Im Dauerregen in die Pedale:

Radfahrer nehmen die erste Hürde der Saison

Mal wieder etwas länger brauchte Mecklenburg für die Einführung der Umweltplakette für Fahrräder. Dafür haben sich die Tollense-Radler immerhin einen passenden Zeitpunkt ausgesucht.

So ein kleiner Brückenbuckel am Oberbach ist nur der Anfang: 60 "familienfreundliche" Kilometer liegen hier noch vor den Radfahrern.
Susanne Schulz So ein kleiner Brückenbuckel am Oberbach ist nur der Anfang: 60 "familienfreundliche" Kilometer liegen hier noch vor den Radfahrern.

Wozu braucht ein Fahrrad denn wohl eine Umweltplakette? Ganz einfach: „Ab 1. April dürfen Radfahrer nur noch in die Innenstädte, wenn sie mit dieser grünen Plakette nachweisen können, dass sie keine Belastung für die Umwelt darstellen“, erklärt René Martin, Neubrandenburger Frontmann des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC, als er zur regnerischen „Start in den Frühling“-Tour die grünen Aufkleber verteilt.

Wie das Datum schon vermuten lässt, ist das mit der Plakettenpflicht - welch Glück, alle haben die Prüfung bestanden - ein vorgezogener Aprilscherz. Tatsächlich ist der grüne Kreis - dem Aufkleber nachempfunden, den Autofahrer an die Frontscheibe pappen müssen - ein demonstratives Signal, dass die Radfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer betrachtet werden wollen. In anderen Bundesländern gibt’s diese Kampagne schon lange - nur Mecklenburg brauchte halt wenn schon nicht die sprichwörtlichen 50, so doch fünf Jahre länger, stellt Martin fest.

Bedarfsampeln sind ein Ärgernis

Nötig ist die Botschaft jedenfalls, betont er und verweist auf Neubrandenburger Radfahrer-Ärgernisse wie die sogenannten Bedarfsampeln, die er als „Bettelampeln“ bezeichnet, ihrer ungünstigen Schaltung wegen. Als Extrembeispiel dient ihm der Pferdemarkt: Dort mittels dreier Ampel-Übergänge vom Friedländer Tor bis zur Demminer Straße zu gelangen, sei für Radfahrer vielleicht gerade so, für Fußgänger aber kaum „in einem Rutsch“ möglich.

Auch dass sie auf dem innenstädtischen Boulevard tagsüber schieben müssen, grämt die Radfahrer, die sich „ausgebremst“ fühlen und auf ihre Belange mit Aktionen wie jüngst erst wieder einer „critical mass“ aufmerksam machen, indem sie im Pulk um den Ring fahren. „Wir wollen erreichen, dass wir in der Stadt wieder mehr Gehör finden“, sagt René Martin - gern auch mit einem so ironischen Signal wie der Umweltplakette.

Beim Start in den Frühling übrigens wurde die Stadt ohnehin weiträumig umfahren. Genauer: 60 Kilometer weit, entgegen dem Uhrzeigersinn um den halben Tollensesee und dann weiter mit einem Abstecher entlang der Serrahner Buchenwälder zurück in Richtung Heimat.

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Kommentare (1)

Die grösste Hürde wurde ja im Artikel schon angesprochen ... die sog. "Bedarfsampeln" Diese sind gerade an Kreuzungen so unnötig wie ein Kropf … was aber die Verkehrsplaner nicht daran hindert, sie überall einzusetzen. Ich bin viel im Bereich der Neustrelitzer, der Woldegker und der Demminer Strasse unterwegs und ärgere mich jedesmal über diese “Bedarfsampeln” … egal ob ich zu Fuss oder mit dem Rad unterwegs bin. Ist es eigentlich so schwer, die Ampeln so einzurichten, dass bei Rot für die Hauptstrasse die Verkehrsteilnehmer, welche die Strasse überqueren wollen, automatisch “Grün” haben. Als es noch keine “Bedarfsampeln” gab, hat es doch auch funktioniert … einen Sicherheitsgewinn bringt die “Bedarfs”-Schaltung keineswegs, nur eine Bevorzugung der Autofahrer. Nächste grosse Hürde ... die Demminer Strasse ... die Ostseite der Demminer Strasse (inkl. Belhelfsbrücke) für den Radverkehr beidseitig freizugeben ist m.E. absoluter Schwachsinn. Einerseits ist der kombinierte Fuß-/Radweg stadtauswärts zu schmal, als das bei der Einstellung mancher Radfahrer dort Fußgänger und Radfahrer friedlich koexistieren können, ausserdem gibt es einige Radfahrer, welch diesen Weg verkehrswidrig in falscher Richtung benutzen (und dies z.T. in einem Affentempo, ohne Rücksicht auf andere). Dass viele Radfahrer meinen, auf der Behelsbrücke nicht absteigen zu müssen, wenn Fußgänger entgegen kommen, steht auf einem anderen Blatt. Von der Behelfsbrücke weiter in Richtung Abzweig Ravensburgstrasse ist der Radweg zum Teil in einen verheerenden Zustand. Mein Vorschlag daher: Die Ostseite der Demminer Strasse bis zur Ravensburgstrasse nur noch für den Radverkehr stadtauswärts freigeben, wie es ursprünglich auch mal war und dieses Richtungsgebot auch durchstzen. Zum zweiten muss der Radweg zwischen Behelfsbrücke und Ravensburgstrasse dringenst saniert werden... Dass bei der Planung der Bauarbeiten an der Hochstrasse in Richtung Oststadt die Interessen der Radfahrer einfach unter den Teppich gekehrt wurden, ist die nächste grosse Hürde für die Radfahrer in Neubrandenburg ... aber das hat ja schon Tradition. Ich empfehle den Verantwortlichen von Stadtverwaltung und Strassenbauamt ganz ehrlich, sich mal selbst aufs Fahrrad zu setzen und mal eine Tour zu den Problemstellen hier in NB zu machen ... vielleicht geht ihnen dann mal ein Licht auf, in welchem Umfang eine recht grosse Gruppe von Verkehrsteilnehmern durch die Entscheidungen der Verantwortlichen benachteiligt werden.