Wie lange bleibt der Schandfleck noch?:

Pläne für Einkaufszentrum vor dem Aus

Eine Wendung um 180 Grad: Anders als ihre Vorgänger haben sich die neuen Mitglieder des Neubrandenburger Stadtentwicklungsausschusses gegen die Bebauung auf dem Lindenberg mit einem Einkaufszentrum entschieden. Der Investor droht nun mit einer Millionenklage.

Wo die alte Schule auf dem Neubrandenburger Lindenberg vor sich hin rottet, will ein Investor ein kleines Einkaufszentrum mit Netto-Markt, Bäcker, Drogerie, Apotheke und Bistro errichten. Die Mietverträge sind schon unterschrieben.
Andreas Segeth Wo die alte Schule auf dem Neubrandenburger Lindenberg vor sich hin rottet, will ein Investor ein kleines Einkaufszentrum mit Netto-Markt, Bäcker, Drogerie, Apotheke und Bistro errichten. Die Mietverträge sind schon unterschrieben.

Große Überraschung im Neubrandenburger Stadtentwicklungsausschuss: Bei seiner ersten Sitzung nach der jüngsten Kommunalwahl haben sich die neuen Mitglieder gegen die Pläne des Investors Peter Gerstenberg ausgesprochen, auf dem Lindenberg die alte Schule abzureißen und dort ein kleines Einkaufszentrum zu errichten. Laut Informationen des Nordkurier haben die frisch gebackenen Kommunalpolitiker im nicht öffentlichen Teil der Sitzung mehrheitlich dafür votiert, dort von der Verwaltung lieber die Ansiedlung von Wohnungsbau prüfen zu lassen. Dem war eine Einführung ins Thema durch Verwaltungsmitarbeiter vorausgegangen.

Am Anfang der Sitzung hatte es nicht nach dieser Entscheidung ausgesehen: Der Ausschussvorsitzende Marco Messner (CDU) überreichte an Frank Renner, im Rathaus der Abteilungsleiter für Stadtentwicklung, eine Liste mit 216 Unterschriften von Bürgern, die sich für den Bau des Einkaufszentrums aussprechen. Diese hatte Uto Großer, ein Bewohner des Lindenbergs, innerhalb von zwei Tagen in der Eichenstraße gesammelt. Bis Ende der Woche werden mindestens noch einmal so viele Unterschriften von anderen Sammlern dazu kommen, sagte Uto Großer. Diese Listen sollen dann dem Oberbürgermeister übergeben werden. Großer hat für die neueste Entscheidung kein Verständnis. Auf dem Lindenberg wohnen viele alte Leute mit kleiner Rente. Denen könne man nicht zumuten, zum „Netto“ in die Lindenstraße oder zum Bethaniencenter zu laufen. Auch die regelmäßige Busfahrt sei für viele zu teuer.

Investor prüft Schadenersatzklage

Aus dem Ausschuss selbst gibt es keine Stellungnahme, weil das Thema im nicht öffentlichen Teil behandelt wurde. Auch in der Stadtverwaltung selbst will man sich dazu nicht äußern - aus gleichem Grund. SPD-Fraktionschef Roman Oppermann erklärt aber auf Nachfrage, dass man sich vorab in seiner Fraktion dazu verständigt habe und mit einem neuen Einkaufszentrum in der Kirschenallee Gefahren für bestehende Handelsstandorte in der Nachbarschaft sehe.

Diese Haltung widerspricht allerdings einem Gutachten, das seit diesem Mai vorliegt: Darin wird die Vereinbarkeit der neuen Pläne mit dem restlichen Einzelhandel der Stadt festgestellt. Die Verwaltung dürfte dies eigentlich nicht ignorieren, denn der Ersteller hatte auch auch das komplette Einzelhandelskonzept für die Stadt erarbeitet.

Investor Peter Gerstenberg von der PMC Consulting reagierte überrascht. Immerhin habe er Zusagen gehabt, auf die er sich verlassen habe. Sollte die Stadt an dieser Haltung festhalten, werde er sie auf Schadensersatz verklagen. Addiere er bereits vorgenommene Aufwendungen für die Planungen mit dem entgangenen Gewinn, komme er auf eine Summe von mehr als einer Million Euro. Rechne er einen möglichen Schadensersatz für das gescheiterte Projekt Neutorcarree hinzu, käme eine Forderung von mehr als zwei Millionen Euro zusammen. Auch hier sieht er die Schuld für das Scheitern des Projektes bei der Stadt. Diese habe nicht konsequent genug geholfen, die fehlenden Grundstücksteile bereitzustellen.

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Kommentare (1)

... die Herren und Damen Stadtvertreter übernehmen. Das kann doch wohl nicht war sein. Was habe ich nur für Profis ins Parlament gewählt!? Es tut mir Leid liebe Bewohner des Lindenbergs