Archäologen stoßen auf die Pest :

Schwarzer Tod verdächtig für Serienmord

Der Fund hat die Archäologen überrascht: Bei den Ausgrabungen am Treptower Tor entdeckten die Wissenschaftler die Gebeine mehrerer Toter. Sogar auf die ungefähre Sterbezeit haben sich die Fachleute schon festgelegt.

Bei dem Skelett handelt es sich wahrscheinlich um die Überreste eines eta 15-jährigen Jungen.
Thomas Beigang Bei dem Skelett handelt es sich wahrscheinlich um die Überreste eines eta 15-jährigen Jungen.

Fünf Tote in Neubrandenburg - und doch muss kein Gerichtsmediziner mit Blaulicht an den Tatort gerufen werden. Das ist kein Fall für die Ermittler der Kriminalpolizei, sondern der Angelegenheit haben sich Archäologen angenommen. Denn nach dem Fund der knöchernen Überreste von fünf Menschen besteht weder Tötungsverdacht noch ermittelt die Kripo gegen Unbekannt. Für die Ausgrabungsspezialisten vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege steht der Schuldige ohnehin schon fest: Der "schwarze Tod". "Die Menschen sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der Mitte des 14. Jahrhunderts von der Pest dahin gerafft worden", legt sich der Archäologe Holger Fries fest, auf dessen Areal die Gebeine gefunden wurden.

Definitiv kein regulärer Friedhof

Hier auf den Flächen an der Neubrandenburger Stadtmauer unweit des Treptower Tores soll ein neues Wohnviertel entstehen, aber bevor die Bauleute anrücken, sieben die Archäologen die Erde durch. "Das war definitiv kein regulärer Friedhof", sagt der Ausgräber. Möglicherweise aber ein sogenannter Not-Friedhof. "Einiges spricht dafür", so Fries, "die Gräber sind sehr flach angelegt und die Toten liegen auch nicht einheitlich in einer Richtung". Üblich eigentlich bei Bestattungen: Der Kopf in Richtung Westen, der Blick so nach Osten. "Hier nicht", erklärt der Archäologe, "die Toten sind einfach verscharrt worden, weil sie wohl ganz schnell unter die Erde mussten." Ein Pest-Friedhof, mutmaßt er, für Opfer des "schwarzen Todes", wie die Seuche genannt wurde.

Unter den fünf entdeckten Gebeinen auch die sterblichen Überreste eines vielleicht 15-jährigen Jungen. "Alle anderen waren Erwachsene." Fries weiß auch, das die Stadt Neubrandenburg weder das Recht noch die Pflicht hat, sich der Gebeine ihrer Altvorderen anzunehmen. "Die Knochen gehören dem Landesamt für Denkmalpflege und werden, wenn wir hier fertig sind, in die Außenstelle nach Stralsund transportiert." 

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