Kneiper in Sorge:

Machen hohe Sky-Preise das Bier bald teurer?

Der Bezahlsender Sky hat seine Preise für Kneipen­besitzer angezogen. Betroffen sind auch Fußballkneipen in Neubrandenburg. Die müssen nun überlegen, wie sie das Geld wieder hereinholen und wie lange sich die Fußballübertragung überhaupt noch lohnt. 

Das Konsulat ist eine feste Adresse für Fußballfans. Kult-Kneiper Volker Griebenow muss aber überlegen, ob er die Bierpreise anzieht.
Ingmar Nehls Das Konsulat ist eine feste Adresse für Fußballfans. Kult-Kneiper Volker Griebenow muss aber überlegen, ob er die Bierpreise anzieht.

Die Morgensonne scheint nur schwach durch die Fenster des Konsulats. Das Licht ist gedimmt. Volker Griebenow macht Kaffee. Der Neubrandenburger Kultkneiper ist trotz einer langen Nacht schon recht munter. „Die ersten Gäste kommen zum Mittag“, sagt Griebenow. Seit elf Jahren betreibt er die Kneipe in der Vierrademühle. Sie ist ein Mekka für Fußballfans. Egal ob Bundesliga, Champions League oder DFB-Pokal, wenn der Ball rollt, dann nehmen viele Fans bei Volker Platz. Der Wirt weiß genau, wer zu welchem Spiel kommt und sich auf welchen Stuhl setzt. Vor allem Anhänger des BVB befinden sich hier in bester Gesellschaft.

Volker Griebenow hat sein Kneipenkonzept auf sport­begeisterte Kunden ausgerichtet und hat darum auch ein Sky-Abo. So kann er Fußballspiele und andere Sportevents zeigen, die nicht im Free-TV laufen. Dafür muss er aber auch kräftig in die Tasche greifen. „Die Sky-Preise sind im Vergleich zum vergangenen Jahr extrem gestiegen“, sagt Griebenow. Statt monatlich 220 Euro muss er seit diesem Jahr 380 Euro im Monat auf den Tisch legen.

Preise um rund 30 Prozent angehoben

Auf Anfrage des Nordkurier teilt die Sky Deutschland AG mit, dass die Abo-Preise für Gastronomen durchschnittlich um 30 Prozent erhöht wurden. Grund dafür seien unter anderem die teuren Lizenzen. Wenn der schwarz-gelbe Lieblingsclub von Volker Griebenow dicke Gelder für das Weiterkommen in der Champions League kassiert, dann stammen die zu großen Teilen auch aus den Fernsehgeldern, die wiederum durch die Kneiper eingespielt werden. Wie viel ein Gastronom monatlich zahlen muss, hänge von der Größe der Kneipe und von regionalen Standortfaktoren wie der Bevölkerungsdichte und der Kaufkraft ab, erklärt eine Sky-Sprecherin. Dass keine Mannschaft aus MV in der Bundesliga spielt, werde bei den Gebühren ebenfalls berücksichtigt. Sonst wäre es noch teurer.

Volker Griebenow ist nicht der einzige Wirt, der unter dieser Entwicklung zu leiden hat. Auch Manuela Kohn im Irish Corner muss 380 Euro im Monat zahlen. „Das ist besonders ärgerlich, wenn im Sommer und Winter Spielpausen sind und man den Abo-Preis trotzdem zahlt“, sagt die Wirtin, die seit vier Jahren die Kneipe in der Neutorstraße betreibt. Ohne die exklusiven Spiele würde es nicht gehen. „Das wissen die von Sky bestimmt auch und haben uns so in der Hand“, sagt die Kneiperin. Tatsächlich kommen an Dienstagabenden, wo die Champions League nur bei Sky zu sehen ist, in der Regel mehr Besucher in das Irish Corner als am Mittwoch, wo man die Spiele frei sehen kann.

Den ganzen Abend lang eine Cola

„Ohnehin ist die Kneipenkultur in der Woche stark zurückgegangen“, stellt Volker Griebenow fest. Das Geld sitzt nicht mehr so locker. Einige der jungen Gäste mit schmalem Geldbeutel klammern sich 90 Minuten plus Halbzeitpause an eine große Cola. Wird das Bier deshalb teurer? Volker Griebenow winkt zwar ab, überlegt aber dennoch, die Karte zu überarbeiten. Manuela Kohn lässt bei den Spielen eine selbst gebastelte Sky-Spenden-Box rumgehen. „Wer freiwillig einen Euro hineintun will, kann das machen“, sagt sie. Eine andere Lösung hat sie auch noch nicht parat.

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