Gnevkow wird von Windrädern umzingelt:

"Hier geht`s nicht um Energie, sondern um Geld"

Ohne Energie geht's nicht, aber so viele Windspargel vor der Haustür? In Gnevkow und Letzin befürchten die Bewohner, dass die jetzt geplanten Windgebiete noch längst nicht das Ende sind. Sie sammeln Argumente fürs Beteiligungsverfahren.

Auf einer Karte konnten die Einwohner alte und neue Windeignungsgebiete suchen, aber mit dem Maßstab 1:100 000 ist kaum etwas anzufangen, war man sich in der Runde einig. Foto: A. Brauns
A.Brauns Auf einer Karte konnten die Einwohner alte und neue Windeignungsgebiete suchen, aber mit dem Maßstab 1:100 000 ist kaum etwas anzufangen, war man sich in der Runde einig.

 Fast sieht es aus, als würde es Gnevkow von westlicher Seite umarmen, das etwa 96 Hektar große Gebiet, das auf der Karte eingezeichnet ist. „Das ist ja unglaublich“, flüstert eine Frau in einer der hinteren Reihen. Alle Plätze sind besetzt im großen Raum des Letziner Gemeindehauses, auch auf Tischen und Fensterbänken haben Männer und Frauen aus der Gemeinde und umliegenden Dörfern Platz genommen. Über den Daumen gepeilt könnten auf der markierten Fläche künftig rund 20 Windräder stehen. Etwa zehn weitere sollen sich südwestlich von Letzin am Waldrand auf 54 Hektar drehen. Seit die Einwohner wissen, dass ihre Gemeinde in der Fortschreibung des Regionalen Raumentwicklungsprogrammes gleich zweimal mit Windspargeln bedacht werden soll, kochen die Emotionen hoch. Alle fragen sich, warum die Neuausweisung von Eignungsgebieten mit einem solchen Tempo vorangetrieben wird und warum ausgerechnet vor ihrer Haustür.

Es wird enger

Dass die Flächen für Windenergie verdoppelt werden sollen, hat das Land festgelegt, nachdem die Katastrophe von Fukushima das Thema Energiewende verstärkt ankurbelte. Deshalb ist auch für die Seenplatte das Regionale Raumordnungsprogramm teilweise fortgeschrieben worden. Da fällt schon auf, dass es sich um Altentreptow und Demmin weiter zusammenballt. Christoph von Kaufmann vom Regionalen Planungsverband der Seenplatte in Neubrandenburg erklärt in Letzin, nach welchen Kriterien neue Eignungsgebiete gesucht werden, welche Abstände Tourismus- und Naturschutzgebieten, zu Siedlungen, Nistplätzen von Großvögeln, zu bestehenden Windparks eingehalten werden müssen. Da ist seit Ausweisung der letzten Gebiete auch so mancher Abstand geschrumpft. „Passend gemacht“, wie Bürgermeister Karl Heller nicht ohne Verbitterung sagt und dafür Applaus erntet.

"Wer sagt mir, dass die Abstände nicht in einem Jahr wieder halbiert werden?"

„Hier geht‘s ja nicht um Energie, sondern um Geld“, meint Rainer Schölske mit Blick auf das äußerst lukrative Geschäft mit dem Bau und Betrieb von Windenergieanlagen. Der Gnevkower hätte das neu geplante Gebiet quasi genau vor der Nase, er höre schon jetzt die Geräusche vom Sarower Windpark. „Sicher braucht man Energie. Ohne geht es nicht. Aber wer sagt mir, dass die Abstände nicht in einem Jahr wieder halbiert werden“, fragt er und steht mit seiner Befürchtung nicht allein da. Wer wisse auch, welche neuen Energie-Technologien es in wenigen Jahren gebe, so Eckhard Dettmann. Da müsse man doch jetzt nicht mit solchem Tempo so viele neue Windräder bauen, findet der Letziner. Auch Imkerin Gisela Paasch vermisst, dass andere alternative Energien mit dem gleichen Eifer vorangetrieben werden, zum Beispiel Photovoltaik oder Geothermie. Windkraft sei eben im Norden Deutschlands nach Ansicht von Experten am effektivsten, so Chistoph von Kaufmann.

