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Nachtspeicherofen lohnt sich nicht mehr

Ein Beseritzer fürchtet den Winter. Ohne Kamin müsste er dann nämlich frieren. Ursache des Übels: Er hat eine Nachtspeicherheizung. Der ursprünglich billige Strom in den Nachtstunden ist in den vergangenen Jahren aber ziemlich teuer geworden.

Gerhard Schneider aus Beseritz ärgert sich über die hohen Nachtstrompreise. Er hat in seinem Haus eine Nachtspeicherheizung. Die Kosten dafür sind in den vergangenen zehn Jahren förmlich explodiert.
Anett Seidel Gerhard Schneider aus Beseritz ärgert sich über die hohen Nachtstrompreise. Er hat in seinem Haus eine Nachtspeicherheizung. Die Kosten dafür sind in den vergangenen zehn Jahren förmlich explodiert.

Die Schmerzgrenze ist erreicht, sagt Gerhard Schneider aus Beseritz. Er hat 2006 das Haus von seinem Großvater übernommen, samt Nachtspeicherheizung. Eine gute Sache, dachte der Mann. Doch nun geht die Rechnung nicht mehr auf. Die Funktion der Heizanlage ist eigentlich ganz einfach. Die Öfen werden mit Nachtstrom aufgeheizt, die Wärme wird gespeichert und tagsüber wieder abgegeben. „Der Zähler schaltet entsprechend auf Nachttarif um“, sagt Gerhard Schneider.

2006 hat er für die Kilowattstunde noch 5,7 Cent gezahlt. Rund 1000 Euro waren das im Jahr. Jetzt zahlt er mehr als das Doppelte im Jahr und in der Nachtstromzeit, der sogenannten Niedertarifzeit, kostet die Kilowattstunde nicht mehr 5,7 Cent, sondern 19,90 Cent. „Das ist nicht mehr bezahlbar“, klagt der Beseritzer sein Leid.

Die Heizanlage wollte Gerhard Schneider nicht umrüsten. Für Öl hat er keinen Platz. Außerdem ist die Stromheizung ideal für die Umwelt, sagt der 62-Jährige. Strom müsste doch immer günstiger werden. „Windräder stehen auch hier“, verdeutlicht der Beseritzer. „Die drehen sich auch nachts.“ Und Wind koste nun einmal nichts. Außerdem werden es immer mehr, so dass die umweltfreundlichen alternativen Energien doch irgendwann Kernkraft und Kohle abgelöst haben dürften.

Verbraucher zahlt die Energiewende

Das Gegenteil ist allerdings der Fall. Die Nachtstrompreise gleichen immer mehr denen am Tag. „Heiztarif kann man das schon nicht mehr nennen.“ Wenn Gerhard Schneider sein ganzes Haus mit Strom heizen würde, wäre der arbeitssuchende Elektroingenieur pleite. Sicher seien Nachtspeicheröfen heutzutage selten. Trotzdem ärgert den Beseritzer, dass er gegen die großen Stromanbieter machtlos ist und kein Gehör bekommt. Stattdessen heizt er nun den Kamin ein und der Schornstein stößt Kohlendioxid aus.

Gerhard Schneider bemängelt, dass er die in Deutschland propagierte Energiewende so teuer zu spüren bekommt und fühlt sich schlichtweg abgezockt. Wo gehe der Strom hin, der vor seiner Nase in Beseritz ins Netz gespeist wird. „Am Ende landet dieser günstige Strom in Bayern und wir können zahlen und haben gar nichts davon.“

„Noch gibt es keine Trassen nach Bayern“, sagt Eon-Unternehmenssprecherin Verena Huber in München. Sie gibt Gerhard Schneider recht, dass die Nachtstrompreise in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Die Ursache seien tatsächlich staatliche Abgaben und Lasten wie beispielsweise die sogenannte EEG-Umlage (Erneuerbare Energien Gesetz) und die KWK-Umlage (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz). Der Verbraucher müsse tatsächlich für die Energiewende zahlen.

Energieberater würden Gerhard Schneider heutzutage sicherlich keine Nachtspeicherheizung mehr empfehlen, weil es günstigere Heizmöglichkeiten gibt. Dennoch rät Verena Huber dem Beseritzer, sich an den Eon-Kundenservice zu wenden, um sich über einen möglicherweise günstigeren Tarif abzustimmen.