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Historiker kritisiert Pläne zur Aufstellung von Karl-Marx-Denkmal

Karl Marx, Friedrich Engels und Lenin galten in der DDR als „Säulenheilige des Sozialismus“. Nach 1990 wurden deren Denkmäler abmontiert. In Neubrandenburg scheint dagegen eine Wiederauferstehung möglich.

Gut verpackt wartet das Karl-Marx-Denkmal bei der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft mbH Neuwoges auf eine Entscheidung über seine Zukunft.
Bernd Wüstneck Gut verpackt wartet das Karl-Marx-Denkmal bei der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft mbH Neuwoges auf eine Entscheidung über seine Zukunft.

Der Historiker Fred Mrotzek hat Pläne der Linken, ein DDR-Denkmal für Karl Marx in Neubrandenburg wiederaufstellen zu lassen, scharf kritisiert. „So etwas ist nach all den Schrecknissen des Kommunismus und Sozialismus heute schlichtweg ein Unding“, sagte der Rostocker. Solche ehemaligen Denkmäler wären im Museum gut aufgehoben. Und wenn sie doch irgendwo aufgestellt würden, dürfe dies schon gar nicht unkommentiert geschehen. Das Marx-Denkmal war 2001 abgebaut worden.

„Wenn überhaupt solche Denkmäler bleiben, sollten zusätzliche Texte diese besser geschichtlich einordnen“, forderte Mrotzek. Das gelte auch für Straßennamen, bei denen sich der Historiker einen härteren Kurs wünschen würde. So gebe es immer noch Hermann-Matern-Straßen, obwohl dieser „die rechte Hand von Walter Ulbricht war und viele politische Prozesse vorbereitete“.

In Neubrandenburg sollen die Stadtvertreter an diesem Donnerstag über die Wiederaufstellung des Marx-Denkmals diskutieren. Man will erreichen, dass Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) eine „Variantenprüfung“ vornehme. „Wir sehen in der Absicht, Karl Marx zu ehren, nichts Verwerfliches“, sagte Regina Bärens vom Vorstand des Stadtverbandes der Linken. Auf jeden Fall müsste so ein Denkmal heute kommentiert werden, erklärte auch Oberbürgermeister Witt.

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Kommentare (1)

Was kann Marx für die Entartung seiner Ideen nach seinem Tod? Die selbsternannten Sozialisten und Kommunisten der Vergangenheit haben am allerwenigsten Marx politisch und gesellschaftlich umgesetzt. Schauen wir in die jetzige Phase des Spätkapitalismus: Klassenkampf und Revolution sowie Bürgerkrieg sind aktueller denn je in Europa. Wenn die Demokratie sich nicht weiterentwickelt/erneuert wird sie entweder gestürzt oder abgewählt. So gesehen wäre ein Marx-Denkmal eine Mahnung an die Demokratie, nicht weiter so zu tun, als sei Demokratie eine unzerstörbare Gesellschaftsordnung die man im Vorbeigehen schützen könne. Dass es noch immer Politbüro-Mitglied-Straßen gibt, da stimme ich überein.