"Bürgerinitiativen mit 1000 Unterschriften nützen leider gar nichts"

Er rät der Gemeinde und den Bürgern, sich jetzt intensiv mit den Unterlagen zu befassen, die ab dem 3. Februar ausgelegt werden. Dann läuft bis zum 5. Mai das erste von mindestens zwei Beteiligungsverfahren. „Bürgerinitiativen mit 1000 Unterschriften gegen die Windkraft nützen leider gar nichts“, sagt von Kaufmann. Man müsse gute fachliche und sachliche Argumente für seine Einwendungen finden, damit sie bei der Abwägung nicht hinten runter fallen. Darauf kann er sich bei der Gemeinde Gnevkow verlassen. Bürgermeister Heller, der aus der Energiebranche kommt, hat sich schon tief in die Windenergie eingearbeitet. Man wolle zudem einen Arbeitskreise bilden, in dem sich alle interessierten Einwohner engagieren können. Und wenn sie Windräder nicht verhindern können, wollen sie darauf drängen, dass ein Beschluss des Regionalen Planungsverbandes umgesetzt ist: neue Windräder nur noch, wenn die Kommunen etwas davon haben.

Nicht nur die Gnevkower müssen sich jetzt in die Materie reinknien. Das mit mehr als 500 Hektar ohnehin schon größte Windeignungsgebiet des Kreises östlich von Altentreptow soll noch um rund 58 Hektar erweitert werden. Zwischen Bartow und Daberkow ist ein etwa 40 Hektar großes Gebiet vorgesehen, nördlich von Kriesow eine circa 45 Hektar große Fläche. Zwischen Tützpatz und Reinberg sollen Windräder auf einer Fläche von knapp 90 Hektar wachsen, für das Eignungsgebiet zwischen Breesen und Teetzleben ist eine Erweiterung um 165 Hektar geplant.

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Kommentare (1)

Man muss gar nichts hochstilisieren, sondern nur die Fakten kennen:Denn der Windpark kann kein einziges Haus mit Strom versorgen, da er nicht bedarfsgerecht produziert – und einen kostengünstigen ausreichend großen Speicher gibt es nun mal immer noch nicht. Dass man diese Vogel schredder inzwischen sogar in Landschaftsschutzgebieten erlauben will spricht Bände. Man überlege sich mal, welch ein Aufschrei der Empörung gewisser Gruppen losbrechen würde, wenn man eine Fabrik, oder gar ein AKW in einem Naturschutzgebiet aufstellen wollte. Aber bei – ich sage es noch mal ganz klar – absolut sinnlosen Windrädern geht es plötzlich. Windenergie zu nutzen halte ich für einen guten Weg. Falsch dagegen halte ich Offshorewindpark intensiv zu fördern während die Förderung für Kleinanlagen zurückgefahren wird. So bleibt das Strommonopol bei den “Großen” und kleinere haben kaum eine Chance sich am Markt zu behaupten. Weiteres Problem ist, dass der Strom transportiert werden muss und nicht gespeichert werden kann. Gleichstromtrassen wären eine Transportlösung, aber das wird kaum öffentlich diskutiert – wie ist hier der Stand der Technik? Kleine Anmerkung zu Fukushima – die Spätfolgen werden mehrere 100 Jahre wirken Genveränderungen an Pflanzen, Tieren und Menschen vielleicht sogar ewig. Dafür sind bereits zu viele (Millionen) Tonnen verseuchtes Wasser ins Meer gelaufen. Man kann sich auch derartige Probleme “schön-schwätzen”, Japaner sind Meister darin. Klaus-Dieter Seegerte: Hagen