Zurück im Leben:

Pien kann wieder strahlen

Die Geschichte der kleinen Pien aus Quastenberg hat viele Menschen in der Region berührt. Das Mädchen ist nach einem schweren Unfall halbseitig gelähmt. Ein Therapiehund sollte ihr ein Stück Selbstständigkeit geben. Doch der war teuer. Der Nordkurier hatte deshalb eine Spendenaktion ins Leben gerufen, die eine unglaubliche Resonanz fand. Zwei Jahre sind seitdem vergangen.

Zwei Jahre sind vergangen, seitdem der Nordkurier eine Spendenaktion gestartet hatte, damit Pien einen Therapiehund bekommen kann. Mia und Pien waren vor dem Unfall befreundet und sind es immer noch.
Anett Seidel Zwei Jahre sind vergangen, seitdem der Nordkurier eine Spendenaktion gestartet hatte, damit Pien einen Therapiehund bekommen kann. Mia und Pien waren vor dem Unfall befreundet und sind es immer noch.

Pien ist ein großes Mädchen. Sie hat eine neue Schädeldecke und lange Haare bedecken einen Teil der Narben. Neu ist auch die Brille. Ihre schokoladenbraunen Augen glänzen. Ihrem strahlenden Lächeln kann sich kein Besucher entziehen.

Und: Sie kommt einem entgegen gelaufen. Das ist für Pien keine Selbstverständlichkeit. Vor dreieinhalb Jahren wurde ein Tag im Sommer zu einem der dunkelsten im Leben der Familie Abrahams aus Quastenberg (Burg Stargard). Beim Spielen war Pien zwischen Auto und Anhänger geraten, wurde einige Meter mitgeschleift und kam mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma auf die Intensivstation des Klinikums. Die Ärzte kämpften mit mehreren Operationen um das Leben der damals Sechsjährigen. Wochenlang bangten die Eltern und Geschwister anschließend am Bett Piens um das Leben des kleinen Mädchens.

Unglaubliche Resonanz auf Spendenaktion

Heute ist sie zehn Jahre alt. Ihr linker Arm steckt bis zur Schulter in einer speziellen Halterung und an ihrem Gang sind die Folgen des Unfalls zu erkennen. Die halbseitige Lähmung ist geblieben. Auch die Narben am Kopf und die dünne Haut über der neuen Schädeldecke erinnern noch an die schwere Zeit. „Wir sind damals davon ausgegangen, dass Pien im Rollstuhl sitzen wird“, sagt Mutter Geerteke Abrahams.

Mit einem Therapiehund sollte Pien ein Stück Selbstständigkeit zurück erlangen. Der Vierbeiner sollte beim Anziehen helfen, Sachen hoch heben und Türen öffnen. 25 000 Euro sollte der Spezial-Hund kosten. Geld, dass die sechsköpfige Familie, die in Quastenberg die Milchhof Burg Stargard GmbH betreibt, nicht hatte. Der Nordkurier und der Verein Rehahunde Deutschland initiierten daraufhin eine Spendenaktion mit unglaublicher Resonanz. Innerhalb von nur drei Monaten war das Geld zusammen.

Nun hat Pien ihren Hund Juli an der Seite. Der muss allerdings gar nicht so viel können. Denn Pien ist inzwischen viel selbstständiger als je erwartet werden konnte. Sie steht morgens 5.30 Uhr auf und hält schon den Ball bereit, wenn Juli vor die Tür muss. Sie putzt sich die Zähne, zieht sich an und kämmt sich die Haare. Nur mit dem Zopfmachen will es noch nicht klappen. Therapiehund Juli tut vor allem der Psyche des Mädchens gut. „Sicher hat Pien auch Freunde, aber sie kommt nicht überall hinterher“, beschreibt Geerteke Abrahams. Dann ist Juli an ihrer Seite. 

"Der Unfall steht nicht mehr im Vordergrund"

Die Burg Stargarderin lernt in der zweiten Klasse der Körperbehindertenschule in Neubrandenburg und möchte einen ganz normalen Grundschulabschluss  erreichen. Sie hat Schreiben und Lesen gelernt und täglich ein volles Programm. Pien ist Schwimmerin geworden und hat sogar schon an Wettkämpfen teilgenommen. Sie geht einmal die Woche ins Mosaik-Kunsthaus mit ihrer Freundin Mia, mit der sie schon vor dem Unfall befreundet war. Und wenn das Wetter wieder besser wird, steigt Pien auch wieder aufs Pferd.

Familie Abrahams ist froh, dass der Alltag „normal“ geworden ist. In der Schule sei alles perfekt. Dreimal die Woche stehen Ergo- und Physiotherapie und Logopädie auf dem Plan. Und auch bei Kinderärztin Monika Furth, die die Idee mit dem Therapiehund hatte, stellen sich die Abrahams regelmäßig vor. Sie brauchen immer wieder Rezepte für Spezialanfertigung für Schuhe oder Schulter. „Das ist der Alltag, aber der Unfall steht nicht mehr im Vordergrund“, freut sich Geerteke Abrahams.

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