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Kampf um Turm mit Apfelsaft

VonAnett SeidelDer älteste frei stehende hölzerne Glockenturm Mecklenburgs droht einzustürzen. Die Glocken dürfen schon seit Jahren nicht geläutet ...

Prof. Eberhard Herbst, Joachim Lautenschläger und Hans-Jorg Bose (v.l.) kämpfen gemeinsam mit der Kirchengemeinde um die Sicherung des Zachower Kirchturms.  FOTO: privat

VonAnett Seidel

Der älteste frei stehende hölzerne Glockenturm Mecklenburgs droht einzustürzen. Die Glocken dürfen schon seit Jahren nicht geläutet werden. Die Balkenverbindungen lösen sich. Aber die Zachower kämpfen um ihr Kleinod.

Zachow.Die fast 520 Jahre alten Balken sind stark angegriffen. Die Statik ist geschwächt. Diesen Nachweis haben die Zachower schwarz auf weiß. Und sie wissen auch, dass allein für die Kirchturmsanierung 220 000 Euro fällig werden. Damit nicht genug. „Die ganze Kirche ist ein Sanierungsfall“, verdeutlicht Pastor Christian Rudolph. Mit über 300 000 Euro könnte das Gotteshaus komplett hergerichtet werden.
Die Kirchengemeinde Ballwitz hat 343 Mitglieder. Ein Rechenkünstler muss man nicht sein, um zu wissen, dass diese Summe für die kleine Gemeinde illusorisch ist. Dabei hat sich das Gotteshaus längst einen Namen weit über die Dorfgrenzen hinaus gemacht. Denn das Engagement der Zachower spricht für das Gemäuer. Der Verein Zinnober bringt es mit Ausstellungen, Lesungen und Konzerten auf über
2000 Besucher im Jahr. „Das ist mehr, als wir mit Gottesdiensten erreichen“, freut sich der Seelsorger. Diese finden regelmäßig zu besonderen Anlässen statt.
Verein und Kirchengemeinde wissen um die Schwachpunkte der Kirche, aber sehr wohl auch um die eigenen Stärken. Am 1. Mai wollen sie gemeinsam beim Kirchentag in Hamburg für Wirbel sorgen. 300 000 Besucher bekommen dort die Gelegenheit, das Zachower Gotteshaus kennenzulernen. Ein vier Meter großes Model hat Vereinsvorsitzender Hans-Jörg Bose dafür konstruiert. Der Zachower Künstler Joachim Lautenschläger wird einen kostenlosen Druck inklusive Informationen über die Kirche anbieten. Und wenn dann noch die Stargarder Edelleute zum Tanz bitten, wird hoffentlich niemand an den Zachowern vorbei kommen, so die Akteure. Mit Apfelsaft, Kuchen, Gegrilltem und Schmalzstullen wird zudem mit regionalen Produkten für einen Gaumenschmaus gesorgt.
„Ob das finanziell lukrativ wird, wird sich zeigen“, will der Pastor nicht zu viel Euphorie verbreiten. Aber die Kontakte seien wichtig und natürlich der Wirbel. Jede Kirchengemeinde hatte die Möglichkeit, beim Abend der Begegnung in Hamburg dabei zu sein. Die Zachower sind die einzigen aus dem Osten des Landes, die diese Chance ergriffen haben.
Bereits zur Wendezeit sorgten sich die Einwohner um ihr Gotteshaus. Damals machten sie sich unter Federführung Lautenschlägers für den Erhalt stark. Mit Erfolg. Jetzt zählt die Kirche weitaus mehr Besucher, doch der Zahn der Zeit nagt an dem ältesten frei stehenden Glockenturm Mecklenburgs nach fast 520 Jahren. Die Zachower brauchen zwar Hilfe, sind jedoch voller Hoffnung. „Die Reemtsma-Stiftung hat schon 50000 Euro zugesichert“, freut sich Christian Rudolph. „Wenn wir Glück haben, können die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen“, verweist der Gottesmann auf einen guten Platz auf der Prioritätenliste der baulichen Notwendigkeiten.
Für den Kirchentag werden noch Kuchenbäcker gesucht. „Backen Sie für uns Kuchen möglichst in Kastenform und spenden Sie von ihren Apfelsaftvorräten“, appelliert Pastor Christoph Rudolph. Saft- und Kuchenspenden können bis zum 30. April im Ballwitzer Pfarrhaus abgegeben werden. Telefonnummer: 039603 20983

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