Zwischenstand zu Ermittlungen :

Schönhof-Betreiber: An Vorwürfen nichts dran

Jugendliche sollen im Schönhof in Salow misshandelt worden sein. Rückenwind erhalten die Betreiber nun von der Gemeinde.

Die Schönhof GmbH ist in Verruf geraten. Gegen die Betreiber laufen mehrere Anzeigen, die die Staatsanwaltschaft nun prüft. 
Paulina Jasmer Die Schönhof GmbH ist in Verruf geraten. Gegen die Betreiber laufen mehrere Anzeigen, die die Staatsanwaltschaft nun prüft. 

Die Betreiber des Schönhofs in Salow, wo schwer erziehbare Kinder und Jugendliche untergebracht sind, haben jetzt Rückendeckung aus der Gemeinde bekommen. Insgesamt liegen sechs Anzeigen vor, sie umfassen Vorwürfe wie Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Verletzung gegen das Post- und Fernmeldegeheimnis. Im März waren diese Anschuldigungen laut geworden. Ehemalige Bewohner hatten sich gemeldet und von körperlicher Folter berichtet.

Bürgermeister kann die Aufregung nicht nachvollziehen

Jan Umlauft, Bürgermeister der Gemeinde Datzetal – zu der Salow gehört – kann diese Aufregung um den Schönhof indes nicht nachvollziehen. Die privat betriebene Einrichtung befindet sich inmitten des Ortes – „ich wohne selbst in Salow“, sagt der Bürgermeister – und er könne keine Probleme ausmachen. Da würden keine Jugendlichen polternd durchs Dorf ziehen und für Unruhe sorgen. Einige Schönhof-Kinder seien in der Feuerwehr aktiv oder engagierten sich im Jugendclub. Natürlich gehe in Salow auch einmal ein Fenster zu Bruch. Dumme-Jungen-Streiche oder einfach ein Versehen, das jedem passieren könne. Das widerfahre Salows Kindern genauso wie den Jugendlichen vom Schönhof.

Mädchen rennt aus Einrichtung davon

Andere Salower, die namentlich nicht genannt werden möchten, hingegen sorgen sich, wie eine E-Mail an den Nordkurier zeigt. Dort schildert ein Mann, wie vor kurzem ein fremdes Mädchen vor seiner Tür gestanden und barfuß um Hilfe gebeten habe. „Sie erzählte, dass sie vom Schönhof in Salow abgehauen ist und dorthin nicht mehr zurück wolle“, so die Zeilen in der E-Mail. „Wir wussten in dieser Situation nicht so richtig, was wir machen sollten. Das Mädchen berichtete, es wird dort im Schönhof misshandelt, zeigte blaue Flecke am Unterarm“, so der Mann weiter. Die Polizei wurde gerufen, wie eine Sprecherin auf Nordkurier-Nachfrage bestätigte. Das Mädchen sei dann von den Schönhof-Betreuern abgeholt und in eine andere Einrichtung gebracht worden.

Gerd Zeisler, Oberstaatsanwalt in Neubrandenburg, kann auf Nachfrage des Nordkurier noch keine konkreten Auskünfte zum Ermittlungsstand erteilen – weder, ob die Vorwürfe bewiesen sind noch ob das Gegenteil der Fall ist.