Später Lehrling:

Mit 42 Jahren noch mal in die Lehre

Bisher nicht das rechte Glück gehabt im Berufsleben? Kann man etwas dagegen tun? Man kann. Eine Mutter von drei fast erwachsenen Kindern hat Mut und zeigt, wie es gehen kann.

Um die praktische Ausbildung von Verena Töwe (links) kümmert sich Karola Langel, Leiterin der Finanzbuchhaltung.
Hartmut Nieswandt Um die praktische Ausbildung von Verena Töwe (links) kümmert sich Karola Langel, Leiterin der Finanzbuchhaltung.

Hat sie denn gar nichts gelernt, so dass sie mit 42 in die Lehre gehen muss? Zum Glück kann Verena Töwe über diese Frage nur lachen – zum Glück auch, weil sie mit der Lehre, die sie am 2. September begann, glücklich ist.

„Richtig heißt es ja eigentlich betriebliche Umschulung. Aber egal, ich bin sehr froh, dass ich diese Möglichkeit gefunden habe, um Bürokauffrau zu werden“, sagt die 42-jährige Altentreptowerin Verena Töwe. Jetzt gehört sie zum Team der 62 Kollegen des BIP-Kreativitätszentrums Neubrandenburg. Und Geschäftsführerin Heike Wolff geht davon aus, dass das auch nach dem Ende der Ausbildung in zwei Jahren so bleibt. „Sie durfte sich sogar den eigenen Bürostuhl aussuchen“, sagt sie und lacht. Immerhin ist das schon ein früher Vertrauensbeweis...

Mit dem, was Verena Töwe beruflich bisher machte und machen musste, war sie nicht so richtig glücklich: Sie ist gelernte IT-Systemkauffrau und ebenfalls gelernte Versicherungskauffrau, arbeitete zuletzt etliche Jahre als Callcenter-Agentin. „Aber irgendwann reichte das, in gegenseitigem Einvernehmen ging ich“, erinnert sich Verena Töwe, die Mutter von drei fast erwachsenen Kindern ist. Sie meldete sich bei der Arbeitsagentur mit dem Wunsch, zur Erzieherin umgeschult zu werden. Das klappte aber nicht.

Dann kam sie mit Peggy Wilke zusammen. Diese ist Arbeitgebervermittlerin bei der Agentur. Sie schlug Verena Töwe vor, sich einfach einmal im BIP-Kreativitätszentrum zu melden – dort suchte man jemanden, der Arbeit im Bereich Finanzen und Personal übernehmen kann. „Das ist ein sehr sensibler Bereich. Ich hatte mir vorher ein paar von den ganz jungen Azubis angesehen. Aber so richtig war ich nicht davon überzeugt, dass diese so jung und unerfahren den Bereich bewältigen können“, erklärt Heike Wolff.

 Und dann kam Verena Töwe zum Bewerbungsgespräch. „Wir einigten uns auf ein Schnupperpraktikum. Das konnten wir aber schon nach einer Woche beenden“, erzählt Heike Wolff. Nach dieser einen Woche waren sie und Verena Töwe sich einig: Das passt. Die Umschulung dauert zwei Jahre, Theorie gibt es an der Beruflichen Schule, Praxis im Kreativitätszentrum, für letzteres hat Karola Langel als  Chefin der Finanzbuchhaltung den Hut auf. Und nach zwei Jahren hat man im BIP-Kreativitätszentrum eine funkelnagelneue Bürokauffrau, auch wenn diese dann 44 Lenze zählt. „Ich bin ganz sicher, dass das klappt. Ich habe ein sehr gutes Gefühl“, ist Verena Töwe überzeugt.

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