Mindestlohn verteuert die Mahlzeit:

Kein Bock mehr auf Kantinen-Essen

Ein großer Mittagsversorger in Neubrandenburg beklagt Mobbing und böse Telefonate. Und das alles wegen gestiegener Preise.

Dann eben nur ein kleiner Salat: Etliche Kantinen-Nutzer in Neubrandenburg sind sauer, weil ein großer Anbieter die Preise angehoben hat. Der Mindestlohn sei dafür verantwortlich, heißt es.
Marc Tirl Dann eben nur ein kleiner Salat: Etliche Kantinen-Nutzer in Neubrandenburg sind sauer, weil ein großer Anbieter die Preise angehoben hat. Der Mindestlohn sei dafür verantwortlich, heißt es.

Der Mindestlohn macht es möglich. Das Neubrandenburger Unternehmen "Hotel am Ring", auch Betreiber von neun großen Kantinen in der Viertorestadt, sieht sich gerade einem Sturm der Entrüstung gegenüber. Nach Einführung des Mindestlohns - 70 Prozent der Mitarbeiter hatten hier vorher weniger als 8,50 Euro in der Stunde verdient - sah sich das Unternehmen nach eigenen Angaben gezwungen, die Preise für das Kantinen-Essen zu erhöhen.

"In Mails und Telefonaten werden wir seither dafür massiv beschimpft", sagt die Geschäftsführerin der Unternehmens, Elfrun Scheller. In den meisten der Kantinen würden die neuen Preise auf Unverständnis stoßen, heißt es weiter. "Man wirft uns vor, die Situation um die Mindestlöhne auszunutzen, um mehr Gewinn zu machen", so Elfrun Scheller. Bislang gaben die neun Kantinen zwischen 800 und 1000 Mittagessen täglich aus. "Das sind schon weniger geworden", so die Geschäftsführerin zerknirscht.

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Kommentare (5)

Mal aus Sicht eines betroffenen (ehemaligen) Kantinenkunden: Ursprünglich kostete das Essen 3,10, 3,30 und 3,85 EUR. Dann kam die erste Preiserhöhung auf 4,00 (+29%), 4,80 (+45%) und 6,20 (+61%) EUR. Nachdem der Essenanbieter wohl reichlich Gegenwind bekommen hatte wurde eine Preisanpassung vorgenommen, die auch wieder eine versteckte Preisanhebung beinhaltete: Das teuerste Essen mit 6,20 EUR wurde aus dem Speiseplan genommen, dafür sollte das Essen, welches zwischenzeitlich 4,80 EUR kosten sollte, auf 5,30 EUR verteuert ( +61% gegenüber dem Ursprungspreis. Das Essen, welches zwischenzeitlich 4,00 EUR kosten sollte, verteuerte sich auf 4,50 EUR (+45% gegenüber dem Ursprungspreis), zusätlich wurde Suppe oder Eintopf für 4,00 EUR mit in die Speisekarte aufgenommen. Wenn diese Preisanhebungen nur auf den Mindestlohn zurückzuführen sind, dann stellt sich mir ernsthaft die Frage, was vorher an Löhnen gezahlt wurde. Sollte der Mindestlohn nicht die einzige Ursache für diese doch sehr gravierende Preiserhöhung sein, so sollte der Kantinenbetreiber, der ja immerhin 9 Kantinen und damit wohl einen Grossteil der in Neubrandenburg existierenden Kantinen betreibt, doch ernsthaft seine Geschäftspolitik überdenken. Und das möglichst bevor de Kantinengäste endgültig mit den Füssen abgestimmt haben ...

Der Eintopf/ die Suppe soll 3,50 EUR kosten

DETLEV bringt es auf den Punkt. Die gleiche Frage habe ich mir bei dieser deftigen Preiserhöhung auch gestellt. Entweder wurden die Mitarbeiter vorher extrem schlecht bezahlt, oder hier will jetzt jemand im Zuge der Einführung des Mindestlohnes zusätzlich Gewinn abschöpfen.

Natürlich wird jetzt wieder herumgejammert dass sich alles wegen der Einführung des Mindestlohns verteuert hat. Und am meisten von denen, die den Mindestlohn selber befürwortet haben. Wo bleibt denn da die vielbeschworene Solidarität?

Mein Kommentar war lediglich eine nüchteren Analyse der Preiserhöhung durch den im Artikel genannten Essensanbieter. Wenn Sie darin Gejammer sehen, dann schauen Sie sich die Preiserhöhungen anderer Essensanbieter an, die weitaus moderater ausgefallen sind. Ich habe nichts gegen den Mindestlohn, aber diesen als einzigen Grund für eine Preissteigerung von z.T. über 60% (!) heranzuziehen, ist m.E. zumindest gewagt.