Gebrochener Flügel:

Schwan verletzt sich schwer an Wasserskianlage

Seine Überlebenschancen hängen davon ab, wie gut er jetzt noch sein Revier verteidigen kann. Verletzt hat sich der Schwan wohl an den Spanndrähten der Wasserskianlage. Ein Einzelfall?

Gestatten: Moritz, ein stolzer Schwan. Doch wie lange kann er mit dem gebrochenen Flügel sein Revier verteidigen?
Klaus-Jürgen Donner Gestatten: Moritz, ein stolzer Schwan. Doch wie lange kann er mit dem gebrochenen Flügel sein Revier verteidigen?

Moritz hat ein Problem. Dem Höckerschwan könnten stärkere Artgenossen am Neubrandenburger Reitbahnsee das Revier streitig machen. Und stärker sind sie, weil Moritz durch einen gebrochenen Flügel geschwächt ist und sich nicht in die Lüfte erheben kann. Obendrein hat sich die Liebste von ihm abgewandt - wo Schwäne doch für ihre Treue bekannt sind!

Verletzt hat das Tier sich wohl - eben bei einem solchen Revierkampf - an den Abspannseilen für die Masten der Wasserski-Anlage, urteilt ein Fachmann: Der Ornithologe und Fachgutachter Dr. Jürgen Kaatz ist vor allem mit der Erforschung der Neubrandenburger Wasservogelwelt befasst. Er sieht in den Seilen, mit denen die Masten von Land aus in Position gehalten werden, "ein extrem hohes Gefährdungspotenzial".

Mit einem solchen Risiko hatte man nicht gerechnet

Den Betreibern der Anlage sei das Risiko sicher gar nicht bewusst: "Von solchen Problemen hören wir zum ersten Mal", bestätigt Mitarbeiterin Simone Wolf. Schließlich habe die seit 15 Jahren bestehende Wasserski-Anlage jede Menge Genehmigungsverfahren durchlaufen, sowohl nach baulichen als auch nach natur- und umweltschützerischen Kriterien. "Hätte es auch nur die kleinsten Bedenken gegeben, wäre die Anlage gar nicht erst genehmigt worden", weiß Simone Wolf.

Und Vögel tummeln sich hier durchaus gern, wie bestens zu hören und zu ruhigen Tageszeiten auch zu sehen ist: "Abends sitzen Vögel zuhauf auf den Seilen, morgens auch auf dem Steg und auf den Kickern", zeigt die junge Frau auf die kleinen aus dem Wasser ragenden Schanzen. Auch den Schwan mit dem abgeknickten Flügel hat sie natürlich bemerkt, aber vermutet, dass er sich auf andere Weise verletzt habe. Denn die Abspannungen seien doch gut zu sehen.

Für Menschen ja, für Vögel nicht, und noch weniger in Dämmerung oder Dunkelheit, schränkt Kaatz ein. Bei der Kollision tragen die Tiere oft schwere, mitunter tödliche Verletzungen davon. Abhilfe schaffen ließe sich mit ganz einfachen Mitteln, legt der Ornithologe nahe: "Eine Kennzeichnung mit Flatterbändern würde die Wahrnehmbarkeit für die Vögel schon erhöhen", meint er und wünscht sich, dass sein Vorschlag bei den Betreibern der Wasserski-Anlage Gehör findet.

Wie es um die Überlebenschancen von Moritz steht

Wie Beringungen und Beobachtungen ergaben, brüten am Reitbahnsee Teichhühner, Blässrallen und Stockenten. Während der Zugzeiten machen auch Haubentaucher, Lachmöwen sowie Sturm-, Silber- und Steppenmöwen hier Station. Wie nun Moritz’ Überlebenschancen stehen, hängt davon ab, wann ein Paar mit einem stärkeren Männchen das Brutrevier beansprucht, erklärt Kaatz: Da der verletzte Schwan nicht flüchten könne, wäre er dann wohl todgeweiht. Ob ihm nicht Menschen helfen könnten? Kaatz weiß zumindest von einer Station im Nachbarland Brandenburg, deren engagierter Betreiber - ein ehemaliger Zootierpfleger - sich schon mal eines mecklenburgischen Schwans mit kaputter Bürzeldrüse angenommen hatte.

 

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