Bucharer Lesekreis:

Neben schwerer darfs auch mal leichte Kost sein

Das Prinzip des Bucharer Lesekreises funktioniert wie das aus dem Fernsehen bekannte Literarische Quartett mit Chef-Kritiker Marcel Reich-Ranicki.

Nur, dass es keinen Chef-Kritiker gibt und auch kein Quartett. Denn meist kommen zu den monatlichen Treffen im Hause Schramm in Buchar zwischen sechs und zehn Freunde und Bekannte. Und noch etwas ist anders als im Fernsehen: "Uns interessiert nicht, uns und unsere Gedanken anderen zu präsentieren", sagt Heike Schramm, und Dörte Holtmeier fügt hinzu: "Es macht ganz einfach mehr Spaß, ein Buch zu lesen, wenn man weiß, dass man anschließend darüber sprechen soll." Also lesen sie seit April 1999 fast jeden Monat ein Buch, das einer der Lesekreis-Teilnehmer vorschlägt. Die Abenteuer des Werner Holt von Dieter Noll war dabei, der Schimmelreiter von Theodor Storm, Uwe Johnson, oder Phillip Roth, um nur die bekannteren Namen zu nennen.

Nur zwei Bedingungen gibt es für die Auswahl: Das Buch sollte nicht mehr als 200 Seiten haben, damit jeder schafft, es zu Ende zu lesen, auch wenn die Zeit mal knapp ist. Und: alle müssen mit dem Vorschlag einverstanden sein. Da kann Dieter Bohlen genauso durchfallen wie Heinrich Heine, erinnern sich Heike Schramm und Dörte Holtmeier. Dabei lese die Gruppe "auch mal nicht so Wertvolles. Man isst ja auch mal bei McDonalds", sagt die Sarowerin. Allerdings sei die Entscheidung gegen Dieter Bohlen einhellig gefallen.

Zu den Lesekreis-Teilnehmern gehören Frauen und Männer verschiedener Berufe, Zugereiste wie Einheimische. "Die meisten sind um die 40 Jahre so wie wir, manche aber auch jünger oder über 60", sagt Heike Schramm. Alle gemeinsam gehen sie mittlerweile auch oft mit einer Aufgabe ans Lesen. Da arbeitet der Vorschlagende schon mal Fragen aus, die er beim nächsten Lesekreis beantwortet wissen will. "Das ist ein bisschen wie Schule, aber die ist bei uns ja lange her und deshalb macht das auch mal Spaß", sagt Heike Schramm.

Am schönsten finden es die beiden Frauen aber, wenn sie mit ihren Freunden und Bekannten über ein Buch oder Figuren streiten. Dabei könnten sie sehr schön die verschiedenen Seiten einer Figur herausarbeiten und auch mal die eigene Sichtweise ändern, sagen sie. So lasse sich noch mehr in einer Geschichte entdecken. Allerdings geht natürlich jeder Lesekreis-Abend einmal zu Ende. "Aus Vernunftgründen", wie Dörte Holtmeier sagt, meist nach zwei oder drei Stunden. Schließlich finden die Treffen mitten in der Woche statt und am nächsten Tag wartet die Arbeit.

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