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Lesung unter Augen von Personenschützern

Das hat es in der Buchhandlung im Neubrandenburger Marktplatz-Center so auch noch nicht gegeben: Ein Autor muss unter dem Schutz von Polizisten in Zivil aus seinem Werk lesen. Denn gegen ihn existieren bereits Mordaufrufe.

Hamed Abdel-Samad stellt sein neues Buch "Der Koran: Botschaft der Liebe - Botschaft des Hasses" vor.
CK-Fotografie Hamed Abdel-Samad stellt sein neues Buch "Der Koran: Botschaft der Liebe - Botschaft des Hasses" vor.

Solveig Weller freut sich – auch wenn die Situation für die stellvertretende Filialleiterin in der Thalia-Buchhandlung in Neubrandenburg eine gewaltig neue ist. „Lesungen mit verschiedenen Autoren haben wir hier schon viele organisiert. Aber eine solche noch nicht.“

Am Mittwochabend begrüßt die Buchhandlung den deutsch-ägyptischen Politologen und Autor Hamed Abdel-Samad. Der 44-Jährige will auch vor Neubrandenburger Zuhörern aus seinem neuen Buch „Der Koran: Botschaft der Liebe – Botschaft des Hasses“ lesen und darüber diskutieren.

Der Islamkritiker kommt allerdings nicht allein. In seiner Begleitung, wie bei fast allen öffentlichen Auftritten des Autoren, sind Personenschützer des Landeskriminalamtes. Diese ganz spezielle Fürsorge genießt Abdel-Samad, weil in Ägypten verschiedene Gruppierungen den Stab über ihn gebrochen haben und schon mehrfach zu seiner Ermordung aufriefen.

Deshalb war auch Solveig Weller gespannt darauf, wie auf die Ankündigung seiner Lesung in der Viertorestadt reagiert wird. „Aber wir haben nichts Ablehnendes registrieren müssen. Auch keine Schmierereien an den Werbeplakaten oder Ankündigungen“, so die Frau aus der Buchhandlung, die sich „schon sehr auf die Lesung und die Diskussionen freut.“ Und die verspricht, dass sogar noch Karten für die Lesung, die heute um 20.15 Uhr beginnt, erhältlich sind.

Besucher erwarten wohl keine besonderen Kontrollen

Wie genau das aber am Abend mit den Personenschützern in der Buchhandlung ablaufen wird, davon hat Solveig Weller auch noch keine Ahnung. „Ich erhielt nur den Anruf, dass dies so sein wird. Mehr weiß ich auch nicht.“ Die Fachfrau für die Bücher kann sich allerdings beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Besucher der literarischen und politischen Veranstaltung sich auf besondere Kontrollen beim Einlass einstellen müssen. Für die auch streng genommen gar keine Zeit bliebe. Denn immerhin schon eine Viertelstunde nach der offiziellen Schließung des Buchladens soll die Lesung beginnen.

Abdel-Samad ist der Ansicht, dass der Islam eine unreformierbare Religion sei, Muslime jedoch ihre Werte reformieren könnten. Dafür zog der Deutsch-Ägypter den Hass in der arabischen Welt auf sich.