Neue Hoffnung für das ZLT?:

Hochschule will Forschungszentrum halten

Auch wenn die Stadtvertreter den Geldhahn für das ZLT zudrehen – die Hochschule stimmt einer Liquidation nicht zu. Der neue Geschäftsführer will deshalb nach Perspektiven für die Einrichtung suchen. Vielleicht passt es da, dass die gerade mit dem deutschen Zukunftspreis geehrte Firma hier ihren Ursprung hat.

Ein Bild von den Anfängen einer nun preisgekrönten Entwicklung, an der das Neubrandenburger Zentrum für Lebensmitteltechnologie beteiligt war: Gerhard Kloth und Karin Petersen von der Prolupin GmbH prüfen hier im ZLT Lupinenflocken vor der Verarbeitung.
Jörg Spreemann Ein Bild von den Anfängen einer nun preisgekrönten Entwicklung, an der das Neubrandenburger Zentrum für Lebensmitteltechnologie beteiligt war: Gerhard Kloth und Karin Petersen von der Prolupin GmbH prüfen hier im ZLT Lupinenflocken vor der Verarbeitung.

Seinen wohl größten Erfolg feiert das Neubrandenburger Zentrum für Lebensmitteltechnologie (ZLT) in seiner größten Krise. Gerade haben die Neubrandenburger Stadtvertreter beschlossen, dass sie kein Geld mehr für das ZLT, das noch zu 75 Prozent der Stadt gehört, ausgeben wollen und dass das Zentrum abgewickelt werden soll – da wird in Berlin der Deutsche Zukunftspreis für ein Projekt verliehen, an dem das ZLT entscheidenden Anteil hatte. Die Prolupin GmbH, die ihren Sitz heute in Grimmen hat, bekam den Preis gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut in Freising für die Entwicklung von schmackhaftem Pflanzeneiweiß aus der heimischen Lupine. Unter anderem wurde mit dieser Erfindung schon Speiseeis hergestellt und vermarktet. Drei Jahre lang war Prolupin direkt im ZLT beheimatet und arbeitete sehr eng mit diesem zusammen – unter anderem wurden alle Sensorik- und Verbraucherakzeptanz-Tests mit dem Team um den ehemaligen ZLT-Geschäftsführer Holger Gniffke bewerkstelligt.

Aber noch muss der Beschluss der Stadtvertreter nicht wirklich das Aus bedeuten. Denn Hochschulrektor Micha Teuscher kündigt an, dass die Hochschule einer Liquidation des ZLT nicht zustimmen werde. Die Hochschule hält die anderen 25 Prozent der Gesellschafteranteile der gemeinnützigen Gesellschaft. Teuscher will das ZLT am Leben halten und sucht neue Gesellschafter, die die Anteile der Stadt Neubrandenburg übernehmen. Einer kompletten Übernahme durch die Hochschule – das könnte Teuscher sich auch gut vorstellen – steht das Veto des Landes im Wege. Das Land beteiligt sich grundsätzlich nicht mehr als Gesellschafter an solchen Einrichtungen.

Der neue Geschäftsführer Michael Wendelsdorf sieht somit nach dem Veto Teuschers seine Aufgabe nicht darin, das ZLT alsbald abzuwickeln. Dafür bräuchte er den Konsens aller Gesellschafter. Deshalb sei er momentan dabei, sich einen Überblick zu verschaffen und neue Perspektiven zu entwickeln, sagt er dem Nordkurier. Eine Prämisse sei dabei aber in jedem Fall, die Stadt von ihrer Nachschusspflicht zu befreien.