Ausgrabungen an der Stadtmauer:

Sensationeller Fund sorgt für Begeisterung

Mehr als 500 Jahre ist der tönerne Pferdekopf alt, den die Archäologin Maria Albrecht im historischen Boden der Neubrandenburger Altstadt fand.

Maria Albrecht zeigt auf die Mähne des Keramik-Pferdekopf, der zur Lavabo gehörte. Der sensationelle Fund ist möglicherweise schon 500 Jahre alt.
Hartmut Nieswandt Maria Albrecht zeigt auf die Mähne des Keramik-Pferdekopf, der zur Lavabo gehörte. Der sensationelle Fund ist möglicherweise schon 500 Jahre alt.

Da verliert sogar Maria Albrecht die Fassung. Wo sie sonst die Ruhe selbst ist. Denn bei den Ausgrabungen auf den Flächen an der Neubrandenburger Stadtmauer, auf denen jetzt ein neues Wohnviertel entsteht, machte sie einen sensationellen Fund: den Ausgussteil eines Lavabos in Form eines Pferdekopfs. Geradezu verliebt präsentiert die Grabungsleiterin den Fund aus dem Spätmittelalter. „Es fehlt ein Ohr, aber die Mähne ist sehr gut erhalten. Dieses Keramikteil ist wahrscheinlich 500 bis 600 Jahre alt“, erläutert Maria Albrecht vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Schwerin.

Und sie erklärt, was ein Lavabo ist: in diesem Fall ein Wassergefäß mit Ausgießtülle, mit deren Hilfe sich im Mittelalter Tafelnde zwischendurch am Tisch die Hände wuschen.

An der Krämerstraße in der Neubrandenburger Innenstadt wurde am 1. September 1965 die Oberschule V eröffnet, neun Jahre später folgte die Turnhalle. Nach der Wende wurde aus der Oberschule die Gesamtschule Mitte, die nach dem Umzug der Einrichtung in die Südstadt, der im Jahr 2009 erfolgte, abgerissen wurde. Ebenso die Turnhalle.

Keramikteile wurde weggeworfen

Seitdem gibt es eine große freie Fläche im Stadtzentrum, die nun mit Wohnhäusern bebaut wird. Zunächst aber haben die Archäologen das Sagen. Denn diese Flächen sind seit Stadtgründung und Mauerbau Siedlungsgebiete.

Also begannen jetzt Maria Albrecht und Sebastian John, sich auf den Parzellen 1 und 2 den Boden genauer anzusehen. Schächte, Brunnen, Feldsteinpflaster sind von oben zu sehen. Und die Archäologen fanden eine Grube mit Keramikabfällen. Kurios: Diese Keramikteile sind heutzutage nach Jahrhunderten noch erhalten, weil sie damals als Abfall weggeworfen wurden. Wie der Pferdekopf vom Lavabo.

Zu diesem Arbeitsplatz in Neubrandenburg hat Maria Albrecht übrigens eine ganz besondere Beziehung. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal meinen eigenen Schulhof ausgrabe“, muss sie zwischendurch bei der Arbeit schmunzeln.

Erst muss der Boden ausgehoben werden

Denn als die Bildungseinrichtung Gesamtschule Mitte hieß, lernte sie hier das Abc. Bevor auf dieser relativ großen Fläche in der historischen Innenstadt Schule, Schulhof und Turnhalle entstanden, handelte es sich jahrhundertelang um ein kleinstädtisches Siedlungsgebiet. 1945 wurde das eingeäschert, später beräumt und planiert, die Keller wurden verfüllt. Das alles macht diese Flächen sehr interessant für die Kultur- und Denkmalpflege.

Bevor Maria Albrecht und Sebastian John die Feinarbeiten übernehmen, wird  – wie jetzt auf den Parzellen 3 und 4 – der Boden vorsichtig abgehoben. Der Aushub wird mit einem Metalldetektor auf mögliche kleine Metallteile untersucht. Die später ausgegrabenen Keramikteile werden in Schwerin zunächst gründlich gewaschen, damit zum Beispiel Verzierungen gut zu erkennen sind. Dann folgt die Inventarisierung.

Werden die Denkmalpfleger dem Start der Bauarbeiten lang anhaltend im Wege stehen müssen? „Nein, wir können zügig arbeiten, damit hier auf diesen Flächen in attraktiver Lage schnell Häuser entstehen können“, erklärt die Grabungsleiterin.

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