tagen in Demmin und Loitz. „Ich kann mir die Gesichter der Menschen sehr gut merken. Und die meisten Leute wissen auch, wer ich bin“, sagt Mussini und lächelt. Was sie wahrscheinlich nicht wissen: Der Markthändler hat einst zehn Semester Medizin studiert. Erst in seiner Heimatstadt Kabul, dann in Bulgarien.

Um als Arzt zu arbeiten, hätte er noch ein praktisches Jahr absolvieren müssen. Das Geld fehlte. Eine Rückkehr nach Afghanistan, das vom Krieg gebeutelt war, kam nicht in Frage. „Meine Familie war nach Pakistan geflüchtet.“ So kam Mussini 1990 nach Deutschland, wo er Verwandte hat. Sein Weg führte ihn nach Demmin. Dort lernte er seine jetzige Frau kennen – sie verkaufte damals Blumen auf dem Markt.

Heute haben die beiden zwei 14 und 16 Jahre alte Kinder, wohnen in einem Ort zwischen Demmin und Loitz. „Ein kleines Häuschen, eine Familie und eine Arbeit – das ist alles, was ich möchte“ – und das hat er. „Von meiner Arbeit werde ich nicht reich, aber das will ich auch nicht.“ Ob er in Deutschland als Arzt arbeiten wollte? „Ich hatte es versucht. Doch meine Dokumente wurden nicht anerkannt.“ Ebenso sein Führerschein. Den hat er jetzt, genauso wie die deutsche Staatsbürgerschaft. Mussini spricht gut Deutsch. Und nicht nur das: Neben Persisch und Paschtu, den offiziellen Landessprachen Afghanistans, hat er auch Rumänisch, Bulgarisch, Englisch, Arabisch und Urdu gelernt.

Die letzte Lebensweisheit gibt es auf Deutsch. „Wenn du freundlich zu den Menschen bist, dann sind sie es auch zu dir“, sagt Mussini und lacht.

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