Erste Hilfe für Stachelträger:

Mit Mut wird auch ein Igel zum Kuscheltier

Kurz vor der kalten Jahreszeit ist für die Igel Futtern angesagt, denn nur mit viel Speck lässt es sich gut überwintern. Doch längst nicht alle dieser possierlichen Insekten­fresser schaffen es bis zum Winter. Hilfe gibt es für alle stachligen Freunde in der Igelstation in Burow.

Diese Kinder waren mit ihren Tagesmuttis zu Besuch in der Igelstation. Zunächst traut sich keiner so recht, ein stacheliges Tierchen in die Hand zu nehmen. Doch nach kurzer Zeit wollen alle einmal anfassen.
Caroline Kern Diese Kinder waren mit ihren Tagesmuttis zu Besuch in der Igelstation. Zunächst traut sich keiner so recht, ein stacheliges Tierchen in die Hand zu nehmen. Doch nach kurzer Zeit wollen alle einmal anfassen.

Aufgeregt, voller ­Vorfreude und mit Katzenfutter ausgestattet stürmen 16 Kinder in die Igelstation. Aber es ist gar kein stacheliges Tierchen zu sehen. Die Knirpse sind doch extra mit ihren Tagesmuttis nach Burow gekommen, um mehr über Igel zu erfahren und natürlich auch, um herauszufinden, ob die Stacheln wirklich so spitz sind, wie sie aussehen.

Dafür ist Astrid Hofmann mit ihrer Igelstation genau die richtige Ansprechpartnerin. Sie ist in der Region die Einzige, die sich die Pflege kranker Igel auf die Fahne geschrieben hat. Vor fünf Jahren fand sie einen viel zu schwachen Igel und päppelte ihn auf, um ihn dann wieder in die Natur zum Über­wintern zu entlassen. Im Jahr darauf ergab es sich, dass sie wieder Igel bei sich aufnahm – und so begann ihre Igel­station allmählich zu wachsen. Mittlerweile hat sie sogar schon mal einen Fuchs und auch Waschbären bemuttert. Auch eine Auszeichnung als familienfreundliches Haus für Fledermaus und Schwalbe schmückt ihren Eingangsbereich.

Die meisten Igel bleiben besser in der Natur

Dann fängt Astrid Hofmann laut zu zählen an und alle Kinder sind ganz still. „1, 2, 3 ... Es sind 17 Igel.“ Da staunen alle und wollen schnell auch einen zu Gesicht bekommen. Bei der Frage, wer denn mal einen in die Hand nehmen möchte, traut sich erst keiner so recht. Doch als die Igelmutter einen Handschuh zum Schutz vor den Stacheln hochhält, wagt sich Jakob Baumann vor. „Sind die süß“, grinst der Fünfjährige.

Die Igel in der Station sind aus ganz verschiedenen Gründen zu Astrid Hofmann gekommen. „Die meisten werden völlig geschwächt bei mir abgegeben.“ Doch längst nicht alle gefundenen Stacheltiere bedürfen wirklich der menschlichen Obhut, warnt Hofmann. „Nur wenn ein Igel beispielsweise verletzt oder krank ist oder weniger als 400 Gramm wiegt, sollte man diesen zu Hause pflegen.“ Die meisten Igel ­seien jedoch besser in der freien Wildnis aufgehoben.

Verzicht auf die Herbstferien

Wann man einen Igel bei sich aufnehmen solle, wie man diesen unterbringt, füttert und wieder auswildert, erfährt man beim Verein Pro Igel unter der Hotline 01805 555 9551, weiß Astrid Hofmann. Wolle man einen Igel nicht bei sich pflegen, könne man dort auch die jeweilige nächstgelegene Igelstation ­erfragen, so wie die von Astrid Hofmann.

Sie habe jedes Jahr sehr viel Spaß an ihrem Ehrenamt, auch wenn dafür der eine oder andere Urlaub abgesagt werden muss, erklärt die „Igelmutter“ auf Zeit. In den Herbstferien könne sie nie mit ihren Kindern verreisen. „Aber die helfen gern mit“, erzählt sie.

Finanzielle Unterstützung erhalte sie vorwiegend durch Gruppenbesuche, die in der Saison ein bis zweimal pro Woche stattfinden. Nur so könne sie Medikamente und Nahrung bezahlen. „Naturalien sind natürlich auch immer gern gesehen“, schmunzelt die Igelmutter und reicht den Kindern Schalen mit ihrem mitgebrachten Katzenfutter und Wasser zum Verteilen an die Igel.