Trotz Befangenheitsantrag:

Prozess gegen früheren SS-Sanitäter geht weiter

Anfang dieser Woche erschien Hubert Z. erstmals vor Gericht. Er muss sich wegen Beihilfe zum Mord in über 3600 Fällen verantworten. Doch zum Prozessauftakt wurde Richter Klaus Kabisch Befangenheit vorgeworfen. Über diesen Antrag soll schnell entschieden werden.

Der 95 Jahre alte Angeklagte wurde mit einem Rollstuhl in das Landgericht Neubrandenburg gebracht.
Bernd Wüstneck Der 95 Jahre alte Angeklagte wurde mit einem Rollstuhl in das Landgericht Neubrandenburg gebracht.

Der Prozess am Landgericht Neubrandenburg gegen den früheren SS-Sanitäter Hubert Z. aus dem Konzentrationslager Auschwitz soll ungeachtet der Befangenheitsanträge am Montag fortgesetzt werden. Bis dahin werde über einen Antrag gegen den Vorsitzenden Richter Klaus Kabisch entschieden, sagte ein Sprecher des Gerichtes am Donnerstag. Werde der Antrag abgelehnt, bleibe Kabisch Vorsitzender der Schwurgerichtskammer. Wenn dem Antrag entsprochen würde, müsste ein Richter einer Vertretungskammer nachrücken, aber der Prozess könne weiterlaufen.

Staatsanwaltschaft und Nebenkläger werfen Kabisch vor, "nicht neutral und unparteiisch zu agieren" und zu sehr auf eine angeblich stark eingeschränkte Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten einzugehen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 95 Jahre alten Angeklagten Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vor. Dabei geht es um einen Monat im Spätsommer 1944, als der SS-Sanitäter im KZ Auschwitz-Birkenau arbeitete. In der Zeit kamen 14 Deportationszüge dort an, mindestens 3681 Menschen aus den Zügen wurden in Gaskammern getötet. Der betagte Rentner war aus gesundheitlichen Gründen mehrfach nicht vor Gericht erschienen. Erst am vergangenen Montag kam der 95-Jährige im Rollstuhl zur Verhandlung, die aber wegen zu hohen Blutdrucks des Angeklagten nach etwa zweieinhalb Stunden unterbrochen werden musste.

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