Friedensgebet und Gegendemonstration:

MVgida bekommt Gegenwind

Zum zweiten Mal fand in Neubrandenburg ein Marsch der MVgida-Bewegung statt. Ihre Route führte durch das Vogelviertel und das benachbarte Reitbahnviertel.

Teilnehmer des MVgida-Marsches ziehen am Montag Abend durch das Neubrandenburger Vogelviertel.
Thomas Beigang Teilnehmer des MVgida-Marsches ziehen am Montag Abend durch das Neubrandenburger Vogelviertel.

Jutta Wegner, die Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Grüne ist stocksauer. Erst am Montag Nachmittag hat sie erfahren, dass die von ihr angemeldete Mahnwache im Vogelviertel vom Ordnungsamt der Kreisverwaltung nicht genehmigt worden sei. "Wir sollen uns hinter die Busschleife im Reitbahnweg stellen. Ins Niemandsland praktisch", schimpft Wegner.

Die Teilnehmer des Zuges, die "Merkel weg" durchs Vogelviertel rufen und sich besorgt um die Zukunft der Kinder zeigen, müssen kurzfristig ihre geplante Strecke ändern. Hunderte Gegendemonstranten stehen an der Kreuzung Kranichstraße/Fasanenstraße. Sicherheitshalber lenkt die Polizei die MVgida-Aktivisten um. In der Adlerstraße kommt der Zug trotzdem ins Stocken, die Polizei muss erst für einen freien Weg sorgen. Es habe am Abend kleinere Zwischenfälle gegeben, heißt es auf Nachfrage am späten Abend bei der Polizei, die mit etwa 100 Einsatzkräften das Geschehen absicherte. An verschiedenen Plätzen mussten Personalien von Gegnern des Aufmarsches festgestellt werden - schwere Delikte wie Körperverletzungen oder Landfriedensbruch blieben allerdings bis zum Redaktionsschluss Fehlanzeige.

Rund 350 Teilnehmer zählt die Polizei beim MVgida-Aufzug - 200 weniger als bei deren Premiere vor vier Wochen in Neubrandenburg.

Ein Zeichen gegen die Bewegung setzen auch weit mehr als 100 Frauen und Männer in der Gemeinde St. Michael in der Straußtraße. Pfarrer Jörg Albrecht hatte zu einem Friedensgebet in seine kleine Kirche eingeladen. "So etwas hat es hier seit der Wende nicht gegeben", sagt der Gottesmann. Aber besondere Lagen erfordern besondere Maßnahmen."Wir wollen die Welt ein bisschen besser machen und Zeichen setzen gegen Menschenfeindlichkeit", sagt der Pastor und bittet seine Gäste ein Licht anzuzünden und das mit zu nehmen "in die Dunkelheit".