Treffpunkt für Chöre aus ganz MV:

Nur Glockenklang hält Sangesfreude auf

Gut 1500 Sänger aus dem ganzen Land brachten einen ganzen Tag lang die Viertorestadt zum Klingen. Und auch junge Musikerinnen bewiesen, wie vielfältig ein solcher Wettbewerb sein kann.

Die Turmvokalisten aus der Gastgeberstadt eröffneten das Programm auf der Freilichtbühne.
Susanne Schulz Die Turmvokalisten aus der Gastgeberstadt eröffneten das Programm auf der Freilichtbühne.

Es gibt Tage, da hat Neubrandenburg so richtig Festival-Atmosphäre. Eben noch ist die Stadt voller junger Leute, die sich als Mitmacher der landesweiten Wettbewerbe zum Jugendmedienfest zu erkennen geben; einen Tag später künden Grüppchen mit roten Blusen, lila Shirts oder notengemusterten Schals von Gleichgesinnten anderer Art: Es ist Chorfest in der Viertorestadt, genauer: ein Landeschorfest, zu dem sich gut 30 sangesfreudige Ensembles mit rund 1500 Mitgliedern aus Demmin, Penzlin, Waren und Neustrelitz, aber auch aus Greifswald und Schmarl, Güstrow und Schwerin auf den Weg gemacht haben, um in und neben der Konzertkirche einen ganzen Tag lang für Sang und Klang zu sorgen.

Alle Jahre wieder richtet der Chorverband des Landes ein solches Fest aus. Zum 25. Verbandsjubiläum erneut Gastgeber zu sein – zuletzt war das vor fünf Jahren der Fall –, gereicht den Gastgebern zur besonderen Ehre. Das war auch für die einheimischen Turmvokalisten ein Grund mehr, sich am Programm zu beteiligen, berichtet Sänger Bernhard Kubis. Der Chor – dessen Name dem HKB-Turm entlehnt ist, wo sich früher der Probenraum befand – hatte das Programm auf der Freilichtbühne neben der Konzertkirche eröffnen dürfen. Allerdings mit gewisser Verspätung: Die Zeitplaner hatten das zehnminütige Glockenläuten zur Mittagsstunde nicht bedacht.

Exotische Rhythmen treffen auf Shanty-Lieder

Auftritte im Freien wiederum sind die Sänger gewohnt, erzählt Kubis. Am Chorfest erfreut sie aber nicht nur die Gelegenheit zu eigener Präsentation, sondern auch die Begegnung mit anderen Ensembles und so manche Anregung, was Chormusik alles sein kann.

So weltoffen zum Beispiel wie beim Frauenchor aus der Walpurgisstadt Penzlin, der ein Hexenlogo auf den lila T-Shirts trägt und unter anderem mitreißende exotische Rhythmen im Programm hat. So heimatverbunden wie beim Neustrelitzer Frauenchor, der dem Weltnaturerbe der Serrahner Buchenwälder mit einem Programm aus Baum-Liedern huldigt. So herausfordernd wie beim Schmarler Volkschor, der das Publikum auf der großen Wiese zum Kanon-Singen ermuntert. Oder so traditionsbewusst wie der Männerchor Röbel, der in diesem Jahr schon sein 160-jähriges Bestehen feierte. Neben der Spezialität Shantys haben die stimmgewaltigen Herren unter anderem plattdeutsche Lieder im Repertoire, um die sympathische norddeutsche Mundart nicht aussterben zu lassen. Sänger-Nachwuchs wiederum ist bei vielen Chören dünn gesät.

Finalisten treten beim „Nordlichtzauber" auf

Dass jungen Leuten das Singen und Musikmachen aber durchaus nicht abhandenkommt, bewies am Chorfest-Abend auf der Chorfest-Bühne noch der Wettbewerb um den T.O.N.I. Talent Award, den der Neubrandenburger Verein T.O.N.I. gemeinsam mit dem Landkreis Seenplatte, der Firma Music Town und dem NB Radiotreff ausrichtete. Drei Finalisten, ausgewählt unter mehr als 40 Bewerbern aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, stellten sich auf der großen Bühne dem Publikum und der Fachjury.

„Es war ein durchweg chilliger Abend“, erklärt Juror Andy Krüger, Frontmann der Neubrandenburger Band Melotron, was besonders die Siegerband ausmachte: Mit Gesang und zwei Akustikgitarren sowie exzellentem Zusammenspiel setzte sich die Neustrelitzer Mädchenband „MiRegal“ durch. Und weil dahinter die Entscheidung gar zu schwer fiel, bekamen die Solo-Sängerinnen Michelle Vorpahl und Isabelle Posner, beide aus Neubrandenburg, jeweils einen zweiten Platz. Gewonnen haben sie sowieso alle: Sämtliche Finalistinnen wurden prompt von den Veranstaltern des Neubrandenburger „Nordlichtzaubers“ eingeladen, bei der Veranstaltung Anfang August am Tollensesee aufzutreten.

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