Hartmud Anner:

"Ich bin nun mal Parteisoldat, ich kann nicht anders"

Ausgerechnet über sein Konterfei hat jemand am Wochenende mit schwarzer Farbe die beiden großen Buchstaben "IM" geschmiert.

Hartmud Anner ist darüber verärgert, war er es doch, der den Antrag in die Gemeindevertretung Brunn eingebracht hat, alle Abgeordneten sollten sich einer freiwilligen Überprüfung auf eine eventuelle Verstrickung mit der Staatssicherheit unterziehen, und der nach 1989 als Mitglied des Bürgerkomitees mithalf, die Stasizentrale aufzulösen. Der Antrag sei aber von einigen Abgeordneten zerredet und auf die nächste Sitzung verschoben worden, sagt der Christdemokrat, was er bis heute nicht versteht: "Wer ein reines Gewissen hat, muss doch nichts befürchten."

Das dritte Mal tritt Hartmud Anner am kommenden Sonntag an, um zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Brunn gewählt zu werden. So viele Anläufe hat auch sein Mitbewerber Christian Schenk (UD) bereits hinter sich.

Beim ersten Mal 2004, da war Anner gerade von Neubrandenburg nach Ganzkow gezogen, und hat aus dem Stand 170 Stimmen auf sich vereinen können. Er sei längst in Ganzkow Zuhause und fühle sich wohl auf dem Lande. Jetzt, so berichtet er, sei er nach dem Rücktritt des Bürgermeister Lutz Freund wieder von Gemeindebewohnern gebeten worden, sich dem Votum zu stellen. "Ich will neue Akzente setzen, aber dennoch die erfolgreiche Politik meines Vorgängers fortsetzen", sagt der 59-Jährige, der Wahlkreismitarbeiter beim Bundestagsabgeordneten Christoph Poland ist.

Gleich nach seiner Ankunft im Ort hat er sich für die Gemeinde engagiert. "Ich bin nun mal Parteisoldat", sagt er, er könne nicht anders und stehe dazu. "Ich habe so viel Erfahrungen während meines langjährigen Einsatzes in der Politik sammeln können, die ich gern als Bürgermeister für das Wohl aller in der Gemeinde Brunn einsetzen möchte." Der soziale Bereich war lange das Feld, das Anner in der Gemeinde als Vorsitzender des Sozialausschusses beackert hat. Niedergelegt habe er das Ehrenamt, weil er das Mobbing einiger Gewählter gegenüber dem Bürgermeister nicht mehr ertragen konnte. Die Gemeinde habe noch eine eigene Kita, in der auch Krippenkinder betreut werden können und die zudem recht gut ausgelastet ist. Er weiß natürlich, dass es auch um die Brunner Finanzen nicht so gut bestellt ist. Noch habe die Gemeinde einen ausgeglichenen Haushalt. "Wir müssen sehen, wo wir Geld einsparen können", sagt er. Und übersetzt das auch: Die Gemeinde hat eine eigene Kita und zwei Gemeindearbeiter. Beides und andere freiwillige Leistungen müssen langfristig genau beobachtet werden, dürfen nicht ewig Tabu-Thema bleiben.

Die Jugend liege ihm am Herzen. Dass Klubs in Roggenhagen und Brunn dicht gemacht werden mussten, weil sie kaum von jungen Leuten im jugendlichen Alter genutzt wurden, sieht er ein, tut ihm aber weh. "Wir müssen alles tun, dass die jungen Leute hier bleiben. Unsere Kinder und Jugendlichen besuchen Schulen in Friedland und Neubrandenburg und kommen relativ spät nachmittags wieder nach Hause. Dann müssen Angebote da sein für sie", betont Anner. Das heißt: Klubs müssen offen stehen, für die die Jugend auch Verantwortung übernehmen muss.

Anner steckt seit der Wende im politischen Geschäft, beruflich und ehrenamtlich. Da hat man ein großes Beziehungsnetz zum Bund, zum Land, direkte Kontakte zu Schnittstellen. "Ich hoffe, dass diese Kontakte mir helfen werden, in Gemeindeangelegenheiten Türen zu öffnen", sagt er. Die Infrastruktur in den Dörfern müsse verbessert werden, bessere Gehwege seien dringend nötig, ebenso eine schnelle Datenbahn für Internetnutzer. Da sei es gut, wenn man Fördertöpfe nutzen kann und auch den Vorteil, dass man Leute kennt, die wissen, wo die alle stehen.

"Ich will neue Akzente setzen."