Platz soll nicht leer bleiben:

Mitschüler vermissen Tarek

Ihr syrischer Klassenkamerad soll abgeschoben werden. Deshalb gehen einige Neuntklässler aus Neubrandenburg auf die Barrikaden. 

Die Mitschüler der 9c aus der Voß-Schule in Neubrandenburg vermissen Tarek Ayoubi. Schon seit Tagen bleibt sein Platz leer.
Thomas Beigang Die Mitschüler der 9c aus der Voß-Schule in Neubrandenburg vermissen Tarek Ayoubi. Schon seit Tagen bleibt sein Platz leer.

Die Schüler der Klasse 9c in der Neubrandenburger Regionalschule „Johann Heinrich Voß“ können nicht begreifen, warum ihr neuer Mitschüler Tarek Ayoubi sie schon wieder verlassen muss. Ihre Schulleiterin Regine Stieger weiß zwar, warum, akzeptieren kann sie das trotzdem nicht. „Der 15-Jährige hat sich richtig gut eingelebt bei uns, ist ein sehr ehrgeiziger Schüler und soll jetzt trotzdem wieder abgeschoben werden.“ Nach Italien, denn über dieses sogenannte sichere Drittland ist der Junge aus Syrien gemeinsam mit seiner Mutter nach Deutschland gekommen und lebt seit Juni 2014 in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Neubrandenburg.

Die Schüler wollen sich nicht damit abfinden, ihren Klassenkameraden schon wieder zu verlieren. Am Dienstag haben die Neuntklässler eine Unterschriftenaktion in ihrer Schule gestartet, mit der sie sich gegen die geplante Abschiebung der syrischen Kleinfamilie wenden. „Hier bei uns hat Tarek doch eine Zukunft. Er hat ganz schnell Deutsch gelernt und hilft uns schon, wo er kann“, sagt Carolin Götz, die ihren Banknachbarn ganz besonders vermisst. „Warum darf Tarek nicht bei uns bleiben?“, fragen die Freunde aus der Klasse.

Die noch nicht einmal genau wissen, wo sich der lernbegierige Tarek gerade aufhält. Den Kontakt zu ihm halten die Mitschüler über Whatsapp, sie wissen nur, dass ihr Freund mit seiner Mutter aus Angst vor der Abschiebung geflüchtet ist. Die Furcht sitzt bei Mutter und Sohn besonders tief, denn in der vergangenen Woche begehrten bewaffnete Polizisten bei der Kleinfamilie nachdrücklich um Einlass. Allerdings, wie es hieß, hätten die Uniformierten die Tür verwechselt und wollte eigentlich zu jemand ganz anderem. Der Schreck hat aber genügt, Tarek und seine Mutter sind verschwunden.

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Kommentare (5)

Wenn die Schüler nicht den Grund kennen,warum die Familie wieder zurück nach Italien abgeschoben werden soll,ist ein Blick in das dubliner Abkommen sehr hilfreich. In dieser Gesetzgebung,ist festgelegt,dass der Asylbewerber im ersten sicheren Land der EU seinen Asylantrag zu stellen hat. Wahrscheinlich,hat diese Familie bereits dort einen Antrag gestellt und ist dann illegal nach Deutschland eingereist.

Natürlich handelt die Kreisverwaltung hier nach geltendem Recht. Fraglich ist aber, ob dieses Recht menschlich ist. Dieser Konflikt wäre zu klären. Kritik am Dubliner Abkommen gibt es spätestens seit Dublin III, dass es ermöglicht in sogenannte sichere Drittstaaten bei Nacht und Nebel abzuschieben. Weitere Informationen dazu findet man hier: https://www.wir-treten-ein.de/hintergrund/ Im übrigen wird es wirklich langsam Zeit, dass sich die Bundesrepublik zu einer unkomplizierteren Aufnahme von Menschen aus Kriegsgebieten wie Syrien bereit findet. Die allermeisten suchen Hilfe vor den Kriegswirren und sind im Asylverfahren nicht richtig aufgehoben, sondern werden ins Asylverfahren gedrängt.

Da ich während meiner 40 jährigen Dienstzeit beim BGS mich mit dieser Thematik oft befasst habe,sehe ich die Asylgesetzgebung aus einem anderen Blickwinkel. Die EU hat in dem dubliner Abkommen die Asylgesetze für ihre Länder geregelt. Da keine Einigkeit über eine Quote erzielt worden ist,greift eben dieses Abkommen. Das Problem besteht darin,dass sich manche Länder nicht an die Regelung halten und die Asylanten ohne Registrierung weiterreisen lassen. Sie werden sich sicherlich auch schon einmal die Frage gestellt haben,warum diese Leute nicht in Griechenland,Italien pp bleiben,denn dort sind sie ja auch vor einer Verfolgung sicher. Die Asylbewerber,zieht es aber nach Deutschland und Schweden,weil dort die Sozialleistungen am höchsten sind und sie davon ihren Schleuserlohn abbezahlen können. Deutschland ist noch so human und nimmt diese Leute vorerst auf. Rechtlich gesehen,könnte die Bundespolizei sie wieder nach Österreich zurück schicken. Für mich ist es auch sehr verwunderlich,dass viele junge Männer aus Syrien fliehen anstatt dort für ihre Freiheit zu kämpfen. Oder werden diese Personen schon von der IS nach Europa eingeschleust ? Die s,g Willkommenskultur,dient den Politikern nur als Keule für die Bevölkerung,da die Mehrzahl gegen den Zuzug von Asylanten ist. Wenn die Spitzenpolitikern der EU das Flüchtlingsproblem für wichtig erachtet hätten ,hätten sie für die EU eine Quote festgelegt und die Flüchtlinge gerecht auf die Länder verteilt. Das ist aber fehlgeschlagen. Deutschland ist nicht der Sozialstaat für die Welt.

Sie sagen zutreffend, dass die Regelung nach dem Dublin Abkommen zustande gekommen ist, weil sich die europäischen Länder nicht auf eine Aufnahmequote einigen können. Eine faire Verteilung der Flüchtlingsströme wäre der bessere Weg, unbestritten. So verdrängen wir das Problem an die Außengrenzen der Europäischen Union, weil z.B. die Bundesrepublik rundum von "sicheren Drittstaaten" umgeben ist, und lassen die Menschen im MIttelmeer ersaufen. Im übrigen kann ich das Wort "Flüchtlingsproblem" nicht mehr hören. Wenn man sich die Flühtlingszahlen in den Ländern rund um Syrien z.B. anschaut, ist es beschämend, wie wir in den reichen Ländern reagieren. Und wie Sie bei einer Frau mit ihrem 15-jährigen Sohn auf möglicherweise eingeschleuste IS-Kämpfer kommen, erschließt sich mir nicht wirklich. Ich kann übrigens auch verstehen, dass sich eine Mutter ihren 15-jährigen Sohn schnappt und flüchtet, bevor er zum Opfer einer unmenschlichen Politik wird . Ihre Argumentation blendet aus, dass es sich bei jedem Flüchtling um ein Einzelschicksal handelt. Mit Vereinfachungen und Verallgemeinerungen ist niemandem geholfen.

Wenn ein Flüchtling an deiner Tür klopft gib ihm eine Decke, eine Ort zum schlafen und was zum essen. Das ist das einzige was wichtig ist. Alles andere kann später gelöst werden. Und so nebenbei haben wir genug leere Kasernen die man nutzen kann. Man kann den Flüchtlingen nicht verantwortlich machen für das versagen der Politik. Hier geht es vor allem im Menschlichkeit und nächsten Liebe.