Geschichtsträchtiger Ort:

Park Alt Rehse mit Nazi-Ärzteschule hat neuen Eigentümer

Neue Runde für die frühere „Führerschule der deutschen Ärzteschaft“ samt Park in Alt Rehse. Der bisherige Besitzer hat das mehr als 60 Hektar große, geschichtsträchtige Anwesen verkauft.  

Das Dorf Alt Rehse galt als NS-Musterdorf.
Winfried Wagner Das Dorf Alt Rehse galt als NS-Musterdorf.

Der Park Alt Rehse mit der ehemaligen „NS-Führerschule der deutschen Ärzteschaft“ hat neue Eigentümer. Der bisherige Besitzer, ein Immobilienkaufmann aus Bayern, hat das Areal verkauft, wie Sven Flechner als Bürgermeister von Penzlin - dazu gehört Alt Rehse - sagte. Erwerber seien ein Unternehmer aus Berlin und eine Unternehmerin aus Bayern. Sie wollten das mehr als 60 Hektar große und größtenteils denkmalgeschützte Areal am Tollensesee touristisch nutzen. Zum Kaufpreis gab es zunächst keine Angaben.

Das Dorf Alt Rehse war ab 1935 als NS-Musterdorf mit reetgedeckten Backstein-Fachwerkhäusern erbaut worden. Um die Nutzung des Parks wird auch wegen der Vergangenheit in der Zeit des Nationalsozialismus seit rund 20 Jahren gestritten.

Schiffsanleger soll zugänglich sein

„Uns ist vor allem wichtig, dass es einen öffentlichen Zugang zum Schiffsanleger am Tollensesee gibt“, sagte Flechner. Der Weg zum Anleger am See verlief bisher durch den Park. Das hätten die neuen Eigentümer auch zugesagt. Derzeit ist das Haupttor aber geschlossen. Der Zugang verläuft nach Flechners Angaben über einen Seiteneingang.

In dem Park stehen zahlreiche Gebäude, die in der NS-Zeit der Schulung Hunderter Ärzte und Hebammen dienten. Nach dem Krieg war hier zeitweise ein Kinderauffanglager, später nutzten die Nationale Volksarmee (NVA) und von 1990 bis 1998 die Bundeswehr das idyllische Gelände. Der Bund verkaufte den Park samt Gebäuden später an den Immobilienunternehmer Gerd Preissing aus München.

Alternatives Gesellschaftskonzept endete vor Gericht

Für besonderes Aufsehen sorgte 2006 der Versuch von Pächtern, einen „Tollense-Lebenspark“ dort einzurichten. Dieser sollte ein „Gegenentwurf zur bestehenden finanzkapitalistischen Gesellschaft“ sein. Der Initiator animierte viele Menschen, ihm Bürgschaften für einen Kredit über 300 000 Euro zu geben. Viele Mitbewohner brachten auch Geld in das Vorhaben ein.

Wegen Finanzproblemen fälschte der Initiator 2010 sieben Bürgschaftsunterschriften, wie er später vor Gericht gestand. Dafür wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Die „gesellschaftskritische Gemeinschaft“ brach 2011 auseinander. Der Park fiel 2015 an Preissing zurück, der zunächst selbst dort aktiv werden wollte.

Die neuen Eigentümer wollten ihre Pläne demnächst in Penzlin vorstellen, hieß es. An die nationalsozialistische Zeit und die Folgen der damaligen Gesundheitspolitik erinnert ein Verein in einer Dauerausstellung außerhalb des Parkgeländes in Alt Rehse. Dort soll auch eine Begegnungsstätte entstehen.

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