Ärger über Pläne für Kita Stolpersteinchen:

Mutter hält nichts von Kita-Privatisierung

Ein fester Rhythmus, enge Beziehung zu den Erziehern. Das ist es, was Karlchen  braucht. Sollte der Landkreis die Neubrandenburger Einrichtung „Stolpersteinchen“ tatsächlich privatisieren, dann könnte die Welt des kleinen Jungen zusammenbrechen. Das befürchtet seine Mutter und wehrt sich.

Lisa Kühnast ist froh, dass ihr Sohn Karl in der Kita "Stolpersteinchen" so gut gefördert wird. Sollte es zu Veränderungen kommen, dann hätte das für Karl ganz schlimme Folgen, sagt sie.
Ingmar Nehls Lisa Kühnast ist froh, dass ihr Sohn Karl in der Kita "Stolpersteinchen" so gut gefördert wird. Sollte es zu Veränderungen kommen, dann hätte das für Karl ganz schlimme Folgen, sagt sie.

Karlchen dreht sich vergnügt auf der Matte hin und her. Der Junge spielt mit seiner Erzieherin im Wahrnehmungs- und Sinnesraum der Frühförder­einrichtung „Stolpersteinchen“ in Neubrandenburg. Und Karl ahnt nicht, dass dieses Glück schon bald zerbrechen könnte.

Denn der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte will die Einrichtung loswerden. „Privatisierung“ ist das Wort, dass die Runde macht und Karlchens Mutter einige Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Denn Karl ist ein besonderes Kind, so wie die anderen 32 in der Kita auch. Manche sind mehrfach schwerst behindert, andere weisen Entwicklungsrückstände auf. „Die Kinder, die zu uns kommen, sind diejenigen, die nicht in Integrationsgruppen der Kitas betreut werden ­können“, sagt Kita-Leiterin Ilonka Vigohl.

Als Karl vor zweieinhalb Jahren in die „Stolpersteinchen“-Kita kam, konnte er nicht alleine sitzen, nicht laufen, nicht sprechen. Er sah schlecht und das Essen musste ihm gereicht werden. „Karl nimmt jetzt seine Umwelt wahr. Vorher hat er nur geschlafen, lebte zurückgezogen in seiner eigenen Welt“, beschreibt Lisa Kühnast die Veränderung.

Fester Rhythmus und enge Bindung

Karl ist in der Spatzen­gruppe. Zwei Erzieher kümmern sich um sieben Kinder. Nur durch so eine enge Beziehung können Kinder wie Karl in ihrer ­Entwicklung gefördert werden. Denn Karl kann sich nicht mit deut­lichen Worten verständigen. Er braucht Erzieher, die ihm schon an der Nasenspitze ansehen, was er will – und er braucht seine festen Abläufe. Veränderung bedeutet für Karl Unsicherheit und Stagnation in seiner Entwicklung.

Genau das aber be­fürchtet Lisa Kühnast, wenn die Kindereinrichtung tatsächlich in freie Trägerschaft gegeben werden soll. Und Karl ist nicht das einzige Kind, das feste Rhythmen und enge Beziehungen braucht, denn in der Einrichtung werden mehrere Kinder mit Autismus betreut.

Freie Träger sei besser geeignet

„Das Wohl der Kinder steht an oberster Stelle“, versucht Dirk Rautmann vom Schulverwaltungsamt des Landkreises zu beruhigen. Er bestätigt, dass es ein Interessenbekundungsverfahren gegeben hat. Fünf freie Träger hatten sich beworben und ab 1. März soll die Einrichtung von einem freien Träger geführt werden. Das letzte Wort wird dabei aber Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) haben.

Für den Landkreis scheint die Sache klar zu sein. Das Schulverwaltungsamt habe keine Fachkompetenz und Erfahrung, um so eine Einrichtung zu führen, so Rautmann. Darum sei „Stolpersteinchen“ in der Hand eines freien Trägers besser aufgehoben. Die Sorgen der Eltern seien un­begründete Vorbehalte, die bei einer Belegschafts­versammlung am 28. Januar geklärt werden sollen.

 

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Kommentare (2)

Ich verstehe die Sorgen von Frau Kühnast! Als Sonderschullehrer mit 35jähriger Berufserfahrung an der Körperbehindertenschule Neubrandenburg kann ich nur bestätigen, dass Kontinuität und die Fachkompetenz der Betreuer die wichtigsten Voraussetzungen für eine positive Entwicklung dieser schwerst behinderten Kinder sind. Woher sollen die fachlich hochqualifizierten Mitarbeiter bei einem privaten Träger denn kommen? Diese Fachkräfte sind ja schon in staatlichen Einrichtungen Goldstaub. Und selbst wenn sie sich finden lassen würden, bringt ein Betreuungswechsel erwiesenermaßen immer einen Rückschlag in der Kindesentwicklung mit sich. Das scheinen die Verantwortlichen nicht zu wissen. Renate Rust, Neubrandenburg

... alles richtig! Aber nur weil die oben genannte Kita an einen privaten Träger gehen soll, lösen sich die speziell ausgebildeten Fachkräfte der Einrichtung doch nicht auf. (Im Gegenteil, sie werden mit übernommen und behalten sogar noch für Jahre die Vergütungsvorteile eines öffentlichen Arbeitgebers.)