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Mutter des Todesfahrers verteidigt ihren Sohn

Nach dem schrecklichen Unfall in der Demminer Straße besitzt die Staatsanwaltschaft Hinweise auf ein Autorennen. Das aber bestreitet die Mutter des Fahrers, gegen den ermittelt wird. Sie zeigt sich zudem über Reaktionen der Öffentlichkeit verzweifelt.

Das Andenken an das Unfallopfer halten Freunde hoch.
Thomas Beigang Das Andenken an das Unfallopfer halten Freunde hoch.

Die Erinnerung ist ganz frisch und die Wunden sind noch längst nicht verheilt. Am Schauplatz des Unfalls vor zwei Wochen in der Demminer Straße halten Freunde und Familie das Andenken an einen 33-jährigen Neubrandenburger Fußgänger hoch, der hier am Abend des 29. August den Zusammenprall mit einem Auto nicht überlebte. Dutzende Grablichter stehen auf dem Grünstreifen, der die vierspurige Straße teilt, auf einem Karton an der Straßenlaterne klebt ein Foto des Opfers, zahlreiche Sprüche sollen den Verstorbenen auf seinem letzten Gang begleiten: „Machs gut, Alter“, „We miss you“, „Ich hab dich lieb, deine Mam“ und „Du fehlst uns“, steht dort zu lesen.

„Mein Sohn hat an keinen illegalen Autorennen teilgenommen”

Unterdessen hegt die Staatsanwaltschaft in Neubrandenburg nach zahlreichen Zeugenaussagen den Verdacht, der Unfall könnte die schreckliche Folge eines illegalen Autorennens in der Demminer Straße sein. Das aber bestreitet die Mutter des Todesfahrers, die am Dienstag mit dem Nordkurier sprach, ganz energisch: „Mein Sohn hat an keinem Autorennen teilgenommen“. Dies habe auch der junge Mann, der auf dem Beifahrersitz des Unfallautos saß, der Polizei bestätigt, sagt sie. Vielmehr sei es so gewesen, dass ihr Sohn keine Chance hatte, den Unfall zu verhindern, weil der Fußgänger ganz plötzlich auf die Straße trat. Ihr Junge sei nach dem Zusammenstoß sogar noch bemüht gewesen, das Opfer wieder zu reanimieren, bis Minuten später Polizei und Rettungskräfte am Unfallort eintrafen. Dabei habe sich der Fahrer sogar gehässige Kommentare von Schaulustigen anhören müssen, so die tief Betroffene.

Mutter kritisiert Kommentare in den sozialen Netzwerken

Die 50-jährige Neubrandenburgerin beklagt sich bitter darüber, wie gegenwärtig in sozialen Netzwerken schon der Stab über ihrem Sohn gebrochen wird und er als der einzige Schuldige gebrandmarkt werde – obwohl die Ermittlungen noch längst nicht abgeschlossen seien und auch noch kein Gutachten über den Unfallhergang vorliege. „Da heißt es sogar, Kopf ab wäre die einzig mögliche Strafe“, versteht die Mutter die Welt nicht mehr.

Und nur, weil ihr Sohn viel Freizeit an der Go-Tankstelle in der Demminer Straße – einem bekannten Treff von Autoschraubern und Motorfreaks – verbringe, sei er noch lange kein Raser, so die Neubrandenburgerin.