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Kindsmörderin von Massen begleitet

Altentreptow.Der Köllner Ortschronist Helmut Quicker hat sich eines ziemlich gruseligen Themas angenommen: Hinrichtungen in früherer Zeit in Altentreptow. ...

Altentreptow.Der Köllner Ortschronist Helmut Quicker hat sich eines ziemlich gruseligen Themas angenommen: Hinrichtungen in früherer Zeit in Altentreptow. Grundlage sind Kirchenakten, aus denen der frühere Treptower Lehrer Wilhelm Witt berichtete. Hier kommt Teil 2.

Wegen Mordes an ihren zweijährigen Jungen wurde die 30-jährige Witwe Anna Wendt vom Stadtgericht Treptow zum Tode durch das sogenannte Sacken – Ertränken in einem Sack – verurteilt. Sie hatte aus Wut über das „Schandpfahlstehen“, zu dem sie verurteilt war, ihren Sohn erwürgt. Zu dem Schandpfahlstehen war sie verurteilt, weil sie ihren heimlichen Freund, den Amtsschreiber Rubenow, öffentlich an die gemachten Versprechungen hinsichtlich einer Ehe erinnert hatte. Nach dieser Tat verlangte der Treptower Stadtrichter Paul Lütkemann, dass ihr der Prozess gemacht werden solle. Zu dem Hinweis, sie auf ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen, gab der Magistrat vor, dass in der Stadt kein Medicus befindlich sei. Einen 4 Meilen weit befindlichen zu holen, würde die Stadt ein nicht Geringes kosten. Somit unterblieb die vom Pommerschen Kriminalkollegium verlangte ärztliche Untersuchung, zumal auch kein Zeuge zu finden war, der sie jemals in einem verdächtigen Zustand gesehen hatte.
Das Urteil wurde in Berlin dem König vorgelegt, der es durch den Kronprinzen bestätigen ließ. Am 15. Juni 1736 sollte es vollstreckt werden. Ein langer Zug begleitete die Delinquentin von der Zelle bis zum Vollstreckungsort an der Tollense. Dies wird wie folgt beschrieben: Voran die acht Bürger und Färber mit bloßem Degen zu Pferde, dahinter die Schützenzunft, dann die Kurrendesänger. Dicht dahinter die Delinquentin zwischen den beiden Geistlichen. Dahinter Bürger mit Gewehr und Bauern mit Abwehrstangen. Zu beiden Seiten unzählbare Menschenmassen. So wogte die Masse durch die Oberbau- und Mühlenstraße zur Tollense.
Dort wurde sie vom Scharfrichter an Händen und Füßen gebunden, in einem Sack gesteckt und dieser zugebunden. Dieser wurde vom Scharfrichter unter Wasser gehalten. Dann wurde sie tot aus dem Wasser gezogen und lang auf die Brücke gelegt. Die Tote wurde dann von den Scharfrichterknechten mit nassen Kleidern in einen Sarg gelegt und etwa 10 Schritt außerhalb des St. Georg-Friedhofes begraben. Was der Scharfrichter sonst noch zu tun hatte, darum geht es in Teil 3.hq