Such-Flyer in der Stadt verteilt:

Mann seit einer Woche verschwunden

Für die Polizei ist Andreas M. offiziell kein Vermisster, nach dem gefahndet werden muss. Eine Neubrandenburger Familie hat die Sache deshalb selbst in die Hand genommen.

Der Vermisste wurde tot gefunden.
NK Der Vermisste wurde tot gefunden.

Reformhaus, Bibliothek, Bahnhof, Polizei, der Weg von der Innenstadt zum Rostocker Viertel, von dort Richtung Kulturpark: Mit ihren laminierten Flyern haben Klaus Rachau und sein Schwiegersohn Christoph Giermann am Mittwoch alle möglichen Wege und Punkte abgeklappert, die Andreas M. regelmäßig ansteuert. Möglichst gut sichtbar platzierten sie ihre Suchmeldung. Denn Klaus Rachaus Bruder Andreas M. ist seit einer Woche spurlos verschwunden. Die Angehörigen finden keine Erklärung, sorgen sich, ihm könnte etwas zugestoßen sein.

Aktualisierung 24. Oktober 2016: Der vermisste Neubrandenburger wurde tot in der Sächsischen Schweiz geborgen.

Die Familie hat ihn am vergangenen Freitag als vermisst gemeldet. Daraufhin habe die Polizei auch schnell reagiert und seine Wohnung im Rostocker Viertel aufgebrochen, um zu sehen, ob dem 53-Jährigen etwas passiert ist, erzählt Klaus Rachau. Dort war aber alles in Ordnung. Die Polizei sieht nun keine Anhaltspunkte für eine Öffentlichkeitsfahndung. „Er ist erwachsen, gesund, im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und er wurde als Einzelgänger beschrieben. Es gibt keine Hinweise auf eine Straftat oder einen Unfall“, begründet Diana Mehlberg, Sprecherin der Polizeiinspektion. Man nehme die Anzeige natürlich ernst, aber eigentlich könne Andreas M. „machen, was er will“.

In der Familie kann aber keiner glauben, dass Andreas M. einfach so weggefahren ist. „Eindeutige Sachen sprechen dagegen“, sagt Klaus Rachau. Sein Bruder sei zwar schon ein „absoluter Einzelgänger“ ohne Freundeskreis, aber mit der Familie pflegte er regelmäßige Kontakte. Er sei sehr penibel, ziehe alle elektrischen Geräte raus, wenn er verreise, decke sogar den Fernseher ab. In der Wohnung aber sei alles gewesen, als sei er nur kurz zum Einkaufen gegangen. Er habe keine Hygieneartikel, keine Koffer oder Taschen, nicht einmal sein Handy mitgenommen, nur das Portemonnaie mit Papieren. Das Stullenbrett, Messer und Teetasse hatte der studierte Informatiker schon für die nächste Mahlzeit auf den Tisch gestellt, erzählt Klaus Rachau.

Letzten Kontakt hatte die Polizei

Was für ihn noch schwerer wiegt: „Wir hatten fest vereinbart, am Donnerstag miteinander zu telefonieren, weil wir am Samstag seinen Geburtstag bei uns feiern wollten. In seiner Wohnung ist zu wenig Platz. Wir hatten auch fest vereinbart, am Samstagvormittag dafür gemeinsam einzukaufen“, sagt er. „Er ist so akkurat und zuverlässig. Wenn was dazwischen gekommen wäre, hätte er sich gemeldet“, ist der Bruder des Vermissten überzeugt.

Den letzten Kontakt zu Andreas M. hatte offenbar die Polizei. Die hatte er am Mittwoch der vergangenen Woche wegen einer angeblichen Geruchsbelästigung in seinem Haus angerufen, die Sache klärte sich aber auf. 

Auch wenn die Beamten nun nicht öffentlich nach ihm suchen, unterstützen sie die Familie und nehmen gern Hinweise entgegen. Wer bei der Suche weiterhelfen kann, wird gebeten unter 0176 45768856 oder bei der Polizei unter 0395 55825224 beziehungsweise der Notrufnummer 110 anzurufen.

Aktualisierung 24. Oktober 2016: Der vermisste Neubrandenburger wurde tot in der Sächsischen Schweiz geborgen.

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