Die schwierige Suche nach einer Toilette:

Not mit der Notdurft treibt Menschen unter die Brücke

Was tun, wenn am Busbahnhof schlimm die Blase drückt? Nach deprimierenden Erfahrungen einer Neubrandenburger Seniorin unternimmt der Nordkurier samt "Versuchskaninchen" den Selbstversuch.

Riesengroßer Stadtplan am Busbahnhof, das "Versuchskaninchen" studiert die Karte: Gibt es hier vielleicht einen Hinweis auf eine Toilette? Nein, Fehlanzeige.
H. Nieswandt Riesengroßer Stadtplan am Busbahnhof, das "Versuchskaninchen" studiert die Karte: Gibt es hier vielleicht einen Hinweis auf eine Toilette? Nein, Fehlanzeige.

"Die Not war so groß, ich konnte nicht mehr anders, was sollte ich denn tun", sah Sonja Thümmel verzweifelt keinen anderen Ausweg. Die 67-Jährige wollte am Neubrandenburger Busbahnhof ihre Enkelin abholen, die zu Besuch kam. Während Sonja Thümmel auf den Bus wartete, plagte sie der Drang zur Toilette immer heftiger. Schließlich versteckte sich die Neubrandenburgerin unter der Fußgängerbrücke - um abzuwenden, dass ein kleines Unglück passiert. "Keine Toilette weit und breit und nirgends ein Hinweis darauf. Unsere Stadt kann für Millionen das Haus der Kultur und Bildung total schick machen. Aber für die einfachsten Bedürfnisse reicht es nicht", schimpft Sonja Thümmel.

Gaststätte ist kaum eine Alternative

Gibt es rund um den Busbahnhof wirklich keine Alternative in höchster Not? Der Nordkurier nimmt ein "Versuchskaninchen" mit und untersucht das. Am Busbahnhof steht ein riesengroßer Stadtplan, gibt es dort einen Hinweis auf ein stilles Örtchen? Fehlanzeige. Wer es schafft, läuft zum Kundenzentrum am Rande der Bussteige. Dort die freundliche Auskunft: In der Gaststätte "Grillfrisch", rund 200 Meter weiter im Bahnhofsgebäude, darf man die Toilette benutzen. Kostet 50 Cent, klar, der Inhaber hat ja Aufwendungen. Nicht deswegen, aber weil Bahn und Stadt nichts auf die Reihe kriegen, lassen viele Leute beim Personal ihren Frust ab, erzählt einer der Mitarbeiter. Hinzu kommt: Die Gaststätte hat von 8 bis 17 Uhr geöffnet, davor und danach ist auch die Toilette dicht.

Gerichtsgebäude geht - aber wer geht da hin?

Im Gerichtsgebäude darf man auch, hörte der Nordkurier. Er traut sich samt "Versuchskaninchen" in das hohe Haus, ungefähr 400 Meter in die andere Richtung. Die Dame am Eingang beantwortet die "Toilettenfrage" sehr freundlich: "Natürlich dürfen sie das, wir sind ja ein öffentliches Gebäude." Problem gelöst. Aber wer kommt am Busbahnhof darauf, zum Gericht zu spurten, wenn er mal muss? Zumal die meisten Leute um diesen Ort vor lauter Respekt wohl eher einen Bogen machen. 

"Als Ausweichvariante nutzen dann einige den Platz unter der Brücke. Dort stinkt es inzwischen schon zum Himmel." So lassen sich die Zustände unter der Brücke kurz und bündig zusammenfassen. Wohl für immer. Denn bei den beiden Sätzen handelt es sich um ein Zitat aus einem Nordkurier-Artikel vom 16. August 2008. Obwohl es die "Vorfahren" damals vergleichsweise besser hatten. Denn es gab noch die öffentliche Toilette auf dem Gelände des Busbahnhofes, die die Stadt bewirtschaftete. Und das Toilettenhäuschen in der Glinekestraße, das in diesem Jahr der Abrissbirne zum Opfer fiel.

Erst einmal im Netz schauen?

Und was nun sagt die Stadt dazu? Sie zitiert den Nordkurier vom 19. November dieses Jahres: "Für das dringende Bedürfnis stehen in Neubrandenburg mittlerweile zwölf öffentliche Toiletten zur Verfügung – ein Spitzenwert in der Region. Für die Örtchensuche in Neubrandenburg gibt es sogar eine eigene Internetadresse: www.citywc-nb.de". Das ist vorbildlich und erfreulich. Aber: Wen die Blase ausgerechnet auf dem Busbahnhof oder nach 17 Uhr auf dem Bahnhof heftig drückt, der schafft es zu all den anderen ziemlich weit entfernten Erleichterungsmöglichkeiten auch im Laufschritt nicht.

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Kommentare (1)

Das ist doch mal eine Einladung an alle Bus reisende. Wozu ein WC am Busbahnhof betreiben, wenn es auch im freien geht. Es ist doch eine Schande für einen Stadt wenn man so Reisende empfängt. Und da nützen auch die anderen WC nicht, so mal sie sich in der Innenstadt befinden. Auf jedenfalls gehört die Sache in die Stadtvertretung, auch dafür haben wir ja diese mal gewählt.