Rechtextremismus-Ausstellung:

Perfide Methoden und nicht immer aggressiv

Über rechtsradikale Organisationen kann nicht genug Aufklärungsarbeit geleistet werden. Davon ist man an der Beruflichen Schule Wirtschaft und Verwaltung Neubrandenburg überzeugt und zeigt eine Ausstellung zum Thema.

Günther Hoffmann vor den Plakaten der Ausstellung
Marcel May Günther Hoffmann vor den Plakaten der Ausstellung

Erkennt man rechte Gesinnung immer noch an der Kleidung? Als Günther Hoffmann Ende der 90er Jahre nach Mecklenburg-Vorpommern zieht und seine kleine Tochter einschult, bemerkt er auf dem Schulhof seltsam gekleidete Jugendliche. Viele tragen Bomberjacken, Springerstiefel, haben sich Glatzen rasiert. „Ich dachte, mich trifft der Schlag. Waren das alles Neonazis?“ Hoffmann merkt zwar, dass sich auch nicht-rechte Jugendliche militaristisch kleiden, um sich dem damaligen Modehabitus anzupassen. Aber Hoffmanns Interesse, Rechtsextremismus aufzudecken und zu bekämpfen, ist geweckt.

Seitdem untersucht der frühere Oberbayer die rechtsradikale Jugendszene in Mecklenburg-Vorpommern, hält Vorträge, sammelt Informationen.

Schülern der Neubrandenburger Fachoberschule erklärt er nun die perfiden Methoden, zum Beispiel von Jugendorganisationen wie Heimatbund Vorpommern, Jungsturm Pommern. „Scheinbar haben diese rechtsextremen Bünde eine positive Wirkung auf die Jugendlichen. Längst sind das keine bildungsfernen Schläger mehr, denn die Vereine legen Wert auf Disziplin. Ein schlechter Schüler entwickelt sich durch die forcierte Bildungspolitik zu einem geachteten, beliebten und höflichen Einser-Schüler. Da ist es sehr schwierig, den Eltern klar zu machen: Die Organisation besteht aus Nazis.“

Rechtsextreme Einstellungen müssten sich nicht immer aggressiv zeigen. Gefährlich seien auch die Menschen, die still ein ideologisch gefestigtes Weltbild vertreten, aber ansonsten nicht auffällig werden. Außenstehende könnten sie oft nicht als Rassisten erkennen und tolerierten ihre Lebensweise. So sagte auch eine der Berufsschülerinnen, sie kenne an der Schule selbst zwar keine rechtsgerichteten Mitschüler, privat aber schon. Mit ihnen habe sie keine Probleme, schließlich seien sie nicht aggressiv. Die ausländerfeindliche Einstellung aber bleibt, wenn sie nicht immer wieder kritisch thematisiert wird.

Um sich selbst über Rechtsextremismus zu informieren, können Schüler, Auszubildende oder andere Interessierte noch bis zum 11. Oktober die Ausstellung „Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Aula der Beruflichen Schule Wirtschaft und Verwaltung Neubrandenburg in der Rasgrader Straße besuchen.

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Kommentare (1)

Demokratie stärken, ja! Gegen Rechtsradikalimus, ja! Alle schön und gut, aber warum werden andere radikalen Gruppen außen vor gelassen? Der stetig steigende Linksradikalismus wird wieder verschwiegen und wenn erwähnt, verharmlost! Auch der religiöse Radikalismus muss auf seinen Vormarsch durch ehrliche, schonungslose Aufklärung bekämpft werden! Menschenfeindliche Ideologien und Gewalt finden sich nicht nur unter den Rechten, aber das ignoriert man gerne!