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Ostsee-Windparks gefährden Schweinswale

VonRalph SommerDer Schweinswal ist in fast allen Gebieten der Ostsee heimisch. Das haben Wissenschaftler jetzt erstmals nachgewiesen. Experten leiten aus ...

Schweinswale sind die mit Abstand häufigsten Wale in der Nord- und Ostsee, der Bestand ist jedoch rückläufig. Deshalb fordern Wissenschaftler jetzt verschärfte Schutzmaßnahmen.  FOTO: Wolfgang Runge

VonRalph Sommer

Der Schweinswal ist in fast allen Gebieten der Ostsee heimisch. Das haben Wissenschaftler jetzt erstmals nachgewiesen. Experten leiten aus diesem Fakt neue, schärfere Schutzmaßnahmen für die Tiere ab. Das betrifft auch den Bau der geplanten Offshore-Windparks.

Göteborg.Zwei Jahre nach der Installation des internationalen Überwachungssystems SAMBAH für Schweinswale in der Ostsee setzen sich Walforscher für einen verstärkten Schutz der Meeressäuger beim Bau neuer Offshore-Windparks ein. Auf einem Treffen mit Vertretern von Bau- und Energiekonzernen wollen die Spezialisten aus allen Ostseeanrainerstaaten heute im schwedischen Göteborg vor allem die Anwendung schallmindernder Verfahren einfordern, wie das Ozeaneum Stralsund als deutscher Projektpartner mitteilte. Zudem sollen Vorschläge unterbreitet werden, wie schädliche Auswirkungen der Fischerei, der Berufs- und Freizeitschifffahrt sowie der Öl- und Gasförderung minimiert werden könnten.
Konkret soll bei der in diesem Sommer beginnenden Errichtung des Windparks „Baltic 2“ etwa 30 Kilometer vor Rügen das saisonal stark unterschiedlich ausgeprägte Vorkommen der lärmempfindlichen Tiere berücksichtigt werden. Unterwasserlärm verursachende Bauarbeiten sollten nur dann stattfinden, wenn sich nachweislich dort wenige Wale aufhielten, sagte der Stralsunder Bioakustiker Jens Koblitz.
Vergangene Woche hatten die Experten auf der 27. Jahreskonferenz der Europäischen Walforscher im portugiesischen Setubal erste Ergebnisse des in diesem Jahr auslaufenden SAMBAH-Projektes vorgestellt. Unter anderem wiesen sie erstmals nach, dass der Schweinswal in fast allen Gebieten der Ostsee heimisch ist.
Insgesamt wurden die Bewegungen der Wale mit 300 in der gesamten Ostsee verteilten Messstationen aufgezeichnet. Die Echoortungen der Hydrofone hatten aber auch gezeigt, dass sich die Tiere am häufigsten in der südlichen Ostsee aufhalten. Auch in den flacheren Gewässern südlich von Gotland registrierten die Forscher viele Tiere. Der nördlichste Nachweis stammt aus finnischen Meeresgebieten.
„Nachdem jetzt Schweinswale für fast alle Gebiete der Ostsee nachgewiesen wurden, sollen in den kommenden zwei Jahren detaillierte Verbreitungskarten erstellt werden“, sagte Koblitz. Zugleich würden die Bestandsgrößen geschätzt und mögliche Auswirkungen menschlichen Handelns und anderer Einflussfaktoren auf den Lebensraum beurteilt. Zum vorerst letzten Mal werden im Mai die Messstationen aus der Ostsee geborgen und ausgewertet.