Senioren eindeutig:

Radfahrer auf Boulevard nicht willkommen

Einhellige Ablehnung: Die Mitglieder der Senioren-Union wenden sich gegen die Freigabe der Turmstraße für die Pedalritter.

Gerade wird der Weberglockenmarkt in der Turmstraße aufgebaut, da ist es besonders eng - und besonders wichtig, dass die Radfahrer absteigen.
Hartmut Nieswandt Gerade wird der Weberglockenmarkt in der Turmstraße aufgebaut, da ist es besonders eng - und besonders wichtig, dass die Radfahrer absteigen.

Das ist eindeutig: „Auf keinen Fall darf die Turmstraße in Neubrandenburg freigegeben werden für die Radfahrer. Darüber sind wir uns fast einhundertprozentig einig“, erklärte Otto Schulz, Vorsitzender der Neubrandenburger Senioren-Union. Menschen, die in der Bewegung und im Hören eingeschränkt sind, fühlen sich in der Fußgängerzone wohl und sicher. Und diese Sicherheit dürfe ihnen nicht durch Radfahrer genommen werden,  forderte Otto Schulz im Namen der Senioren-Union.

Vize-Oberbürgermeister Peter Modemann als Gast der Veranstaltung hatte berichtet, dass „die Grünen den Boulevard ganz frei haben wollen für die Radfahrer“. Diese Mitteilung löste ablehnende und empörte Reaktionen aus.

Kopfschütteln provozierte auch die Information, dass es in den drei Fußgängerzonen der Stadt jährlich hunderte Verstöße zum Beispiel gegen das Parkverbot gebe. Das betreffe unter anderem auch die Treptower Straße am Marktplatz Center. Es mache Sinn, dort eine Schranke zu installieren, um die Fußgängerzone abzusperren. Auch, um Autofahrern zu verdeutlichen, dass sie dort mit ihrem Fahrzeug nichts zu suchen haben, sagte Peter Modemann. Auch dieser Vorschlag gefiel den Mitgliedern der Senioren-Union.

Kommentare (4)

Hat Herr Modemann denn in der Veranstaltung die Wahnsinnsidee der Stadt, Busse über den Boulevard fahren zu lassen, angebracht? Vermutlich hätten sie ihn nach seinen "Horrormeldungen" gegrillt. ;-) Man kann Herrn Modemann nur empfehlen einfach mal an einem beliebigen Wochentag mit dem Rad ein paar Runden durch die Innenstadt zu fahren. Und überhaupt, warum nicht gleich alle Einfahrten vom Ring mit Schranken ausstatten, dann jedenfalls können auch die Stadtbusse die geplanten seltsamen Innenstadtrunden so fahren, dass jedes wirklich jedes Sicherheitsinteresse gewahrt ist.

Bei allem Respekt vor den Sorgen, Nöten und Befürchtungen der Senioren-Union (nebenbei, ich bin auch Rentner) geht das ganze Gerede über PRO und KONTRA des Radfahrens in der Fußgängerzone Turmstraße jetzt langsam in die alberne Phase über. Seit Jahren wird über dieses Thema polemisiert, je nach Stimmungslage in der Bevölkerung werden Polizeikontrollen angeordnet, da wurden vorn und hinten Schilder hingestellt, die vor allem für Fahrradtouristen ein beliebtes Fotomotiv waren (jetzt nicht mehr, der Hintergrund ist inzwischen unansehnlich und dreckig) und z.Z. haben sich die Grünen einschließlich des ADFC dieses Thema zur Lebensaufgabe gemacht. Wenn man nach all den Jahren eine Zwischenbilanz zieht und sich die Frage stellt, was sich denn bisher an der Situation geändert hat, dann lautet die Antwort klar und eindeutig – NICHTS. Und dabei deutet sich schon das nächste Horrorszenarium an. Vor kurzem war in der Lokalpresse zu lesen, dass im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte (Feldberg) zur Freude der Touristen Segways (Segway Personal Transporter ist ein elektrisch angetriebenes Einpersonen-Transportmittel mit nur zwei auf derselben Achse liegenden Rädern) gesichtet wurden. Nun stelle man sich vor, diese Segways finden irgendwann auch einmal den Weg bis in die Kreisstadt Neubrandenburg. Unvorstellbar. Ich sehe jetzt schon die Schlagzeilen in der Presse vor meinen Augen: „Gehbehinderter Rentner auf einem Segway mit 25 km/h auf dem Neubrandenburger Boulevard von der Polizei gestoppt“.

was tun die menschen die nicht gut zu fuß sind, aber rad fahren können? sie werden ausgeschlossen von besessenen, die ein nicht mehr zeitgemäßes heiligtum ihr eigen nennen. der boulevard ist breit genug für alle. links und rechts einen streifen einreichten wo man gemütlich fahren kann. das ist dann nichts anderes als der gehwegbegleitende radweg auf dem ring. wer da genau mal hinschaut sieht die unvernünftigen fußgänger, die nicht mal wissen warum der belag eine andere farbe hat. lieber die fußgänger richtig erst mal erziehen und die verrückten radfahrer ohne licht und bremse aus den verkehr nehmen, dann gibt es ein gutes zusammenleben. in anderen stätdten geht es ja auch. welch irrsinn sich da so mancher möchtegernpolitiker auf sein schild schreibt. sicher wird er von den einzelhändlern gesponsert. ohne rad kaufe ich auchnicht mehr dort ein. vielleicht machen es bald noch mehr menschen und bleiben der trostmeile fern.

Die Fraktion der SPD/Bündnis90-Grüne in der Stadtvertretung Neubrandenburg erarbeitet seit Monaten einen Antrag und Prüfauftrag an die Stadtverwaltung zur Öffnung der Fußgängerzone. Dies in enger Abstimmung mit der Fachabteilung im Rathaus. Im kommenden Frühjahr soll eine Untersuchung hierzu starten. Natürlich wird das Thema zwischen den Beteiligten kontrovers betrachtet. Falsch ist die Aussage, dass die "Grünen" die ganze Turmstraße frei haben wollen. Die Fraktion verfolgt als Mindestnutzung die Öffnung der Fußgängerzone nach Ladenschluß bis in den nächsten Morgen. Die im NK berichtete Empörung klingt schon wie früher Wahlkampfdonner. Bleiben wir lieber bei der Wahrheit und den Anspruch, die beste Lösung für die Fahrradfahrerinnen/-er, darunter viele in ihrer Laufbewegung eingeschränkte Bürgerinnen/-er, zu finden.